Weiterhin schlechte Zahlungsmoral

Die finanzielle Lage der Unternehmen ist trotz des Aufschwungs nicht stabil...

…und das Zahlungsverhalten ist nachlässiger geworden, so die zwei Kernergebnisse der Analyse des vierten Quartals 2010 von Creditreform. Der Indikator, der die Insolvenzgefahr misst, verharrt bei 2,25 Prozent. Das heißt, dass auf 10.000 Unternehmen 225 Firmen kommen, die in den letzten zwölf Monaten ein so genanntes hartes Negativmerkmal aufwiesen, etwa einen massiven Zahlungsverzug oder einen Insolvenzantrag. Insgesamt bleiben die Insolvenz-Daten im Vergleich zu den Vormonaten größtenteils unverändert – allerdings auf einem besseren Niveau als noch vor einem Jahr.

Am größten ist die Insolvenzgefahr bei Unternehmen aus dem Transport- und Logistikgewerbe. Hier haben pro 10.000 Unternehmen 409 Firmen ein hartes Risikomerkmal. Dann folgt die Bauwirtschaft als zweitschlechteste Branche (293) und die konsumnahen Dienstleistungen (276). Vergleichsweise gering sind die Risiken in der Grundstoffbranche mit 124 Ausfällen auf 10.000 Unternehmen, sowie in der Chemieindustrie (139) und der Metall- und Elektrobranche (168).

Leichtfertiger sind die Firmen mit dem Bezahlen ihrer Rechnungen geworden. Laut Creditreform-Indikator erhöhte sich der durchschnittliche Zahlungsverzug im vierten Quartal auf 12,23 Tage (Vorquartal: 12,08 Tage). Je nach Branche zeigen sich deutliche Unterschiede: Am schnellsten kommen Chemieunternehmen und konsumnahe Dienstleister ihren Verpflichtungen nach. In diesen Branchen zahlt ein säumiger Schuldner rund elf Tage nach Fristende. Ein gutes Zahlungsverhalten lässt sich bei Unternehmen aus der Metall- und Elektrobranche feststellen. Erneut am schlechtesten ist die Zahlungsmoral im Baugewerbe. Hier müssen Gläubiger rund 14 Tage über das Fristende hinaus warten.

Chemie-Unternehmen haben die besten Bonitätsnoten, die schlechtesten Bewertungen erhalten Firmen aus dem Logistiksektor. Deutlich besser als der Durchschnitt sind die Bonitätsnoten im Metall- und Elektrogewerbe, sowie in der Grundstoffindustrie und der Konsumgüterbranche. Riskanter werden dagegen Baugewerbe und Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor eingeschätzt.

Laut Creditreform wurde der rasante Konjunkturaufschwung im letzten Jahr vor allem durch den Export getragen. Die wachsende Zahl der Bestelleingänge im Verarbeitenden Gewerbe deutet darauf hin, dass die Konjunktur besonders in dieser Branche in den kommenden Monaten anziehen wird. Creditreform schließt sich den Analysen von anderen Wirtschaftsexperten an und sagt voraus, dass das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung „so nicht aufrechtzuerhalten sei“. Grund: Das vergangene Jahr stand noch im Zeichen von Nachholeffekten aus dem Krisenjahr 2009. Probleme bereiten die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise: Rohöl beispielsweise ist um 36,5 Prozent teurer als vor einem Jahr, Eisenerze sogar um 98,4 Prozent.

Zwei Wirtschaftszweige verzeichneten im vierten Quartal eine Abschwächung des Aufschwungs: der Bau und konsumnahe Dienstleister. Deutlicher fiel der Rückschritt im Bereich Transport und Logistik aus. Dagegen ist das Branchenbarometer in der Chemieindustrie sowie in der Metall- und Elektrobranche und der Konsumgüterbranche, aber auch im Einzelhandel, sichtlich gestiegen. Auch die weiteren Industriesektoren sowie die Unternehmensdienstleister erreichen im Ranking der Wirtschaftszweige vordere Plätze.

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