Das Wissen der Alten ist wieder gefragt

Drei Viertel der befragten Firmen rechnen durch die veränderte Altersstruktur...

…der Bevölkerung mit gravierenden Folgen für ihr Unternehmen. Unter größeren Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten glauben das sogar fast 90 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

Die Erhebung bei mehr als 28.000 Betrieben verdeutlicht, dass deutsche Unternehmen zunehmend eine Vergreisung ihrer Belegschaften, Nachwuchsmangel und den Verlust von Know-how befürchten. Am größten ist dabei die Furcht vor einem Fachkräfteengpass, wie ihn jedes zweite Unternehmen erwartet. Mehr als jeder vierte Betrieb betrachtet den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern bereits für das Jahr 2011 als „eines der größten Risiken“.

Auch die Alterung ihres Personalbestandes stimmt die Firmen besorgt. Jedes dritte Unternehmen sieht sich davon betroffen, in den Branchen Industrie und Bau sind es sogar 40 Prozent. „Die Unternehmen müssen künftig die Potenziale Älterer noch stärker nutzen“, meint DIHK-Präsident Driftmann.

Die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-Jährigen hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu auf 40 Prozent verdoppelt. Die Experten sehen hier eine positive Entwicklung. Allerdings bestehen bezüglich der Erwerbsbeteiligung Älterer weitere Steigerungspotenziale, wie der Vergleich mit Ländern wie Schweden, Norwegen und der Schweiz verdeutlicht. Um die Beschäftigungsfähigkeit sowie die Motivation Älterer langfristig zu sichern, sind vielfältige personalpolitische Maßnahmen nötig. Dazu gehört zum Beispiel die Arbeitsorganisation, bei der flexible Arbeitszeiten und –orte oder eine lernförderliche Arbeitsumgebung eine starke Rolle spielen. Gleiches gilt für die betriebliche Gesundheitsförderung, zu der eine entsprechende Arbeitsplatzgestaltung ebenso gehören kann wie Betriebssport oder Gesundheitschecks.

Ein Viertel der befragten Firmen rechnet mit einem steigenden Weiterbildungsbedarf. Zudem wächst mit der Alterung in den Betrieben die Gefahr, dass das langfristig aufgebaute Wissen der Mitarbeiter schlagartig verloren gehen könnte. Jedes fünfte Unternehmen in der Industrie hat Angst vor einem solchen Wissensverlust.

Die Experten fordern die Politik auf, die Anstrengungen der Betriebe mit Reformen am Arbeitsmarkt zu unterstützen. Fast jedes zweite Unternehmen wünscht sich einen flexibleren Kündigungsschutz zur Erleichterung der Einstellung Älterer. Derzeit bestehen für Arbeitnehmer ab dem 52. Lebensjahr gesonderte Regeln für Befristungen. Voraussetzung für die Befristung ist neben der Altersgrenze, dass der Arbeitnehmer vor Beginn des befristeten Arbeitsverhältnisses mindestens vier Monate beschäftigungslos war, Transferkurzarbeitergeld bezogen oder an einer öffentlich geförderten Beschäftigungsmaßnahme teilgenommen hat. Betriebe wünschen sich hier etwas pragmatischere Regelungen. So sollte darüber nachgedacht werden, die Voraussetzung der viermonatigen Arbeitslosigkeit zu lockern. Sinnvoll wäre es beispielsweise, wenn bereits eine drohende Arbeitslosigkeit als Kriterium für eine sachgrundlose Befristung ausreicht, meint Driftmann.

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