„Wir haben die Fäden selbst in der Hand“

Ein mittelständisches Call-Center: Bei allem technologischen Vorsprung bleibt der Mensch das wichtigste Asset. Ein Interview.

Karsten Wulf, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der buw Unternehmensgruppe aus Osnabrück, hält Unternehmens-Aussagen zu Werten und zur eigenen Kultur nicht für reine Lippenbekenntnisse.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Sie betreuen als Dienstleister unter anderem die Telefonaktion zum „Bürgerforum 2011“, das vom Bundespräsidenten Christian Wulff initiiert wurde. Wie kommt man an solche interessanten Aufträge?

Karsten Wulf: Wir haben in der Bewerbungsphase offensichtlich den besten Eindruck hinterlassen und so letztlich den Job erhalten. Aufgrund unserer Erfahrung bei der Realisierung anderer Projekte der Öffentlichen Hand bringen wir inhaltliche Kompetenz und absolutes Verständnis für die Rahmenbedingungen mit. Zu nennen wäre hier das Projekt D115, also die Etablierung einer bundeseinheitlichen Behördenvorwahl. Hier arbeiten wir bereits erfolgreich für erste Kommunen. Hinzu kommt, dass wir politische Projekte wie diese sehr gerne unterstützen und dazu unseren Beitrag leisten.

Die buw Unternehmensgruppe gilt als Mittelständler mit Anspruch. Auf Ihrer Website kann man von Werten wie Vertrauen, Nachhaltigkeit, Kontinuität und Wertschätzung lesen. Inwiefern stimmen diese Werte mit der unternehmerischen Praxis Ihres Betriebes überein?

Für uns gibt es drei wesentliche Erfolgsfaktoren: erstens unsere Mitarbeiter, zweitens unsere Mitarbeiter, drittens unsere Mitarbeiter. Wir wissen, dass wir in den letzten fast 18 Jahren nur aufgrund unseres besonderen Teamgefüges und Miteinanders eine solche Erfolgsgeschichte schreiben konnten. Für uns sind Werte wie Vertrauen, Nachhaltigkeit, Kontinuität und Wertschätzung elementar. Häufig vermutet man hinter Unternehmens-Aussagen zu Werten und zur eigenen Kultur reine Lippenbekenntnisse – dies ist bei uns nachweislich nicht der Fall! Soeben wurden wir zum vierten Mal in Folge mit dem Award Top Job 2011 als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet. Die Juroren beurteilen seit Beginn unserer Teilnahme am Benchmark-Wettbewerb insbesondere das Personalmanagement als ausgezeichnet. Die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter ist für uns ein entscheidender Wettbewerbsfaktor und deshalb ein Schwerpunkt unseres Personalmanagements. Im Betrieblichen Gesundheitsmanagement spielen zudem zahlreiche innovative Maßnahmen eine große Rolle, wie beispielsweise Massage-Angebote, Betriebssport oder unser Dr. Bob als allgegenwärtiges Maskottchen in der Belegschaft. Nach einem ganzheitlichen Vorgehen werden im Betrieblichen Gesundheitsmanagement die Arbeitsbedingungen stets optimiert. Es bestehen vielfältige Angebote zur Gesundheitsförderung (Rückenschule, Ernährungsberatung, Vorsorgeuntersuchungen, Stimm- und Stresstraining oder frisches Obst) für alle Mitarbeiter.

Woran merken Ihre Mitarbeiter und Kunden, dass Ihr Unternehmen von mittelständischen Strukturen geprägt ist und zurzeit in eine Erfolg versprechende Zukunft blickt?

Im Gegensatz zum Konzern haben wir als größtes inhabergeführtes Dienstleistungsunternehmen die Fäden nach wie vor selbst in der Hand. Wir sind nah am Team und nah am Kunden. Unsere Entscheidungen werden schnell, nachhaltig und kunden- bzw. mitarbeiterorientiert getroffen. Sowohl Jens Bormann (zweiter geschäftsführender Gesellschafter) als auch ich sind jederzeit für unsere Mitarbeiter ansprechbar. Verzögerungen durch lange Ausschusssitzungen oder zahlreiche Entscheidungsträger kommen bei uns nicht zustande. Nur so ist es uns beispielsweise auch möglich, innerhalb von Monaten einen ganz neuen Standort aufzubauen, um unser geplantes Wachstum zu erreichen. Derzeit suchen wir für unsere buw Standorte aufgrund von Projektausweitungen und Neukunden mehr als 200 weitere Mitarbeiter. Unser Ziel ist es, Ende des Jahres über 4.000 Mitarbeiter zu beschäftigen und einen Umsatz von 100 Millionen Euro zu erreichen. Und wir sind sehr optimistisch, dieses Ziel auch zu erreichen.

Mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten möchten Sie Ihre Arbeit in den nächsten zwölf Monaten verbinden?

Auch in diesem Jahr möchten wir verstärkt an Themen rund um den Erfolgsfaktor Mensch arbeiten. Uns geht es darum, Potenziale zu erkennen und die Mitarbeiter bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Dabei setzen wir auch auf neue Methoden wie beispielsweise „Mobiles Lernen“. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Selbstlernprogramme, mit denen unsere Mitarbeiter losgelöst vom Rahmen einer klassischen Schulung die für sie relevanten Inhalte ortsunabhängig erarbeiten können. Darüber hinaus setzen wir verstärkt auf virtuelle Seminare, die Lerngruppen verschiedener buw-Standorte über ein Konferenz- und Chat-System miteinander verbinden.

Inwiefern planen Sie, ins Ausland zu expandieren? Welche Tugenden und Strukturen sind für Sie im Auslandsgeschäft wichtig?

Wir haben soeben einen zweiten Auslands-Standort in Timişoara, Rumänien eröffnet. Mit der erfolgreichen Etablierung unserer Niederlassung in Ungarn (Pécs) vor fünf Jahren hat sich gezeigt, dass ein Auslandsstandort dann funktioniert, wenn man einerseits die Unternehmenskultur und die eigenen Werte weiterlebt, diese aber gleichzeitig mit der Kultur und Lebensart des anderen Landes verknüpft. Langjährige buw Mitarbeiter bauen die Niederlassung vor Ort auf und begleiten die neuen Kollegen in der Anfangszeit über mehrere Monate. So stellen wir sicher, dass der neue Standort auch ein echter buw Standort mit allem, was uns wichtig ist, wird. Natürlich sind im Vorfeld eine detaillierte Standortrecherche und -planung sowie eine realistische Zielsetzung wesentlich. Wir erwarten für unseren neuen Standort in Rumänien eine ähnlich positive Entwicklung wie wir sie bei unserem ungarischen Standort verzeichnen können.

Wie würde Ihre Konkurrenz Ihre Erfolgsstory der letzten Jahre beschreiben?

Das ist eine interessante Frage, vielleicht fragen Sie da tatsächlich besser unsere Wettbewerber… Im Gegensatz zu vielen weiteren Marktteilnehmern sind wir als letztes großes inhabergeführtes Unternehmen ohne Fremdkapital aus eigener Kraft gewachsen. Das ist mit Sicherheit in der Branche außergewöhnlich.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten den Markt hinsichtlich der Ressourcen, die Ihr Unternehmen braucht, beeinflussen. An welchen Stellschrauben würden Sie jetzt entschlossen drehen?

Für uns ist die Ressource Mensch die wertvollste und wichtigste – und gleichzeitig das knappste Gut. Unter anderem aus diesem Grund engagieren wir uns für Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern ganz besonders. In unserem Unternehmen absolvieren derzeit 65 junge Menschen ihre Ausbildung, unter anderem erlernen Sie den relativ neuen Ausbildungsberuf der Dialog-Kauffrau / des Dialog-Kaufmanns oder der Servicefachkraft für Dialogmarketing. Es ist uns wichtig, die Fachkräfte für Morgen zu entwickeln. Davon profitieren wir als buw Unternehmensgruppe mit starkem Wachstum ganz besonders.

Darüber hinaus engagieren wir uns an jedem unserer buw Standorte für junge Menschen, die ins Berufsleben starten wollen. Mit dem buw Azubi-Trainingslauf erhalten angehende Bewerber in Form eines Wettbewerbs wertvolle Informationen für ihren weiteren Lebensweg und zudem die Aussicht auf eine Ausbildungsstelle sowie Geld- und Sachprämien.

Können Sie sich vorstellen, was in einem Buch über Wirtschaftserfolge in der Dekade
2010 bis 2020 über die Innovationsfähigkeit von BUW stehen würde?

Wir gelten in der Branche als Innovationsführer – wir haben nichts dagegen, das auch in einem Buch über Wirtschaftserfolge erwähnt zu sehen ….

Belegen lässt sich das anhand zahlreicher gemeinsamer Projekte, beispielsweise mit dem Fraunhofer Institut, der European Business School und diversen Hochschulen wie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster oder der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Was sind Ihre wichtigsten Handelspartner und wie schaffen Sie es, die Beziehung langfristig erfolgreich zu gestalten?

Alle Stakeholder der buw Unternehmensgruppe sind für uns wichtig: Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten. Eine Beziehung – egal welche – ist unserer Ansicht nach unter anderem nur dann erfolgreich, wenn sie durch Respekt und Wertschätzung im Umgang miteinander geprägt ist. Nach diesem Credo leben und handeln wir.

Wie heißen die drei großen Herausforderungen Ihrer Branche?

Qualität, Flexibilität und Innovationskraft.

Können Sie uns schon drei Rezepte für eine erfolgreiche Annahme dieser Herausforderungen skizzieren?

Wir machen so weiter wie bisher und handeln nach dem Motto, jeden Tag ein kleines bisschen besser zu werden. Mit dem rechten Augenmaß und unserem tollen Team werden wir auch zukünftige unternehmerische Herausforderungen meistern!

Herr Wulf, vielen Dank für das Gespräch!

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