Der Dispo wird für Investitionen verwendet

Eine aktuelle Studie belegt: Deutsche Familienunternehmen zahlen höhere Zinsen für kurzfristige Kredite, um nicht auf externe Kapitalgeber angewiesen zu sein.

Familienunternehmen finanzieren ihre Investitionen deutlich anders als andere Unternehmen. Unternehmen, die sich zu mindestens 50 Prozent in der Hand einer Familie befinden, finanzieren ihre langfristigen Investitionen und Innovationsprojekte häufiger mit kurzfristigen Krediten als Nicht-Familienunternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, die 1.417 Familienunternehmen mit 1.195 Nicht-Familienunternehmen in Deutschland hinsichtlich ihres Finanzierungsverhaltens verglichen hat.

Von dieser Strategie versprechen sich offenbar viele Familienunternehmen, zu große Abhängigkeiten von externen Kapitalgebern vermeiden zu können. Dass für kurzfristige Kredite höhere Kreditzinsen gezahlt werden müssen, nehmen die Familienunternehmen zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit dabei bewusst in Kauf.

Studien-Autor Peter Westerheide erklärt im Interview mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten, worin der große Unterschied liegt: „Familienunternehmen finanzieren ihre Investitionen und Innovationen signifikant häufiger mit kurzfristigen Krediten als andere, ansonsten ähnliche Unternehmen. Während z.B. 30 Prozent der Familienunternehmen kurzfristige Kreditformen wie Überziehungs- und Dispositionskredite auch zur Finanzierung von Investitionen nutzen, sind dies bei den Nicht-Familienunternehmen lediglich 19 Prozent.“

Zur Finanzierung von Innovationen wiederum greifen gut 24 Prozent der Familienunternehmen und lediglich 14 Prozent der anderen Unternehmen auf kurzfristige Kreditformen zurück. Die Unternehmen nehmen „mit der häufigeren Verwendung dieser Finanzierungsform deutliche Kostennachteile auf sich“: „In der Periode, die wir untersucht haben, waren kurzfristige Überziehungskredite für Unternehmen rund 1,25 Prozentpunkte teurer als zweckgebundene  Kredite mit einer festen Laufzeit von 1-5 Jahren.“

Westerheide: Mittelstand scheut Abhängigkeit

Mangelndes Standing bei den Banken kann nicht die Ursache für diesen nicht unbedingt rationalen Ansatz sein.  Die Gründe für dieses Finanzierungsverhalten lassen sich, so Westerheide, nur indirekt erschließen: „Da insbesondere die größeren Familienunternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten sich entsprechend verhalten und diese Unternehmen zugleich im Durchschnitt eine höhere Kreditwürdigkeit als Nicht-Familienunternehmen aufweisen, spricht wenig dafür, dass ein Mangel an langfristigen Finanzierungsmöglichkeiten zugrunde liegt. Vielmehr ist anzunehmen, dass die Familienunternehmen zu große Abhängigkeiten von externen Kapitalgebern scheuen und sich lieber flexibel verschulden.“

Dieses im deutschen Mittelstand sehr verbreitete Verhalten führt unter Umständen auch dazu, dass mitunter „aus diesem Grund durchaus auch Investitionsprojekte insbesondere von größeren Familienunternehmen abgelehnt“ werden. Für Westerheide ist den Familienunternehmen vor allem ihre Unabhängigkeit heilig: „Familienunternehmer sind üblicherweise langfristig orientiert und möchte die Kontrolle über ihr  Unternehmen gern in der Familie halten. Zu großer Einfluss externer Kapitalgeber wird daher nicht gern gesehen.“

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist nach Angaben der Bundesbank daher auch folgerichtig. zum Ende des vergangenen Jahres noch nicht angesprungen. Insgesamt blieb im Jahr 2010 der Bestand an Unternehmenskrediten trotz günstiger Konjunkturentwicklung relativ konstant.

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