Basel III könnte vielen Probleme bereiten

Firmenpleiten in Frankreich, Großbritannien und Italien belasten Konjunkturaussichten.

Bei Deutschlands wichtigsten Handelspartnern – Frankreich, Großbritannien und Italien – werden in diesem Jahr erheblich mehr Firmen eine Insolvenz anmelden müssen als vor der Krise. Das meldet der Kreditversicherer Atradius. In Portugal, Griechenland, Japan und den USA sieht es nicht besser aus. Für alle Märkte gilt: Es wird mehr Insolvenzen geben als vor dem Ausbruch der Krise.

In den USA erwarten die Atradius-Experten 51.700 Insolvenzfälle – knapp doppelt so viele Insolvenzen wie im Jahr 2007. Portugal und Japan werden eine Zunahme von fünf Prozent hinnehmen müssen. In Griechenland prognostizieren Experten für dieses Jahr sogar eine Zunahme um 30 Prozent. Demnach haben Griechen mit der stark nachlassenden Kaufkraft infolge des Sparpakets der Regierung, zunehmenden Forderungsausfällen und erschwerten Bedingungen für die Aufnahme von Unternehmenskrediten zu kämpfen. In Griechenland sind vor allem der Einzelhandel, die Bauindustrie und der Autohandel am Boden.

In Deutschland werden die Insolvenzen im Jahr 2011 voraussichtlich um fünf Prozent auf 30.400 Fälle zurückgehen. Atradius rechnet mit ähnlich hohen Schadensaufwendungen wie im Jahr 2008 (rund 48,6 Milliarden Euro).

Die im Jahr 2010 begonnene Entspannung wird sich fortsetzen. Aber in vielen wichtigen Märkten wird der Aufschwung in diesem Jahr an Geschwindigkeit verlieren. So liegt die Wirtschaftsleistung in Deutschland (- 1,5 Prozent), Frankreich (- 1,2 Prozent), den USA (-1,1 Prozent) und Großbritannien (- 3,8 Prozent) weiterhin unter Vorkrisenniveau. Nach der letzten Abschwungphase vom Jahr 1990 bis zum Jahr 1993 hatte sich die Wirtschaft im gleichen Zeitraum deutlich schneller erholt. Das Bruttoinlandsprodukt lag damals wieder 3,4 Prozentpunkte (Frankreich) bis 5,3 Prozentpunkte (USA) über dem Vorkrisenniveau. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten würden die Unternehmen noch länger begleiten, aber die deutsche Wirtschaft werde sich im Jahr 2011 weiter stabilisieren, so die Experten einschätzung.

Basel III, das ab dem Jahr 2013 schrittweise in Kraft treten soll, könnte laut Atradius kleinen und mittelständischen Unternehmen große Probleme bereiten und zu einer Pleitewelle führen. Grund: Die Eigenkapitalquoten der Unternehmen sind im Verlauf der Krise gesunken. Wenn dann durch Basel III die Banken strengere Risikobewertungen vornehmen, könnten vielen Mittelständler keine Finanzierung mehr bekommen. So würde es bei den Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent sicher zu einem Anstieg von Insolvenzen durch Basel III kommen.

Atradius-Experten kritisieren das schlechte Working Capital-Management. So sollten zum Beispiel nicht die Lieferanten bezahlt werden, bevor die Firmen Geld vom Kunden bekommen. In einer Boomphase könne sich ein Unternehmen über die Runden retten, aber wenn die Vorschriften strikter und das Geschäft transparenter werden, dann könne das im Zuge von Basel III problematisch werden.

Ende Februar hat die Bundesregierung den Entwurf zu einem neuen Insolvenzrecht vorgelegt. Nach Meinung von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sollen durch die geplante Reform des Insolvenzrechts Sanierungen künftig einfacher, effektiver und schneller erfolgen. Das Gesetzt soll künftig mehr als echte Chance zur Sanierung verstanden werden und nicht das persönliche Versagen in den Vordergrund stellen, wünscht sich die Ministerin.

Kommentare

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  1. Steff Rohrbach sagt:

    So wie du mir, so ich dir, hat auch etwas Wahres

  2. Steff Rohrbach sagt:

    Echte Chance zur Sanierung und nicht das persönliche Versagen in den Vordergrund stellen, das ist es !!!!!