Japan-Import: Engpässe bei Elektro-Bauteilen möglich

VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers über die Folgen der Katastrophe in Japan für die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer.

„Zu eventuell empfindlichen Einschränkungen der deutschen Produktion könnte es bei Lieferausfällen insbesondere von elektronischen Komponenten (Steuerungen…), kommen“, sagte Dr. Ralph Wiechers Chefvolkswirt des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

„Vieles hängt hier von der Zerstörung von Fertigungskapazitäten, der Versorgung mit Strom, Wasser etc., dem Zustand der industriell genutzten Infrastruktur und Transportwege, der Flexibilität der japanischen Konzerne mit ihren weltweiten Standorten sowie der Flexibilität ihrer Wettbewerber ab“, meinte Wiechers.

Einschätzung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

Der VDMA-Chefvolkswirt erklärte, dass Japan hat als Markt für deutsche Maschinenbauerzeugnisse wegen der traditionellen Abschottung gemessen an anderen Industrienationen eine eher untergeordnete Bedeutung habe. So wurden im letzten Jahr Maschinenbauteile, -komponenten und Komplettmaschinen im Gegenwert von 1,6 Milliarden Euro von Deutschland nach Japan exportiert. Der Anteil an den deutschen Maschinenexporten beträgt damit nur 1,3 Prozent. „Japan hat Rang 21 unseres Exportrankings inne“, berichtet Wiechers.

An Deutschland werden insbesondere Werkzeugmaschinen, Antriebstechnik und Fördertechnik geliefert. „Im übrigen gibt es aber ein breit gefächertes Angebot in Japan. Die Maschinenimporte aus Japan sind doppelt so hoch wie die deutschen Maschinenlieferungen nach Japan (2010: Platz fünf der Importe, 3,2 Milliarden Euro, Anteil sieben Prozent). Dabei handelt es sich neben Komponenten wie Antriebstechnik und Lufttechnik auch um komplette Maschinen wie zum Beispiel Werkzeugmaschinen“, ergänzt Wiechers.

Dr. Ralph Wiechers VDMA-Chefvolkswirt: „Belastung für die Weltwirtschaft nicht auszuschließen“

Eine Belastung des weltweiten Aufschwunges sei nicht auszuschließen, zumal sie mit anderen Belastungsfaktoren zusammenkomme: „Die Euro-Krise schwelt weiter, die Konflikte in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel sind nicht gebannt. Die Weltkonjunktur hat sich bisher jedoch als sehr robust erwiesen, die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern insbesondere in den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas dürfte durch die schrecklichen Ereignisse in Japan kaum beeinträchtigt werden. Offen ist natürlich die Frage, welche ‚psychologischen Auswirkungen‘ die Ereignisse haben, denn das Wirtschaftsgeschehen ist häufig nicht mit ‚rationalen Argumenten‘ zu erklären“, betont der Volkswirt.

„Eine Fokussierung auf ggf. entstehende Produktionsbehinderungen des japanischen Maschinenbaus und die sich heraus ergebenden „Marktchancen“ für andere Hersteller ignoriert nicht nur die Rolle der japanischen Wirtschaft als unverzichtbares Glied in der arbeitsteilig organisierten Weltwirtschaft. Sie geht auch an den aktuell laufenden Aktivitäten der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer vorbei, deren erste Priorität sich angesichts des Leids der japanischen Bevölkerung darauf richtet, Kontakt zu ihren Mitarbeitern und Geschäftspartnern vor Ort aufzunehmen und ihnen wo immer möglich zu helfen“, sagt der VDMA-Wirtschaftsexperte abschließend im Gespräch mit dem Deutschen Mittelstands Nachrichten.

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