Welche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft?

Warum die japanische Währung für den Wiederaufbau eine entscheidende Rolle spielt. Eine Analyse von Michael Maier.

Kurzfristig steht die japanische Wirtschaft still: Elektronikbetriebe wie Sony, Automobilhersteller wie Mitsubishi oder Brauereien wir Kirin haben die Produktion nach der Erdbebenkatastrophe so gut wie eingestellt. Allerdings ist die japanische Volkswirtschaft eine der stärksten der Welt. Daher erwarten Beobachter, dass unter normalen Umständen eine Erholung schneller als zunächst befürchtet kommen könnte. Als vor einiger Zeit ein schweres Erdbeben die Großregion Kobe praktisch dem Erdboden gleichmachte, dauerte es nur 15 Monate, dann waren 98 Prozent aller Wirtschaftsbetriebe wieder hergestellt, nach 18 Monaten hatten alle Läden wieder geöffnet.

Für deutsche Unternehmen wird bei der Beobachtung der Lage die Entwicklung der Währung eine große Rolle spielen: Japan finanziert seine Wirtschaft in hohem Maß aus Mitteln aus dem Land. Mehr noch: Mit 166 Milliarden US-Dollar war Japan im Jahr 2010 einer der größten Käufer von US-Anleihen. Wenn nun erwartet wird, dass ein erheblicher Teil dieses Geldes für den Wiederaufbau umgeleitet werden wird, könnte es zu signifikanten Kapitalzuflüssen nach Japan kommen. Dies würde einen Wertverlust des Dollar und eine Aufwertung des Yen zur Folge haben. Dies würde jenen japanischen Exporteuren schaden, die nicht von der Katastrophe betroffen sind. Daher gehen Experten davon aus, dass sich die japanische Zentralbank mit Entschiedenheit gegen eine Aufwertung und damit zusammenhängende Spekulationen zur Wehr setzen wird.

Was die kurzfristige Versorgung von Industriegütern angeht, könnte es zwar zu bestimmten Engpässen kommen. Da jedoch ganze Industrien im Moment Überkapazitäten produzieren, wird es hier vermutlich ausreichend Handlungsspielräume geben.
Im Energiesektor sind zunächst die Ölpreise gefallen, weil die japanische Nachfrage wegen des Produktionsstillstandes gesunken ist. Dies wird sich während des Wiederaufbaus ändern: Vermutlich werden die Preise steigen – und das erst recht, wenn sich herausstellt, dass einige Atomkraftwerke nie wieder betrieben werden können. Hier liegt ohnehin die größte Unbekannte: Niemand kann heute sagen, welche Folgen das nukleare Desaster haben wird. Wirtschaftliche Einschätzungen sind, wie alle anderen, angesichts des eingetretenen GAUs, in ihren Grundannahmen erschüttert worden.

Michael Maier

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