Mittelstand kann Beitrag zum Wiederaufbau Japans leisten

Es gibt durchaus Möglichkeiten für den deutschen Mittelstand, mit Maschinen und Know-How mitzuwirken. In diesem Fall erwarten die Experten keine gravierenden Auswirkungen. Für den Fall des nuklearen Super-GAUs wagt jedoch niemand eine Prognose für die Weltwirtschaft.

Das Kernkraftwerk Fukushima I liefert ein Bild der Zerstörung. Die japanischen Rettungskräfte wollen jedoch nicht aufgeben (Foto: Globovisión)

Über die Folgen der Nuklear-Katastrophe in Japan für die Weltwirtschaft herrscht bei den Experten große Unsicherheit. Michael Grömling und Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sagten den Deutschen Mittelstands Nachrichten: „Die ökonomischen Auswirkungen einer weiteren Verschärfung der Lage der Kernkraftwerke auf die japanische Wirtschaft und auf die Weltwirtschaft sind derzeit nicht abzuschätzen. Kommt es zu einem Super-GAU, dann sind große Schäden für die japanische Wirtschaft nicht auszuschließen. Dann müssen auch die globalen Auswirkungen anders bewertet werden.“

Tritt der Super-GAU nicht im vollen Umfang ein, ergeben sich für die deutschen Mittelständler eher Chancen als Belastungen durch die Katastrophe in Japan. Die IW-Ökonomen Grömling und Röhl sprechen von „geringen Auswirkungen“ der Zerstörungen in Japan. Das Engagement des deutschen Mittelstands in Japan sei insgesamt zu vernachlässigen, sagten die Experten den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Michael Grömling und Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) analysieren die Lage

Teilweise würden die Mittelständler als Exporteure von Maschinen auf Märkten auftreten, wo sie Konkurrenten japanischer Unternehmen seien. Hier könnte durch einen Lieferausfall dortiger Anbieter die Nachfrage temporär steigen. Zulieferer etwa der Autoindustrie könnten je nach Abnehmer sowohl negativ wie positiv betroffen sein; welcher Effekt überwiegt, sei noch schwer abzuschätzen. „Es hängt aber ganz stark davon ab, wie lange die Produktion in Japan behindert ist, und inwieweit auch die Nachfrage in Asien negativ betroffen ist durch die Japan-Katastrophe“, so die beiden Experten.

Auch DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann geht eher von Chancen statt von Problemen für deutsche Unternehmen aus. „Ähnlich wie Deutschland ist Japan stark exportorientiert, Produktionsausfälle werden daher Geschäftspartner im Ausland treffen. Allerdings können andere Staaten – wie auch Deutschland – hier in die Bresche springen”, sagte er den Deutschen Mittelstands Nachrichten. „Deutschland kann zum Beispiel durch die Lieferung von Maschinen und die Bereitstellung von Know-how einen Beitrag zum Wiederaufbau leisten”, so Driftmann. Die Katastrophe würde letztlich immense Anstrengungen zum Wiederaufbau nach sich ziehen. „Am Ende des Tages kann das auch der japanischen Wirtschaft wieder auf die Beine helfen, da das Land trotz der hohen Staatsverschuldung über die weltweit zweithöchsten Devisenreserven verfügt“, prognostiziert Driftmann.

DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann sieht wie der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz keine Gefahr einer erneuten, weltweiten Rezession

Driftmann sieht wie der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz keine Gefahr, dass die Weltwirtschaft durch Japan erneut in eine Rezession abgleiten würde. „Auch die Gefahr einer Inflation halte ich für gering“, meint der DIHK-Präsident.

Zur Entwicklung der Finanzmärkte sagen die Experten des IW: „Nach bisherigen Erdbeben haben sich die Märkte meist schnell erholt, eine Beeinträchtigung der japanischen Wirtschaft durch Verstrahlung weiter Landstriche könnte aber eventuell in diesem Fall zu einer Sondersituation führen. Bisher zeigen sich die US-Märkte als Welt-Leitmärkte allerdings noch wenig betroffen.“

Und abschließend zur bisherigen Entwicklung des Yen-Kurses: „Die Bedeutung des Wechselkurses für den Außenhandel hat deutlich nachgelassen. Vielmehr ist die wirtschaftliche Lage in den Kundenländern und die Qualität der Produkte relevant. Eine Abwertung des Yens dürfte schwerfallen; nach dem Erdbeben in Kobe im Jahr 1995 wurde der Yen wegen der Repatriierung von Vermögenswerten sogar deutlich aufgewertet“, so die beiden Experten des IW Köln.

Christoph Morisse

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