Deutsche Produkte müssen billiger werden

Noch produzieren viele europäische Firmen Solaranlagen teurer als chinesische Anbieter - insbesondere die deutschen. Was können sie machen, um ihre Position zu verbessern? Die Deutschen Mittelstands Nachrichten haben verschiedene Experten dazu befragt.

Besonders deutsche Unternehmen können bei einem Ausstieg aus der Atomenergie ihre Chancen nutzen. Sie haben in den letzten Jahren große Kompetenzen im Bereich Erneuerbare Energien aufgebaut. „Die deutsche Industrie ist im Bereich Erneuerbare Energien gut aufgestellt. Zwar produziert sie teilweise teurer als zum Beispiel in China, so bei Solaranlagen. Wenn aber die Nachfrage schneller als das Angebot steigt, erhöhen sich die Preise, wodurch sich auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie verbessert. So könnte die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Industrieland gestärkt werden“, sagte Professorin Karin Holm-Müller den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Karin Holm-Müller leitet den Bereich Ressourcen- und Umweltökonomik am Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik an der Universität Bonn.

„So wie das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz, Anm. d. Red.) heute ausgestattet ist, profitiert die energieintensive Industrie eher von einem Zubau von Anlagen für die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien. Die EEG-Umlage wird vorwiegend von den privaten Haushalten bezahlt. Gleichzeitig senkt das Angebot aus erneuerbaren Energien, die extrem niedrige variable Kosten aufweisen, den Strompreis an der Börse. Teilweise ausgeglichen wird dies allerdings in der Übergangszeit durch Belastungen, die auf alle Strombezieher durch den Ausbau der Netze zukommen werden“, erklärt Holm-Müller.

Die Expertin ist der Ansicht, dass neben Firmen aus der deutschen Erneuerbare-Energien-Branche, zum Beispiel auch Werften, die die notwendigen Schiffe für den Bau von Offshore-Windanlagen und eventuell auch Kabel bauen, von einer verstärkten weltweiten Nachfrage nach Erneuerbaren Energien profitieren könnten. Bei den deutschen Firmen, die noch in der Atomenergie-Branche engagiert sind, käme es im Falle einer Energiewende mit einem Atomausstieg darauf an, „wie flexibel und innovativ die Unternehmen auf eine veränderte Marktnachfrage reagieren können.“

Auch nach Meinung von Michael Grömling und Dr. Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln könnten die deutschen Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien einen Aufschwung erleben. „Der Bereich Erneuerbare Energien wurde in letzter Zeit vor dem Hintergrund der steigenden Energiepreise begünstigt. Die mögliche Zurückhaltung bei der Nutzung von Kernenergie und die damit verbundene Suche nach Alternativen wird den Bereich Erneuerbare Energien weiter stimulieren“, so die beiden Ökonomen im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

„Zu hoffen ist, dass die Pläne zum Ausbau der Kernenergie überdacht werden. Erste Anzeichen hierfür gibt es. Auch der Bau eines Kernkraftwerks dauert viele Jahre. In dieser Zeit sollte es bei entsprechendem politischen Willen in vielen Ländern möglich sein, Sonne und Wind verstärkt einzusetzen“, meint Professorin Karin Holm-Müller. „Aus meiner Sicht stellt das auch für Länder wie China und Indien eine ernst zu nehmende Option dar. Auch die USA haben hier eher bessere Möglichkeiten als die EU“, sagt die Wissenschaftlerin. „Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat in seinem Gutachten darauf hingewiesen, dass schon mittelfristig die Kosten für eine Versorgung, die weitestgehend auf erneuerbare Energien aufbaut, günstiger sind als eine Einhaltung der Klimaziele mit Kohle und Atomkraft“, so Karin Holm-Müller.

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