Finanzielle Lage Japans könnte kippen

Aktienwerte deutscher Energiekonzerne könnten sinken, Versicherer können Belastungen schultern.

Durch die Katastrophe könnte der japanische Staat in eine größere finanzielle Schieflage geraten. In einer aktuellen Studie analysieren Commerzbank-Experten die Lage der japanischen Staatsfinanzen und die Folgen der Katastrophe für deutsche Versicherer sowie für deutsche Versorger.

Die japanische Regierung dürfte die Neuverschuldung nochmals ausweiten, um das Land beim Wiederaufbau zu unterstützen. Die überfällige Konsolidierung der öffentlichen Finanzen wird damit in eine fernere Zukunft verschoben. Die Schulden des Staates in Höhe von aktuell rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden stärker zulegen als erwartet. Aber gemessen am Umfang der Auslandsverschuldung der Krisenländer in Europa würde Japan von einem geringeren Niveau aus starten, so die Commerzbank-Analysten. Zudem verfügt das Land über die zweitgrößten Devisenreserven der Welt.

Versicherer müssen Milliarden-Schäden ausgleichen.

Sollte es zu Repatriierungen von Kapital kommen, dürften die Mittel zunächst in den liquidesten Anlageformen geparkt werden, also in japanische Staatsanleihen (JGBs), prognostiziert die Commerzbank. Das dürfte die Kurse stützen. Hinzu kommt eine erhöhte Nachfrage der japanischen Zentralbank. Allerdings könnten sich bei den längeren Laufzeiten mittelfristig die Angebots- und Solvenzsorgen verstärken. Die Ratingagentur Moody’s hat laut Commerzbank schon vor dem Erdbeben davor gewarnt, dass die finanzielle Lage Japans „irgendwann“ kippen könnte. Die JGB-Kurve ist durch die Ereignisse für Laufzeiten über fünf Jahren bereits steiler geworden. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, schreiben Commerzbank-Experten.

Die Bankexperten schätzten auch die Risiken für deutsche Versicherer ein: So erwarte Munich Re keine wesentlichen Forderungen aus den nuklearen Vorfällen. Solche Schäden seien in den Verträgen ausgeschlossen. Zudem würden die Schäden aus dem Privatkundengeschäft überwiegend durch japanische Erstversicherer und den japanischen Staat abgedeckt. Munich Re hat laut Commerzbank erklärt, die von dem Unternehmen abgedeckten potenziellen Schäden beliefen sich im ungünstigsten Fall auf bis zwei Milliarden Euro. Die Allianz Versicherung könnte über ihre internationalen Geschäftszweige wie den global tätigen Rückversicherer AGCS, Euler Hermes und Mondial Assistance Risiken ausgesetzt sein. Die Commerzbank-Experten sind aber der Ansicht, dass „die Allianz die Risiken aus dem Japan-Engagement angesichts der Erträge der gesamten Gruppe verkraften kann.“

Commerzbank-Analysten zur Lage von Munich Re, Allianz-Versicherer, E.ON und RWE.

Zu den Konsequenzen für deutsche Versorger: Ein vorzeitiges Betriebsende für die sieben ältesten Reaktoren in Deutschland könnte laut Commerzbank-Aktienanalysten den fairen Aktienwert bei E.ON von 26 Euro auf 22 Euro und bei RWE von 48 Euro auf 42 Euro reduzieren. Eine Abschaltung von Kernkraftwerken könnte die Nachfrage nach kohle- und vor allem nach gasbasierter Energieproduktion erhöhen. Bei einer Mehrnachfrage nach Erdgas seitens der Gaskraftwerke könnten die Gaspreise rascher als erwartet steigen. Wenn sich das Gasgeschäft von E.ON und RWE schneller als erwartet erholen sollte, könnte dies die aus einer vorzeitigen Stilllegung der Kernkraftwerke resultierenden Belastungen teilweise ausgleichen, schreibt die Commerzbank.

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