Anti-Korruption schlecht dokumentiert

Konzerne berichten nicht genug über Anti-Korruptions-Programme. Alle Zahlungen der rohstofffördernden Unternehmen an Staaten sollten transparent und öffentlich sein, so die Kernergebnisse einer Studie.

Nur 43 Prozent der führenden Öl- und Gasproduzenten können eine Berichterstattung über Antikorruptionsprogramme vorlegen. Am schlechtesten schnitten die Unternehmen ab, wenn es um die Veröffentlichung länderspezifischer Aufwendungen geht. Nur 16 Prozent konnten hier Nachweise liefern. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie der Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland. Insgesamt hat sich die Transparenz der Berichterstattung im Vergleich zu den Ergebnissen der letzten Studie aus dem Jahr 2008 verbessert.



In der Studie werden die Berichtswesen von 44 Unternehmen des Öl- und Gassektors untersucht, die zusammen 60 Prozent des weltweiten Öls und Gas produzieren. Als einziges Unternehmen aus Deutschland wird Wintershall bewertet. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen aus den USA und Europa hat sich Wintershall bisher noch nicht der „Extractive Industries Transparency Initiative“ (EITI) angeschlossen. Ziel dieser Rohstoff-Transparenzinitiative ist es, die Korruption in rohstoffreichen Ländern zu bekämpfen. Dazu sollen Zahlungen der rohstofffördernden Unternehmen an Staaten transparent und damit öffentlich gemacht werden.



Bereits 26 Staaten haben sich der freiwilligen EITI-Initiative verpflichtet. Auch viele Privatunternehmen und Investitionsfonds haben sich inzwischen im Zusammenhang mit der Förderung von Rohstoffen auf die Einhaltung der EITI-Standards verpflichtet.

Huguette Labelle, Vorsitzende von Transparency International: „Es ist eine gute Nachricht, dass sich die Transparenz positiv entwickelt hat, aber immer noch publizieren zu wenige Unternehmen, was sie an die Regierungen in den jeweiligen Ländern zahlen, in denen sie tätig sind. Zwei Drittel der Armen der Welt lebt in ressourcenreichen Länder. Diese haben ein Anrecht darauf zu erfahren, wie viel Geld ihre Regierungen von Unternehmen erhalten, um die Ressourcen auszubeuten“.



Christian Humborg, Geschäftsführer von Transparency Deutschland: „Deutschland gehört im weltweiten Vergleich zu der Gruppe von Ländern mit einem sehr hohen absoluten Energieverbrauch. Unternehmen aus Deutschland stehen in der Mitverantwortung für die transparente und korruptionsfreie Exploration von Öl- und Gasvorkommen. Auch im hart umkämpften Rohstoffmarkt muss jeder Käufer sicherstellen, dass der Lieferant von Öl oder Gas hundert Prozent des Warenwertes auf die Konten überweist, die den rechtmäßigen Eigentümern der Rohstoffquellen gehören. Dabei ist es egal, ob direkt oder über Zwischenhändler gekauft wird.“



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