Nordafrika: Wenig Folgen für den Mittelstand

Die Konflikte in den arabischen Staaten haben kurzfristig negative Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung. Langfristig steigen die Chancen für Investments durch demokratische Strukturen.

Die meisten deutschen Manager fühlen sich von den Unruhen in der arabischen Welt nicht direkt betroffen und erwarten mittel- und langfristig eine positive Entwicklung. Das ist das Kernergebnis einer Roland Berger Strategy Consultants-Studie. Die direkten Folgen der Unruhen sind für deutsche Unternehmen zurzeit überschaubar. Die Strategieberater prognostizieren, dass die Auswirkungen der politischen Unruhen auf die deutsche Konjunktur in den nächsten Jahren gering sein werden. Die meisten Führungskräfte erwarten dagegen zumindest kurzfristig negative Auswirkungen auf das deutsche Wirtschaftswachstum.

Über 70 Prozent der befragten Führungskräfte sind von den Unruhen zwar nicht unmittelbar betroffen. Aber der Geschäftsbetrieb in den arabischen Ländern ist für über 17 Prozent der Befragten schwieriger geworden. Rund zehn Prozent mussten den Betrieb vor Ort unterbrechen.

Bei Investitionen in der Region halten sich die Unternehmen momentan zurück. Fast 17 Prozent der Manager sagen, dass sie Wachstumsaktivitäten gestoppt haben. Insbesondere die Frage, was in Saudi-Arabien, dem rohstoffreichen Schlüsselland der Region, passiert, wird die Wachstumsstrategien deutscher Unternehmen für diese Region entscheidend beeinflussen, meinen Roland Berger-Berater.

Die Führungskräfte erwarten nicht, dass sich die Lage in der nächsten Zeit stabilisiert. Im Gegenteil: Über 86 Prozent gehen davon aus, dass sich die Proteste auf weitere Länder ausweiten werden. Fast die Hälfte sehen eine Ausweitung der Unruhen auch außerhalb der MENA-Region (Middle East and North Africa). Schon knapp 55 Prozent meinen, dass die Proteste bald Saudi-Arabien erreichen werden.

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Insgesamt sehen die Roland Berger-Experten aber, dass das Ergebnis der Umfrage für positive wirtschaftliche Entwicklungen in den Unruheregionen spricht. So rechnen die meisten deutschen Manager damit, dass sich neue demokratische Strukturen als Folge der aktuellen Unruhen etablieren, ein neuer kaufkräftiger Mittelstand entstehen, das Bildungsniveau steigen und die Arbeitslosigkeit zurückgehen werde. Dies sorge für Wachstumsdynamik und eröffne neue Chancen für deutsche Unternehmen, die vor Ort tätig sind. Trotzdem müsste die aktuelle Entwicklung in den arabischen Staaten beobachtet werden. Aber das geringe deutsche Handelsvolumen mit der MENA-Region und die guten Krisenreaktionen der deutschen Unternehmen würden für gute Aussichten in den arabischen Ländern sprechen, so die Berater.

Für deutsche Unternehmen spielen die arabischen Länder als Öllieferanten und als Absatzmärkte eine zunehmend wichtigere Rolle. Rund 43 Prozent der befragten Unternehmen haben starke geschäftliche Beziehungen mit den MENA-Ländern. Die wichtigsten Länder sind Ägypten, die Emirate, Saudi-Arabien und Bahrain.

Analysten des Kreditversicherers Delcredere NV sind der Meinung, dass die mittel- und langfristige Einschätzung des politischen Risikos der MENA-Länder von den derzeitigen Veränderungen abhängt. So könnten neue Regierungen eine Politik durchsetzen, die die Teilnahme der Bevölkerungen am Wirtschaftswachstum und eine Verbesserung der Lebensbedingungen ermöglicht. Sollte dies aber nicht gelingen und sich die Proteste ausweiten, würde sich die Einschätzung des politischen und wirtschaftlichen Risikos der Region verschlechtern und der Ölpreis würde steigen – was wiederum einen negativen Einfluss auf die Weltwirtschaft hätte, so die Delcredere-Experten.

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