Mittelstand in Stuttgart: „Wahlsieger sind uns nicht fremd“

Vor allem der mögliche neue Ministerpräsident von den Grünen genießt einiges Vertrauen.

Grüne und Sozialdemokraten sind in Stuttgart zu ersten Koalitionsverhandlungen zusammengekommen. Winfried Kretschmann (Grüne) und Nils Schmid (SPD) legten Arbeitsgruppen fest und diskutierten den Zeitplan für die weiteren Treffen bis Ende April.

Unterdessen reagierten die Unternehmer aus Baden-Württemberg reagieren relativ gelassen auf den rot-grünen Wahlsieg. „Die neuen Koalitionspartner sind uns nicht fremd. Wir haben bereits in der Vergangenheit vielfach mit den Vertretern von SPD und Grünen auch im Vorstand des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) diskutiert. Dabei gab es – insbesondere mit dem SPD-Vorsitzenden Nils Schmid – bemerkenswerte Übereinstimmungen bei notwendigen Infrastrukturinvestitionen, in den Bereichen Bildung, Verkehr und Forschung”, sagte Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des VDMA, im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten. „Winfried Kretschmann kennen wir als wertkonservativen Grünen, dem sehr viel an der Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen liegt. Er kennt die Bedürfnisse unserer mittelständischen, oft familiengeführten Unternehmen und wird sich darum bemühen, diesen Betrieben auch in seiner Regierungsverantwortung eine Zukunft zu geben“, sagte Hesse.

Baden-Württemberg, Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, VDMA, Hannes Hesse

Natürlich werden nun die wirtschaftlichen Chancen diskutiert, die der Regierungswechsel bieten könnte: „Gerade in Baden-Württemberg stehen Firmen einer nachhaltigeren, ressourcenschonenden Wirtschaftsweise schon seit vielen Jahren relativ aufgeschlossen gegenüber“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Werner Schulz von der Universität Hohenheim.

Insgesamt ist vor allem die Zuverlässigkeit die wichtigste Forderung an die Politik. Die meisten Unternehmer sind außerdem der Ansicht, dass Rote und Grüne genauso auf die Unternehmen aus dem Südwesten als Steuerzahler angewiesen sind wie die Regierung davor. Außerdem seien die Grünen inzwischen angepasster und weniger radikal, heißt es aus Unternehmerkreisen.

Für baden-württembergische Unternehmer ist es wichtig, dass Themen wie die Haushaltskonsolidierung, bessere Bildungspolitik, Förderung von Forschung und Entwicklung, Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, Erhalt der Innovationsfähigkeit, eine familienfreundliche Betreuungs-Struktur , eine nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung sowie ein einfacheres und international wettbewerbsfähiges Steuerrecht umgesetzt werden.

„Der Ausgang der Landtagswahlen ist ein klarer Auftrag an die Bundesregierung zu einem Kurswechsel in der Energiepolitik. Betriebe und Bürger brauchten Planungssicherheit. Der energiepolitische Zickzackkurs in Berlin hat viele Mittelständler verunsichert,“ sagte Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW). „Viele mittelständische Energieerzeuger haben uns ihre Unzufriedenheit mit dem konzernfreundlichen Kurs der Bundesregierung geschildert. Gerade Klein- und Mittelbetriebe hätten in eine innovative, dezentrale Energieerzeugung investiert und fühlten sich durch die Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke getäuscht“, so Ohoven.

Werner Schulz, Mario Ohoven, Brun-Hagen Hennerkes, Ludwig Veltmann

Prof. Brun-Hagen Hennerkes, Gründer der Stiftung Familienunternehmen, sieht vor allem Kommunikationsfehler, die zum Wechsel in Baden Württemberg geführt haben: „Fatal waren die Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, dass das Moratorium nur aus wahltaktischen Gründen zustande kam.”

Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer Der Mittelstandsverbund, habe die Unternehmer verunsichert. Er hofft, dass das besser wird: „Die rot-grünen Wahlsieger sehen sich nun enormen Herausforderungen gegenüber.“

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