Biomasse wird Top-Energiequelle

Studienergebnisse zeigen erstmals Potenzial und Risiken der Energiegewinnung aus Biomasse-Plantagen.

Mit dem Wissen um die Endlichkeit fossiler Energieträger ist eine Steigerung der Bioenergie unvermeidbar. Experten rechnen mit einem Pflanzenenergie-Anteil von bis zu 20 Prozent im Jahr 2050. Dabei spielt eine wichtige Rolle, wie viel Energie zu welchen Umweltkosten erzeugt werden kann. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat in einer Studie den Energieträger Biomasse genauer untersucht und kommt zu dem Schluss, dass Biomasse-Plantagen das Potenzial besitzen, eine bedeutende Quelle für Erneuerbare Energie zu werden, auch wenn Nachhaltigkeits-Berichte die Verfügbarkeit von entsprechend nutzbaren Flächen einschränken. Ohne Energie aus Biomasse sind die ambitionierten Klimaschutzziele kaum erfüllbar.

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Die Forscher gehen davon aus, dass rund die Hälfte der gesamten Bioenergie von Biomasse-Plantagen abgedeckt wird – dies aber nur um den Preis einer deutlichen Ausweitung der Anbauflächen zu Lasten der Natur. Speziell zur Biomasse-Produktion angelegte Plantagen mit schnell wachsenden Pflanzen könnten nach Einschätzung der Wissenschaftler zukünftig eine besonders große Rolle spielen. Bestehende Studien zu deren Potenzial seien jedoch „vielfach zu positiv“ und vernachlässigten die Umweltkosten, sagt PIK-Forschungsbereichsleiter Wolfgang Lucht. Oft werde davon ausgegangen, dass Produktivitätssteigerungen der Bauern so stark ausfallen könnten, dass bedeutende Ackerflächen für den Anbau von Energiepflanzen frei würden. Dies berücksichtige aber nicht, dass der Nahrungsbedarf weltweit zunehme und Wasserknappheit vielerorts intensive Landwirtschaft kaum zulasse.

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Die PIK-Studie zeigt erstmals das Potenzial und die Risiken der Energiegewinnung aus Biomasse-Plantagen in einer aufwändigen biogeochemischen Computersimulation. Je nach Szenario würden sich die Anbauflächen um zehn bis 30 Prozent gegenüber dem heutigen Wert vergrößern, die nötige Bewässerung könnte sich im Extremfall verdoppeln. In ihrer Einschätzung weisen die PIK-Forscher darauf hin, dass die Umwandlung der Flächen nur dann zur Energiesicherheit und ländlichen Entwicklung beiträgt, wenn sie international koordiniert und regional angepasst wird. Hierbei kann eine Zertifizierung von Biomasse-Produktion nutzbringend sein. Vor allem auch die verstärkte Nutzung landwirtschaftlicher Abfälle als Biomasse anstelle von eigens angebauten Pflanzen kann ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit sein.

In ihren Berechnungen haben die Wissenschaftler Felder und Weiden für die Erzeugung von Lebensmitteln von einer Umwandlung in Plantagen für Energiepflanzen ausgenommen, da diese Flächen zur Ernährung der wachsenden Erdbevölkerung benötigt werde. Ausgenommen seien zudem Gebiete unberührter Wildnis oder hoher Artenvielfalt sowie jene Wälder und Moore, die große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid binden. Die Computersimulation zeigt die räumliche Verteilung der nach diesen Kriterien möglichen Anbaugebiete. In diesen Gebieten wäre die Produktion von Bioenergie zwar umweltverträglicher als an anderen Orten. Jedoch würden von der Flächenumwandlung auch sensible Gebiete betroffen sein wie etwa in Südamerika die Feucht-Pampa, heißt es in der Untersuchung.

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