Frauenquote: Mittelstand besser als Dax-Konzerne

Worauf sich Dax-Vorstände nur zögerlich einlassen, ist in mittelständischen Unternehmen längst Realität: Mittelständler schneiden beim Anteil von Frauen in Führungspositionen besser ab.

Deutsche Dax-Konzerne wollen noch in diesem Jahr Ziele für eine deutliche Anhebung des Anteils von Frauen in ihren Führungsetagen vorlegen. Auf eine Frauenquote legten sich die Konzernvertreter bei einem Treffen mit der Bundesregierung aber nicht fest. Familienministerin Kristina Schröder will der Wirtschaft zwei Jahre Zeit geben, um den Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten zu verdreifachen. Sollten die Konzerne bis 2013 das Ziel verfehlen, werde eine gesetzliche Regelung zur Selbstverpflichtung in Kraft treten. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen bekräftigte ihre Forderung nach einer verbindlichen Quote von mindestens 30 Prozent Frauen in Führungspositionen.

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Mittelständische Unternehmen schneiden beim Anteil von Frauen in Führungspositionen besser ab. Bei knapp jedem fünften mittelständischen Unternehmen in Deutschland (18,9 Prozent) ist zumindest eine Frau in der obersten Führungsebene vertreten. Das belegen Untersuchungsergebnisse der Managementstrukturen des Mittelstandes durch die Creditreform Wirtschaftsforschung.

In Abgrenzung zu Großunternehmen wird der deutsche Mittelstand demnach häufiger von einer Frau geführt. So weisen Unternehmen mit einer Bilanzsumme von über einer Milliarde Euro einen geringeren Frauenanteil in der obersten Führungsriege auf. Nur in 13,9 Prozent dieser Unternehmen ist eine Frau im Top-Management vertreten. Unter den DAX Unternehmen ist das bei drei von 30 Unternehmen der Fall.

Diese Trends bestätigt eine Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Bürgel. Demnach sinkt die Quote von Frauen in Führungspositionen, je größer die Firmen sind. Bei Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern rangiert die Quote bei 22,1 Prozent. Bei zunehmender Firmengröße sinkt der prozentuale Frauenanteil in Unternehmen, mit 10 bis 50 Mitarbeitern beispielsweise auf 13,2 Prozent. In Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern beträgt der Anteil der weiblichen Führungskräfte sogar nur noch 8,3 Prozent.

Zurzeit besetzen in Deutschland Frauen ein Fünftel aller Führungspositionen (20,3 Prozent). Während Berlin mit einer Quote von 23,3 Prozent mit den meisten weiblichen Chefs aufwartet, weisen auch das Saarland (22 Prozent), Brandenburg (21,5), Sachsen (21,2) und Bayern (21,1) einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil bei den Entscheidern auf. Am geringsten fällt die Quote mit 17,7 Prozent in Bremen aus – gefolgt von Baden-Württemberg (18,4) und Schleswig-Holstein (18,7). Zu diesem Ergebnis kommt die Auswertung „Frauen in Führungspositionen“ von Bürgel. Die Wirtschaftsexperten haben mehr als eine Million Unternehmen in Deutschland analysiert.

Ein deutlicher Trend zu Entscheiderinnen zeichnet sich in den jüngeren Altersklassen ab. Bei den 18- bis 24-Jährigen ist sogar fast jeder dritte „Chef“ eine Chefin. Das entspricht einem Frauenanteil von 30,4 Prozent. Bei den 25- bis 34-Jährigen Entscheidern ist jeder vierte Boss weiblich: 25,6 Prozent bei den 25- bis 29-Jährigen und 25 Prozent bei den 30- bis 34-Jährigen. Den geringste Frauenanteil mit 17,6 Prozent verzeichnen die 70- bis 74- Jährigen (17,6 Prozent).

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