„Mit neuen Kabeln von Norwegen nach Deutschland könnten wir liefern“

Norwegens Botschafter Sven Erik Svedman sieht in der norwegischen Wasserkraft sowie im Erdgas eine Alternative zur Kernenergie.

Norwegen wird bei der Energiewende für die deutsche Wirtschaft weiter eine zentrale Rolle spielen. Davon ist der Botschafter Norwegens in Berlin, Sven Erik Svedman, überzeugt. Im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten sagt Svedman: „Wir haben mit dem norwegischen Erdgas eine Technologie, die keine Brückentechnologie ist – und sehr kurzfristig eine Alternative zur Kernenergie bieten kann.“

Schon heute bezieht Deutschland 30 Prozent seines Gasbedarfs aus dem skandinavischen Land. Es stehe Gas für mindestens hundert Jahre zur Verfügung – und Svedman ist überzeugt, dass Deutschland darauf zurückgreifen wird: „Ich weiß zwar nicht, was nach dem Atom-Moratorium geschehen wird. Es ist aber Konsens in Deutschland, dass man aus der Kernenergie aussteigen. Die Frage ist nur, wie schnell das geht,.“ Svedman: „Wir waren vom deutschen Energiekonzept im Vorjahr etwas enttäuscht, weil es sich im Wesentlichen viel zu sehr auf die Kernenergie gestützt hat.“ Weil Erdgas sicher, flexibel, relativ sauber und verfügbar sei, wäre es gut, diese Energiequelle zu nutzen. Beim Thema Versorgungssicherheit sieht Svedmann keinerlei Grund zur Unruhe: „Natürlich kann man in 20 Jahren ohne Kernenergie auskommen!“ Allerdings sei es auch eine Frage der Stromkosten – und der gesellschaftlichen Akzeptanz: „Man müsste dann vielleicht neue Gaskraftwerke bauen, und das ist in Deutschland immer auch ein schwieriges Thema wegen des Naturschutzes.“

Norwegen, Sven Erik Svedman, Erdgas, Atom-Moratorium, Brückentechnologie

Eine zweite Chance sieht Svedman in der alternativen Energie – und auch hier haben die Norweger einen interessanten Ansatz zu bieten. Weil „die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht“ könne die norwegische Wasserkraft auch von Deutschland stärker genutzt werden. Svedman: „Wir könnten neue Kabel von Norwegen nach Deutschland legen – und dann können wir liefern.“ Die Hälfte der Wasserspeicherkapazität Europas befindet sich in Norwegen.

Ebenfalls großes Potenzial sieht Svedman in Offshore-Windparks. Hier habe sein Land enormes Know-How, und durch einen verstärkten deutsch-norwegischen Technologieaustausch könnten auch mittelständische Unternehmen erheblich profitieren. Schon jetzt gebe es mit den deutschen Stromkonzernen enge Partnerschaften und eine im wesentlichen reibungslose Zusammenarbeit.

Zwar gibt es keine direkten staatlichen Förderprogramme für Mittelständler, doch Svedman sieht den Anreiz marktwirtschaftlich: „Sie können mit einem Investment in Norwegen hervorragende Renditen erzielen. Wir haben solides Wirtschaftswachstum, gut ausgebildete Facharbeiter und die norwegischen Rahmenbedingungen entsprechen dem, was ein Unternehmen aus der EU gewöhnt ist.“

Offshore-Windparks, Rohstoffpreise, Corporate Social Responsibility, Pensionsfonds, Korruption

Neben der engen wirtschaftlichen Bindung an die EU haben die Norweger freilich auch etwas, was sie von allen europäischen Staaten unterscheidet: Öl – und damit profitieren sie natürlich erheblich vom aktuellen Boom. Zwar beteuert Svedman: „Wir haben kein Interesse an einem zu hohen Ölpreis. Die hohen Rohstoffpreise belasten alle, und am Ende gefährdet eine weitere Steigerung die wirtschaftliche Entwicklung und schadet damit auch Norwegen.“

Trotz des Öls sind die Norweger im Übrigen noch in einem geradezu entgegengesetzten Feld erfolgreich – nämlich dem Thema Corporate Social Responsibility. So prüft die norwegische Pensionsfonds seit einiger Zeit sehr streng, wie es bei seinen Investments um die ethische Komponente bestellt ist. Svedman: „Wir verwalten unseren Wohlstand auch für die nächste Generation. Wir sehen mit Sorge, dass es in verschiedenen Branchen und Ländern noch viel zu viel Korruption und zu wenig Transparenz gibt.“ Svedman geht davon aus, dass die Frage nach dem ethischen Verhalten in den kommenden Jahren noch stärker in den Fokus kommen wird.

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