„Die Natur war bereits sehr innovativ“

Kohlefaser ist in der Automobilindustrie auf dem Vormarsch. Die Besonderheiten und Möglichkeiten des leichten Baustoffes sind vielfältig. Die Deutschen Mittelstands Nachrichten haben nachgefragt, worauf es bei erfolgreichen Leichtbauteilen ankommt.

Die Monocoques des neuen McLaren Sportwagens MP4-12C kommen aus Österreich. Die Salzburger Firma Carbotech konstruiert seit 1993  Bauteile aus kohlefaserverstärktem Kunststoff – unter anderem für die Formel1. Karl Wagner ist der Geschäftsführer der Mubea Carbo Tech GmbH. Den Deutschen Mittelstands Nachrichten erklärt er, warum Rohöl teurer werden soll und was es heißt, sich mit Werkstoffen zu identifizieren.

Deutsche Mittelstands Nachrichten:  Mit schnellen Autos und spektakulären Projekten arbeitet Ihr Unternehmen an der Verwirklichung des ein oder anderen Kindheitstraumes. Sie gelten als innovativ und erfolgreich. Können Sie sich vor Bewerbungen überhaupt noch retten?

Karl Wagner: Im Augenblick kommen sehr viele Bewerber, aber wir benötigen auch viele neue Mitarbeiter. Neue qualifizierte Fachkräfte sind jederzeit herzlich willkommen.

Mithilfe Ihrer Produkte werden Rennen gewonnen. Was macht Ihr Unternehmen besser als die Konkurrenz?

Schwer zu sagen. Wir haben sehr gute, motivierte Mitarbeiter, die mit Herz bei der Sache sind und bieten dem Kunden ein sehr umfangreiches Leistungsspektrum von Konstruktion und Berechnung der Bauteile bis hin zu Fertigung – alles aus einer Hand.

Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, es sei Ihnen wichtig, dass sich Ihre Mitarbeiter mit dem Werkstoff und dem Produkt identifizieren. Wie kann man sich die Identifikation mit einem Werkstoff vorstellen?

Die Mitarbeiter müssen lernen, den Werkstoff zu verstehen. Es handelt sich um einen Composite-Werkstoff – bestehend aus einer sehr starken Faser, eingebettet in einem relativ spröden Kunststoff. Diese Materialkombination eröffnet ungeahnte Möglichkeiten in Formgebung, Konstruktion und Festigkeitsauslegung der Bauteile, erfordert aber ein grundsätzliches Umdenken gegenüber Isotropen-Werkstoffen wie Stahl oder Alu. Ein eigentlich artverwandter Werkstoff ist Holz – Die Natur war hier bereits sehr innovativ.

Wie hat sich der Einstieg der Mubea Engeneering AG auf die Abläufe und die Stimmung in Ihrem Betrieb ausgewirkt?

Die Mubea Engineering AG verhilft uns zu deutlich erhöhter Professionalität im täglichen Leben. Die Stimmung ist ausgezeichnet, da die Mitarbeiter die Mubea Engineering AG sehr schnell als angenehmen und hilfreichen Partner kennengelernt haben.

Wo sehen Sie noch ungenutzte Potenziale in Ihrem Unternehmen?

Bedingt durch das schnelle Wachstum liegen noch viele Potenziale brach. Auch hier werden wir gemeinsam mit der Mubea Engineering AG versuchen, diese so schnell wie möglich nutzbar zu machen.

Welche Tugenden und Strukturen sind für die Erfüllung prestigeträchtiger Aufträge wie etwa für McLaren Automotiv Ltd. oder für Formel 1-Teams wichtig?

Anspruchsvolle Kunden erwarten einen hohen Grad an Innovationsfreudigkeit und einen verlässlichen Lieferanten. Wer diesen Spagat beherrscht, hat Chancen, dauerhaft an solche Unternehmen zu liefern.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten den internationalen Markt hinsichtlich der Ressourcen, die Ihr Unternehmen braucht, beeinflussen. An welchen globalen Stellschrauben würden Sie jetzt entschlossen drehen?

Zum einen würden wir Rohöl teurer machen – damit steigen die Spritpreise. Die Automobilkonzerne wären gezwungen, leichtere und damit sparsamere Fahrzeuge bauen. Auf der anderen Seite würden wir paradoxerweise aber auch  Rohöl billig machen, da wir nur mit günstigen Rohstoffen eine Chance auf großflächigen Einsatz der Kohlenstofffaser im Automobilbereich haben. Letztendlich können wir nichts beeinflussen, werden aber versuchen die jeweilige Situation bestmöglich zu nutzen.

Wo werden die inhaltlichen Schwerpunkte Ihrer Arbeit in den nächsten Monaten liegen?

Im Ausbau unserer Marktposition hinsichtlich der Fertigung großer, integrativer Strukturelemente für die Fahrzeugindustrie. Der gesamte Engineering Bereich wird hierzu ebenso erweitert und modifiziert, wie die Fertigung.

Wie heißen die großen Herausforderungen Ihrer Branche?

Wir arbeiten an der Automatisierung der Fertigungsprozesse, Kostenreduktion durch Lean Production und Integration der Faserverbundbauteile in Serienfahrzeuge.

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