Frankreich und Deutschland marschieren, Peripherieländer sacken ab

Das Wachstum in der Eurozone ist trotz leichter Abschwächung weiter kräftig, aber die nationalen Unterschiede vergrößern sich. Die Beschäftigung steigt weiter an. Grund: Rekord-Jobaufbau in Deutschland.

Der Konjunktur-Indikator für die Eurozone des Markit-Instituts signalisiert erneut kräftiges Wachstum. Auch der Auftragseingang hielt sich annähernd auf dem 3,5-Jahreshoch des Vormonats.

Der Industriesektor blieb laut Markit auch im März führend, wenngleich die Produktionssteigerungsrate auf ein Drei-Monatstief nachgab. Die Geschäfte der Dienstleister liefen hingegen so gut wie seit August des Jahres 2007 nicht mehr. Dies deutet laut den Markit-Wirtschaftsexperten darauf hin, dass der Aufschwung weiter an Breite gewonnen hat.

Bis auf Frankreich verlangsamte sich das Wachstum in allen anderen von der Umfrage erfassten Ländern, gleichzeitig vergrößerten sich die Wachstumsunterschiede auf Länderebene weiter. Deutschland und Frankreich wiesen erneut hohe Zuwächse bei Produktion und Geschäftstätigkeit im Industrie- bzw. Servicesektor aus, und auch der Auftragseingang hielt sich in den jeweiligen Sektoren und Ländern auf hohem Niveau. Außerhalb dieser beiden Kernländer blieben die Geschäftsverläufe hingegen schwach, insbesondere in Spanien, Irland und Griechenland.

Irland, Spanien und Griechenland schwächeln im Industrie- und Dienstleistungssektor

So verlor der Aufschwung in Irland deutlich an Fahrt, Spaniens Dienstleister rutschten wieder in die Rezession ab und auch der Industriesektor Griechenlands verzeichnete abermals Geschäftseinbußen. Auch in Italien verlangsamte sich das Wachstum, doch hielt sich der Index hier annähernd auf dem 3,5-Jahreshoch von Februar.

Die Binnenkonjunkturen gaben erneut den Ausschlag für die unterschiedlichen Entwicklungen der einzelnen Volkswirtschaften. So wiesen Deutschland und Frankreich hohe Auftragszuwächse in den jeweiligen Industrie- und Servicesektoren aus, und auch die Exportbestellungen legten in den beiden Ländern kräftig zu. In Italien, Spanien und Irland verzeichneten lediglich die entsprechenden Industriesektoren Auftragszuwächse, und dies fast ausschließlich von den Auslandsmärkten. Die stärker von der Binnenkonjunktur abhängigen Servicesektoren verbuchten – wie im Falle Italiens und Irlands – nur magere Auftragszuwächse, die spanischen Dienstleister mussten leichte Einbußen hinnehmen.

Die 16. Zunahme der Auftragsbestände fiel etwas niedriger aus als zum 4,5-Jahreshoch im Februar. Kräftig zugelegt haben die Auftragspolster in Deutschland und Frankreich; in Italien, Spanien und Irland sanken die Auftragsbestände hingegen. Der 11. Beschäftigungsaufbau in Folge schwächte sich gegenüber dem Drei-Jahreshoch von Februar nur geringfügig ab. In der Industrie wurden abermals in rekordverdächtigem Tempo neue Stellen geschaffen, im Servicesektor fiel der Jobaufbau hingegen nur moderat aus. Deutschland war in beiden Sektoren führend, hier wies die Industrie sogar ein neues Rekordtempo aus. In Frankreich, Italien und Irland legte die Beschäftigung ebenfalls insgesamt zu, wenngleich in den Servicesektoren der beiden letztgenannten Länder Stellen abgebaut wurden. In Spanien setzte sich der Jobabbau hingegen fort.

Einkaufspreise im Industriesektor verursachen Kostenauftrieb in Eurozone

Vor allem aufgrund des starken Anstiegs der Einkaufspreise im Industriesektor fiel der Kostenauftrieb in der Eurozone insgesamt so stark aus wie zuletzt im Juli 2008. Beschleunigte Inflationsraten vermeldeten Frankreich, Italien, Spanien und Irland. Mit einem annähernden Rekordanstieg lag Deutschland hier vorne. Die Verkaufspreise wurden insgesamt zum 8. Mal hintereinander und mit nahezu unverminderter Rate angehoben. In der Industrie legten sie mit neuem Rekordtempo zu, bei den Dienstleistern stiegen sie hingegen nur moderat. Mit Ausnahme Griechenlands wurden die Verkaufspreise in den Industriesektoren aller übrigen Länder angehoben. Die deutschen und französischen Dienstleister setzten ihre Angebotspreise nach oben, in Italien, Spanien und Irland wurden sie hingegen abermals reduziert.

Chris Williamson, Senior Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Composite Index Eurozone: “Unsere finalen Konjunkturindizes für März signalisieren für das erste Quartal 2011 eine ausgesprochen kräftige Wachstumsrate von 0.8 % auf Quartalsbasis. Auch der Jobaufbau dürfte in Q1 aufgrund der Kapazitätserweiterungen der Unternehmen ein neues Nachrezessionshoch erreicht haben. Die großen nationalen Disparitäten resultierten ein weiteres Mal aus den unterschiedlich starken Binnenkonjunkturen der einzelnen Länder. So litten die Länder der Peripherie erneut unter den Sparhaushalten und den politischen Unsicherheiten. Hinzu kam die anhaltende Schuldenkrise, die das Geschäftsklima in diesen Ländern nach wie vor stark beeinträchtigte.

Japan belastet nicht, Nordafrika treibt den Ölpreis nach oben

Die Ereignisse in Japan hatten jedoch keine direkten Auswirkungen, weder in Form von Lieferunterbrechungen noch was die Wachstumsaussichten betrifft. Der Aufruhr im Nahen Osten und Nordafrika schlug sich hingegen sehr wohl in höheren Ölpreisen nieder. Insgesamt näherte sich der Preisauftrieb wieder rekordverdächtigen Werten, was zur Folge hatte, dass die Unternehmen ihre Verkaufspreise für Güter und Dienstleistungen ebenfalls in rekordverdächtigem Tempo nach oben anpassten. Die Kombination aus starkem Wirtschaftswachstum und beschleunigten Teuerungsraten dürfte die EZB zunehmend unter Druck setzen, die Zügel der Geldpolitik zu straffen.”

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