Unternehmen wollen im Ausland nah am Kunden sein

Die steigende Zahl der Auslandsengagements der deutschen Industrie führt zu kräftigen Expansionen im Inland.

Die Industrie investiert im Ausland mit einem außergewöhnlich hohen Volumen. Laut Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) verbesserte sich der Saldo bei den Auslandsinvestitionen der Industrieunternehmen um 39 auf 35 Punkte im Plus – den höchsten Wert in der Umfragehistorie. Der Anteil der Industrieunternehmen, die höhere Auslandsinvestitionen planen, hat sich gegenüber dem Vorjahr auf 44 Prozent verdoppelt. Das sind Ergebnisse der vom DIHK vorgelegten Umfrage „Auslandsinvestitionen in der Industrie“.

Das steigende Engagement der deutschen Wirtschaft im Ausland stärkt auch das Vertrauen in den Standort Deutschland. Folge: Die Zahl der inländischen Investitionsabsichten nimmt zu. Der aktuelle Saldo der Investitionsabsichten in der Industrie fällt so gut aus wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die expansiven Investitionspläne im Inland bekommen vor allem von jenen Industrieunternehmen Auftrieb, die auch im Ausland investieren wollen.

Auch der heimische Arbeitsmarkt profitiert von den auslandsaktiven Industrieunternehmen. Ihr Beschäftigungssaldo liegt mit plus 29 Punkten um 13 Punkte höher als der Schnitt aller Industrieunternehmen.

Die weltweite Präsenz der Industrieunternehmen sei der Grund dafür, „dass wir so gut aus der Krise gekommen sind“, meint DIHK-Außenwirtschafts-Chef Volker Treier. Die Studienergebnisse zeigen, dass der Hauptgrund für den Schritt ins Ausland immer seltener die kostengünstige Produktion ist: Nur 22 Prozent der Betriebe nannten dieses Motiv. Dafür rückt ein anderes Motiv weit in den Vordergrund: Neun von zehn Industrieunternehmen wollen mit ihren Auslandsinvestitionen nah an ihre Kunden, um unmittelbar auf deren Bedürfnisse reagieren zu können. Die Lieferantennähe ist ebenfalls besonders für Investitionen in weiter entfernten Zielregionen wichtig. Hinzu kommen Handelshemmnisse, die den Export erschweren. Auslandsinvestitionen vor allem in den Zielregionen Südamerika, China, Russland und anderen ost- und südosteuropäischen Ländern können diese Hürden umgehen. Fast jedes fünfte Industrieunternehmen tätigt seine Auslandsinvestitionen auch, um sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern – vor allem beim Handel mit dem Dollarraum.

Angesichts der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung in Asien und Lateinamerika nehmen die deutschen Unternehmen Märkte außerhalb Europas bei ihren Auslandsinvestitionen noch stärker in den Fokus. Zielregion Nummer eins ist dabei China. Ein immer größerer Anteil der Betriebe plant, sowohl in Asien als auch in Nord- und Südamerika zu investieren. Mit Produktions- und Vertriebsstätten vor Ort wollen die Unternehmen Türen öffnen und sich lukrative Geschäfte sichern. Der Aufschwung nach der Krise kommt nicht zuletzt daher, dass die weltweite Präsenz der deutschen Unternehmen dafür garantierte, dass die deutsche Wirtschaft vom vergleichsweise robusten Wachstum vieler Schwellenländer früh und kräftig profitieren konnte.

Die aktuellen Ereignisse in Japan und der arabischen Welt haben laut Treier kurzfristig keinen gravierenden Einfluss auf die Auslandsinvestitionen der deutschen Unternehmen. Beide stünden bisher weniger im Mittelpunkt des deutschen Engagements.„Mittelfristig kann das aber ganz anders aussehen“, so Treier.

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