Mittelständler sehen kein Ende des Aufschwungs

Zum ersten Mal überwiegt in der Creditreform-Frühjahrsbefragung der Anteil der Unternehmen mit Umsatzplus. Besonders das Verarbeitende Gewerbe und der Handel schneiden gut ab.

Gut die Hälfte der befragten Unternehmen bezeichnet die aktuelle Geschäftslage als „sehr gut“ oder „gut“. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dier entsprechende Wert deutlich erhöht. Die Noten „mangelhaft“ oder „ungenügend“ werden nur noch von 3,8 Prozent der Befragten vergeben. Im Frühjahr 2010 war das noch bei 10,8 Prozent der Unternehmen der Fall. Somit erreicht das Stimmungsbarometer des Mittelstandes, das aus dem Saldo aus positiven und negativen Bewertungen gebildet wird, den Rekordwert von 49,2 Punkten (Vorjahr: 23,5 Punkte). Das sind Ergebnisse einer Umfrage von Creditreform, für die im März dieses Jahres knapp 4.300 kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland zur aktuellen Wirtschaftslage, den Geschäftserwartungen und zu Liquidität und Eigenkapitalausstattung befragt wurden.

Bei den mittelständischen Unternehmen füllen sich laut Creditreform die Auftragsbücher und die Umsätze steigen. So meldet jeder Dritte einen Zuwachs seines Auftragsbestandes, während ein Siebtel der Befragten in den vergangenen Monaten Auftragsrückgänge hinnehmen musste. Auf ein Umsatzplus im Vergleich zum vergangenen Herbst konnte ebenfalls ein Drittel der Mittelständler verweisen. Zum Vergleich: Im Frühjahr des Jahres 2010 hatten dies nur 19,4 Prozent der Unternehmen angegeben. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil der Unternehmen, die über Umsatzrückgänge klagen, von 37,7 Prozent im Vorjahr auf ein Fünftel. Damit überwiegt zum ersten Mal in einer Creditreform Frühjahrsbefragung der Anteil der Unternehmen, die ein Umsatzplus erwirtschafteten. Ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Unternehmen mit Umsatzzuwächsen findet sich im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Handel.

Der Wirtschaftsaufschwung sorgt für einen steigenden Arbeitskräftebedarf. So hat jedes vierte mittelständische Unternehmen im Verlaufe der vergangenen sechs Monate zusätzliches Personal eingestellt. Knapp zwei Drittel der Unternehmen hielten die Belegschaftsgröße unverändert und jeder Neunte nahm Entlassungen vor. Neu eingestellt werden im Mittelstand vorwiegend sozialversicherungspflichtige Vollzeitkräfte. Flexible Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeit- und Mini-Jobs spielten nur eine untergeordnete Rolle. Selbst am Bau sind während des Winterhalbjahres 2010/11 zusätzliche Jobs entstanden. Der Anteil der Bauunternehmen, die mehr Mitarbeiter als im letzten Herbst beschäftigen, liegt mit 15,9 Prozent aber unter den Anteilswerten im Verarbeitenden Gewerbe (27,4 Prozent), im Dienstleistungssektor (26,3 Prozent) und im Handel (24,2 Prozent).

Umsatzerwartungen übertreffen alle Rekorde – große Mittelständler sind Jobmotor

Die mittelständischen Unternehmen blicken sehr optimistisch in die kommenden Monate. 43,9 Prozent der Befragten rechnen mit einem Umsatzanstieg – im vergangenen Frühjahr lag dieser Wert bei 31,0 Prozent. Gleichzeitig sind deutlich weniger Betriebe pessimistisch im Hinblick auf die weitere Umsatzentwicklung. Vor einem Jahr befürchteten 17,5 Prozent der befragten Unternehmen ein Umsatzminus, in diesem Frühjahr sind es nur 7,1 Prozent. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Umsatzerwartungen übertrifft somit seinen bisherigen Höchstwert aus dem Jahre 2000 (31,9 Punkte) und notiert nun bei 36,8 Punkten. In der gesamten Breite des Mittelstandes ist der Optimismus groß. Im Handel (48,9 Prozent) und im Verarbeitenden Gewerbe (45,0 Prozent) rechnet jeweils knapp die Hälfte der Befragten mit Umsatzsteigerungen. Im Dienstleistungssektor erreicht dieser Anteilswert 44,0 Prozent, im Bausektor 35,9 Prozent.

Im Zuge von steigenden Auftragseingängen und optimistischen Umsatzerwartungen werden auch die Personalplanungen nach oben angepasst. Ein Viertel der mittelständischen Unternehmen (25,1 Prozent) möchte in den kommenden Monaten die Beschäftigtenzahl aufstocken (Vorjahr: 18,2 Prozent). Einen Stellenabbau planen nur 4,7 Prozent der Befragten, nachdem das im vergangenen Frühjahr noch 10,4 Prozent der Unternehmen angekündigt hatten. Die meisten Beschäftigungsimpulse dürften von größeren Mittelständlern kommen, aber auch von jungen, schnell wachsenden Unternehmen. So planen derzeit 35,3 Prozent der Unternehmen mit 101 bis 250 Beschäftigten eine Aufstockung des Personals, bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sind es sogar 42,7 Prozent. Überdurchschnittlich hoch ist die Einstellungsbereitschaft auch bei jungen Firmen: 47,6 Prozent der Unternehmen mit maximal zwei Jahren Marktzugehörigkeit wollen die Mitarbeiterzahl erhöhen.

Investitionen stehen bei 53,4 Prozent der Befragten auf der Agenda. Das ist nicht nur ein deutlich höherer Anteil als im vergangenen Frühjahr, als 44,3 Prozent der Mittelständler Investitionen planten, sondern er liegt auch signifikant über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (44,4 Prozent). Die kleinen und mittleren Unternehmen erhöhen auch den Umfang ihrer Investitionsausgaben: Wenn investiert wird, stellen immerhin 53,8 Prozent der Unternehmen ein höheres und 35,9 Prozent ein unverändertes Budget bereit. Zudem planen mehr Betriebe Erweiterungsinvestitionen (52,5 Prozent; Vorjahr: 50,3 Prozent).

Am investitionsfreudigsten zeigen sich Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe (58,1 Prozent der Befragten), gefolgt von Dienstleistungsfirmen (56,2 Prozent). Den größten Sprung in der Investitionsbereitschaft zeigt der Handel: Nach 33,7 Prozent im vergangenen Frühjahr, wollen nun 47,4 Prozent der Händler ein Investitionsvorhaben durchführen. Dank der Entspannung auf den Finanz- und Kreditmärkten waren Finanzierungsschwierigkeiten nur bei jedem siebten Mittelständler (14,1 Prozent) der Hinderungsgrund für die unterlassene Investitionstätigkeit (Vorjahr: 19,3 Prozent).

Die Ertragslage im Mittelstand verbessert sich im Zuge der wirtschaftlichen Erholung zunehmend. Im Frühjahr 2011 berichten 22,9 Prozent der Unternehmen von einer besseren und 24,1 Prozent der Befragten von einer schlechteren Ertragslage als im Herbst 2010. Zum Vergleich: Bei der Creditreform Befragung im letzen Frühjahr sprachen noch 42,5 Prozent der Mittelständler von einem Ertragsrückgang. Die wieder zurück gewonnene Ertragskraft wird im Mittelstand für erhöhte finanzielle Stabilität sorgen.

Auch für die Ertragsentwicklung in den kommenden Monaten sind die befragten Unternehmen optimistisch. 37,4 Prozent der Mittelständler rechnen mit einem höheren Gewinn, nur 13,0 Prozent erwarten ein niedrigeren. Dadurch verfügen immer mehr Mittelständler über eine solide Eigenkapitalquote von über 30 Prozent im Verhältnis zur Bilanzsumme. Mit 27,1 Prozent ist dieser Anteil auf den höchsten Wert seit 20 Jahren gestiegen. Noch gibt es aber Bedarf für eine weitere Stärkung der Kapitalbasis in den Unternehmen. Immerhin leiden drei von zehn Unternehmen (29,9 Prozent; Vorjahr: 28,7 Prozent) unter Eigenkapitalmangel, da ihre Eigenkapitalquote weniger als zehn Prozent ausmacht. Nachholbedarf haben hierbei vor allem Bauunternehmen, unter denen 42,1 Prozent als zu schwach kapitalisiert gelten sowie Betriebe zwischen zehn und 50 Mitarbeitern.

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