Gefährliche Doppelzange für Europa

Die erste Erhöhung der Leitzinsen seit dem Jahr 2008 kommt zu einem verwunderlichen Zeitpunkt und kann eine gefährliche Entwicklung einleiten.

Die erste Erhöhung der Leitzinsen seit dem Jahr 2008 kann eine gefährliche Entwicklung einleiten: Der Druck auf die Länder an der europäischen Peripherie wird erheblich erhöht. Den schwachen Ländern fällt es jetzt schon schwer, die harten Sparauflagen zu erfüllen. Werden nun die Zinsen erhöht, könnte eine Spirale in Gang gesetzt werden, die am Ende für den Euroraum insgesamt eine Bedrohung darstellt.

Dies ist umso verwunderlicher, da in derselben Woche, in der der Leitzins erhöht wird, Portugal unter den Rettungsschirm schlüpft. Damit wird nämlich eigentlich ein weiteres Kapitel in Richtung der Umwandlung der EU zur
Transferunion aufgeschlagen. Die EU hat richtigerweise erkannt, dass sie die gemeinsame Währung nur retten kann, wenn sie den gemeinsamen Wirtschaftsraum auch in schweren Zeiten nicht aushebelt – allen historischen Animositäten zum Trotz.

Voraussetzung dafür, dass dieses Konzept funktioniert, ist jedoch Wachstum. Und da schaut es in Europa schlecht aus. Auch wenn sich Deutschland über Rekordprognosen freuen kann – es kann den Deutschen nicht egal sein, wenn die schwächeren Mitglieder der Eurozone vor die Hunde gehen. Die Doppel-Zange aus höheren Zinsen und verschärften Sparauflagen mag populär sein – am Ende kann sie ganze Regionen Europas in die Verarmung treiben. Und damit den Euro gefährden, von dem die deutsche Wirtschaft profitiert wie keine andere.

Das „Wall Street Journal“ hatte kürzlich in einer aufschlussreichen Analyse erklärt, was das wahre Problem der Portugiesen ist: Eine katastrophale Bildungs-Struktur, aufgrund derer viel zu wenig Leute wachstumsträchtige Industrien vorantreiben könnten. Ähnliches gilt für andere Länder. Die von EZB-Chef Trichet angeführte Sorge um die Inflation ist unbegründet. Lebensmittel- und Energiepreise ausgenommen, liegt sie gerade mal bei 1%, wie der Ökonom Michael Darda für die „New York Times“ errechnet hat. Europas Problem liegt in der Zukunftsfähigkeit. Mit dem Beschwören alter Gespenster ist diese nicht zu sichern.

Michael Maier

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