Probleme mit Nachschub aus Japan verschärfen sich

Nachbeben und schwankende Stromversorgung belasten die Produzenten in Japan. Die Folgen sind steigende Preise bei Produkten aus Japan.

Die Lieferengpässe bei Produkten aus Japan werden die deutsche Wirtschaft noch länger beschäftigen. Rund 17 Prozent der Hersteller und Händler aus der deutschen High-Tech-Industrie registrieren Lieferengpässe bei Geräten, Komponenten oder Bauteilen. Rund 19 Prozent erwarten Einschränkungen in den kommenden Wochen und 29 Prozent in den kommenden Monaten. Nur ein Fünftel erwartet keine Auswirkungen. Vier von fünf Unternehmen beziehen Waren oder Vorprodukte aus japanischer Produktion. Das sind Ergebnisse einer Umfrage von Bitkom, dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien.

Direkte und indiriekte Folgen

Auch in anderen Branchen ist man besorgt: „Zurzeit liegen uns noch keine Meldungen über ernsthafte Lieferengpässe vor. Aber es gibt das theoretische Szenario, dass durch den Ausfall weniger Teile kaskadenartig schmerzhafte Produktionsausfälle in unserer Branche entstehen könnten“, erklärt Heiko Lickfett, Abteilungsleiter Volkswirtschaft des Deutschen Gießereiverbandes e.V., den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Vor allem der Ausfall von elektronischen Steuerungen würde große Auswirkungen haben. Das Problem liegt im Detail: Wenn ein einzelnes elektronisches Bauteil, zum Beispiel ein Steuerungselement aus japanischer Produktion fehlt, können ganze Produktionsketten ausfallen. Japanische Computerchips werden zum Beispiel in medizintechnischen Geräten, Autos, Handys, Kameras und TV-Geräten eingebaut.

Auch wenn die Vorprodukte nicht direkt aus Japan kommen, kann es zu Lieferproblemen kommen. „So sind viele Elektroprodukte aus dem für Deutschland wichtigsten Lieferland betroffen, aus China. Die dortige Produktion ist besonders von Zulieferteilen aus Japan abhängig. Eine erneute Weltrezession als Folge der direkten wirtschaftlichen Auswirkungen der Japan-Krise hält die deutsche Industrie für unwahrscheinlich. Schon ernster zu nehmen sind indirekte Folgewirkungen, die sich aus dem Geschehen an den Weltfinanzmärkten ergeben. Noch ist das Weltfinanzsystem nach der globalen Finanzkrise nicht stabilisiert – und anfällig für Schocks“, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel auf der Hannover Messe 2011.

Höhere Preise durch Engpässe

Gründe für die Lieferschwierigkeiten der japanischen Unternehmen sind die ungewöhnlich starken Nachbeben und die schwankende Stromversorgung in einigen Regionen Japans. Beide Probleme behindern die Produzenten in Japan massiv. Laut Bitkom laufen die Reparaturarbeiten auf Hochtouren. Einige Werke beginnen schon wieder mit der regulären Produktion, erreichen häufig aber noch nicht die volle Kapazität. Die Engpässe wirken sich bereits auf die Preise aus: 21 Prozent der von Bitkom befragten Hersteller und Händler beobachten Preissteigerungen bei Produkten, Komponenten oder Bauteilen. 21 Prozent rechnen mit Preissteigerungen in den kommenden Wochen, 17 Prozent in den kommenden Monaten. 19 Prozent erwarten keine Preissteigerungen und zehn Prozent sind unentschieden.

Die Gefahr einer Kontamination von Waren aus Japan durch Radioaktivität besteht laut Bitkom zurzeit nicht. An den Flughäfen wird ein Großteil der Güter vom Zoll auf Radioaktivität überprüft. Warenlieferungen auf dem Seeweg sind mehrere Wochen unterwegs und dürften daher noch vor dem Reaktorunfall auf den Weg gebracht worden sein. Die deutschen Häfen und der Zoll kontrollieren die Schiffe auf eine Strahlenbelastung.

Weitere Informationen zu Japan gibt es beim Umweltministerium unter www.bmu.bund.de oder auf den Webseiten der Bundesregierung unter www.bundesregierung.de

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