„Unsere Zukunft ist zu 100 Prozent erneuerbar“

Giorgio Hefti, CEO der TRITEC Group in Basel, erklärt, warum Wirtschaftsverbände vergessen, dass ein Umstieg in Erneuerbae Energien gerade für die Wirtschaft langsam und stetig erfolgen sollte.

Giorgio Hefti, CEO der TRITEC Group in Basel, erklärt, warum Wirtschaftsverbände vergessen, dass ein Umstieg in Erneuerbae Energien gerade für die Wirtschaft langsam und stetig erfolgen sollte.

Schweizer Mittelstands Nachrichten: Herr Hefti Sie arbeiten seit 24 Jahren im Bereich Solarenergie. Die TRITEC AG gibt es seit 18 Jahren. Seit dem Reaktorunglücken in Fukushima ist Sonnenenergie besonders viel im Gespräch. Ist die aktuelle Diskussion der entscheidende Schritt in Richtung umweltschonende Energie oder handelt es sich hierbei um ein Strohfeuer?

Giorgio Hefti: Unsere Zukunft ist zu 100 Prozent erneuerbar. Daran gibt es keinen Zweifel. Wenn wir wollen, können wir dieses Ziel gemeinsam erreichen. Unser Unternehmen arbeitet seit 24 Jahren daran. Wir sind bereit. Unsere Hersteller und Kunden sind bereit. Jetzt liegt es vor allem am politischen Willen, konsequent die sichere Energiewende herbeizuführen.

Ideale Vorstellungen, wirtschaftliches Handeln und langfristige Entscheidungen sind oft verschiedene Paar Schuhe. Werden bei der aktuellen Diskussion über Energien der Zukunft wichtige Aspekte vergessen?

Werden wichtige Aspekte bewusst verdrängt, müsste man eher fragen. Wenn man einsieht, dass die Zukunft erneuerbar sein kann, gibt es eigentlich kein einziges Argument, weiterhin an Energietechnologien festzuhalten, die unsere Umwelt bedrohen und uns in eine höchst ungewisse und instabile Zukunft führen. Im Weiteren vergessen gerade die traditionellen Wirtschaftsverbände viel zu oft, dass ein Umstieg für die Wirtschaft langsam und stetig erfolgen sollte. Wenn wir aber zu lange zögern, dann sind wir dann plötzlich gezwungen, sehr schnell zu handeln. Das führt dann aber ganz bestimmt zu einem Schaden einzelner Wirtschaftszweige. Deshalb, je früher wir anfangen, desto moderater und kontrollierter kann ein Umstieg bzw. Einstieg in die Erneuerbaren erfolgen.

In einem Interview mit Telebasel haben Sie kürzlich gemeint, dass die Atom-Industrie die bessere Propaganda habe. Ist die Öffentlichkeitsarbeit der Bereich, auf den die Unternehmen für erneuerbare Energien stärker setzen müssten, um langfristig
erfolgreich zu sein?

Die aktuellen Wahlergebnisse in deutschen Bundesländern oder Schweizer Kantonen zeigen, dass Fragen zur Energiepolitik die Agenda diktieren und Bürger neue Antworten und Lösungen fordern. Große Energiekonzerne mit entsprechender Lobby nehmen einen großen Platz in der Meinungsbildung ein. Die weit kleineren Unternehmen für erneuerbare Energien stehen da sprichwörtlich im medialen Schatten. Aber der Wind wird drehen und das können wir bestimmt auch kommunikativ nutzen.

Corporate Social Responsibility (CSR) – ein Begriff mit dem sich Unternehmen gerne schmücken. Was bedeutet diese Verantwortung für Sie und TRITEC?

Unsere Firmenphilosophie basiert auf dem Motto „Energy for a better world“. Dieses Leitmotiv beinhaltet den Umweltaspekt genauso wie die soziale und wirtschaftliche Dimension der weltweiten Energieversorgung. Saubere Energien und Nachhaltigkeit gehören für TRITEC, unsere Mitarbeitenden und unsere Partner zusammen.
Sie arbeiten in einem Bereich der viel mit der Zukunft und damit mit einem gewissen Maß an sozialer Verantwortung zu tun hat. Ihre Firma hat sich Nachhaltigkeit zur Philosophie gemacht.

Geht das zwangsläufig auf Kosten des Gewinns? Wie sehr erschwert das Ihre Arbeit und in wieweit wälzt hier die Politik ihre Verantwortung auf private Unternehmen ab?

Wir arbeiten wirtschaftlich, nicht auf hemmungsloser Gewinnmaximierung. Und wir handeln aus tiefer Überzeugung für eine saubere Energiezukunft. Wenn die Politik die entsprechenden Weichen stellt, kommen wir diesem Ziel logischerweise schneller und einfacher entgegen.

Sie verfügen über ein verzweigtes Netz an Tochterunternehmen und Standorten, dennoch ist Ihnen eine nahe Beziehung zu Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig. Wie meistern Sie die daraus entstehenden Herausforderungen in der internen Kommunikation?

Durch ein sportliches Reiseprogramm! Wir pflegen einen intensiven Austausch zwischen Mitarbeitern, Kunden und Herstellern. Dazu gehören gemeinsame Schulungen, interne Trainings und Messeauftritte, aber auch ein jährlich stattfindender TRITEC-Event, alternierend in den jeweiligen Landesgesellschaften.

Sie machen Ihr Geschäft mit Technik und Innovation, einem Bereich in dem Patente und Geheimnisse über Vorteil und Erfolg entscheiden. Wie stark stehen Sie in Verbindung mit Forschungseinrichtungen? Wie stark ist die Abhängigkeit beziehungsweise das Verhältnis von eigenen Entwicklungen und dem Wissen anderer?

Alleinstellungsmerkmale sind für einen System-Großhändler, wie die TRITEC Gruppe einer ist, sehr wichtig. Wir versuchen, bereits in einem sehr frühen Stadium die Marktbedürfnisse unserer Kunden zu erkennen. Daraus resultieren Skizzen, Projektideen für neue Dienstleistungen und Produkte und am Schluss ein Pflichtenheft. Mithilfe dieser Pflichtenhefte gehen wir sehr gerne auf Hochschulen zu, welche froh sind, anhand von konkreten Bedürfnissen aus der Wirtschaft ihr Wissen für die Entwicklung neuer Produkte einzubringen.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten den internationalen Markt hinsichtlich der Ressourcen, die Ihr Unternehmen braucht, beeinflussen. An welchen globalen Stellschrauben würden Sie drehen?

Eine klare Antwort wäre, vereinfachte Kreditvergabe für Investitionen in erneuerbare Energieanlagen. Obwohl der Markt da ist, tun sich viele Banken noch schwer und verlangen zum Teil Eigenkapitalquoten und Zinsbeträge, die das Wachstum dieses Marktes stark begrenzen.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen Ihrer Branche, wie stellt sich die TRITEC AG auf diese Herausforderungen ein?

Die Photovoltaik ist seit Jahren ein ausgesprochener Wachstumsmarkt. Durch die Förderbeiträge wurde diese Form der erneuerbaren Energie staatlich gefördert, damit sie künftig den Stellenwert erreicht, die sie auch verdient. Der Übergang von der staatlichen Förderung zu einem föderbeitrags-unabhängigen Markt könnte zu einem kurzzeitigen Nachfrageeinbruch führen und gleichzeitig den Einstieg von größeren Energieversorgungsunternehmen beschleunigen. In diesem Umfeld ist es für die TRITEC Gruppe wichtig, sich durch Qualität sowohl im Bereich der Produkte wie auch im Bereich der Dienstleistungen von den Mitbewerbern abzuheben. Diese Strategie verfolgen wir bereits seit Jahren und die Zeichen stehen sehr gut, dass wir damit auch künftig Erfolg haben werden.

Wie heißt der nächste Meilenstein, den Sie mit Ihrem Unternehmen
anstreben?

Qualitativ betrachtet ein weiterer Ausbau unseres Kundennetzes in Europa und den ersten Schritt nach Amerika und Asien. Quantitativ ein EBIT von über 10Prozent bei einem Umsatz von 500 Mio. Euro.

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