Wie Schweizer Unternehmen vom Ökostrom profitieren können

Mit Zertifizierung und kostendeckender Einspeisevergütung werden in der Schweiz Investitionen in erneuerbare Energie zielgerichtet gefördert.

Auch Unternehmen, deren Kerngeschäft nichts mit Energiegewinnung zu tun hat, können von Ökostrom profitieren. Unternehmen, die Ökostrom aus eigenen Anlagen produzieren wollen, haben in der Schweiz zwei Möglichkeiten: Sie können sich den Strom, den sie mit Photovoltaik-, Wasserkraft- oder Biomasse-Anlagen gewinnen, als Ökostrom zertifizieren lassen und zum Marktpreis für Ökostrom an Stromanbieter verkaufen. Oder sie nutzen die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) – eine Form der Förderung für erneuerbare Energien. Es hängt von den Voraussetzungen und Investitionsplänen des Unternehmens ab, über welche Art sich die Ökostrom-Produktion rechnen soll. Der Verkauf über den Markt und die KEV schließen aber einander aus.

Die Häfeli AG in Lenzburg zum Beispiel führt Transporte und Erdbewegungen durch. Sie betreibt eine Kompostieranlage und seit fünf Jahren auch eine Anlage, mit der sie Strom aus Biogas erzeugt. Sie wird mit organischen Abfällen befeuert, die die Häfeli AG entsorgt. Das Unternehmen erhält für den Strom einen höheren Preis pro Megawattstunde. Dafür sorgt ein Gütezeichen, das vom Verein für umweltgerechte Energie verliehen wird. So kann die Häfeli AG aus einem Nebenprodukt,  zusätzlichen Nutzen schlagen. An die 750 Megawattstunden kann ihre Gasanlage produzieren.

Das Qualitätszeichen „naturemade“ vom Verein für umweltgerechte Energie zertifiziert Energien aus 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen wie Wasser, Sonne, Biomasse und Wind. Diese Gütezeichen gibt es in zwei Qualitätsstufen: basic und star. Der Vorteil bei den „naturemade“ zertifizierten Anlagen ist, dass sie auch nach ihrem Bau noch diese Auszeichnung erhalten können. Sie beziehen sich rein auf die Umweltfreundlichkeit der Erzeugung und verhelfen zu einem höheren Absatzpreis am Strommarkt. Im Jahr 2009 wurden insgesamt 2.310 Gigawattstunden Strom mit einem der beiden Gütezeichen produziert.

KEV garantiert einem Erneuerbare-Energien-Produzenten einen bevorzugten Vergütungssatz pro produzierte Kilowattstunde Strom während der Amortisationsdauer seiner Anlage. Der Vergütungssatz erlaubt es dem Produzenten – über die Amortisationsdauer betrachtet – seine Anlage kostendeckend zu betreiben. Diese Förderung wird nicht über den Marktpreis finanziert, sondern vom Staat getragen. Daher muss ein Unternehmen seine Anlage auch vorher genehmigen lassen.

Ein positiver Bescheid bei der KEV bedeutet, dass eine Anlage während einer Zeit von 20 bis 25 Jahren eine Vergütung pro produzierte Kilowattstunde Strom erhält. Nach Ablauf der Amortisationsdauer hat der Produzent damit  mindestens seine Investitions- und Betriebskosten zurückerstattet bekommen. Um nicht den Verbleib auf veralteten und ineffizienten Technologien zu fördern, nimmt die KEV je nach Technologie Jahr für Jahr ab. Außerdem werden bei der Photovoltaik die drei verschiedenen Kategorien freistehend, angebaut und integriert unterschieden.

Die Vergütungssätze sinken bei größeren Anlagen, weil sie kostengünstiger realisiert werden können als kleinere. Je nach Art und Größe des Projekt liegen die Förderbeträge zwischen 28,9 und 59,2 Rappen pro Kilowattstunde. Solche KEV-geförderten Photovoltaikanlagen betreiben zum Beispiel die swisscom oder die Supermarktkette Coop auf ihren Gebäuden.

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