Wachstum wird sich 2012 verlangsamen

Die Inlandsnachfrage trägt zum stabilen Wachstum bei. DIW-Experten sehen keine Inflationsgefahr. Risiken sind die Eurokrise, steigende Rohstoffpreise, Unruhen im arabischen Raum und die Folgen der Atomkatatrophe in Japan.

Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung des DIW Berlin auch 2011 stärker wachsen als die meisten anderen Euro-Länder. Nach dem Rekordwachstum von 3,6 Prozent im Jahr 2010 prognostizieren die DIW-Experten für das laufende Jahr ein Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 2,7 Prozent. 2012 werde das Wachstum allerdings an Fahrt verlieren und sich auf 1,4 Prozent verlangsamen. „Der Aufschwung büßt zwar an Schwung ein, steht aber auf einer soliden Grundlage“, sagte der DIW-Leiter Konjunkturpolitik Ferdinand Fichtner. „Vor allem die inländische Nachfrage trägt mehr und mehr zum Wachstum bei.“ So werde sich die Investitionstätigkeit in dem immer noch günstigen Zinsumfeld sehr dynamisch entwickeln. Dank der guten Arbeitsmarktlage wird nach Einschätzung der DIW-Experten aber auch der Konsum zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Seit Februar liegt die Teuerung nach über zwei Jahren wieder oberhalb der Zwei-Prozent-Marke. Auch für den Jahresdurchschnitt 2011 und für das nächste Jahr rechnen die Experten mit Raten von über zwei Prozent. Die Inflationsrisiken aus den Lohnverhandlungen seien derzeit gering. „Die Tarifabschlüsse waren bislang moderat, so dass kein relevanter Preisdruck auf der Lohnseite entstanden ist. Eine Lohn-Preis-Spirale ist damit bislang nicht in Sicht“, so DIW-Kuratoriumsvorsitzender Bert Rürup. Für 2012 sei dieses Risiko dagegen größer. Dank der kräftigen Produktions- und damit  Produktivitätszuwächse seien Lohnsteigerungen von bis zu drei Prozent für die Unternehmen aber gut zu verkraften.

Der Arbeitsmarkt wird sich weiter erholen. Für 2011 rechnen die Experten mit einem spürbaren Rückgang der Arbeitslosenquote auf 7,2, Prozent, im Jahr 2012 wird sie nur noch leicht sinken. Durch die verbesserte Arbeitsmarktsituation werden in diesem Jahr die Löhne und Gehälter in der Summe im Vergleich zu 2010 kräftig zulegen. Dabei spielt aber nach Einschätzung des DIW Berlin vor allem die Ausweitung der durchschnittlichen Arbeitszeit, etwa durch den Abbau der Kurzarbeit eine wichtige Rolle. „Die Tariflöhne werden vor allem 2012 von der guten Konjunktur profitieren können, dieses Jahr ist noch nicht mit kräftigen Zuwächsen zu rechnen“, erläuterte Rürup. Die Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts für Arbeitskräfte aus Mittel- und Osteuropa im Mai 2011 wird nach Einschätzung der DIW-Experten weder die Lohnentwicklung noch die Arbeitslosigkeit in Deutschland stark beeinflussen.

Das staatliche Defizit wird 2011 mit 2,1 Prozent klar unter der Maastricht-Grenze liegen. Für das kommende Jahr ist ein weiterer Rückgang auf 1,7 Prozent zu erwarten. In erster Linie kann der Staat nach Einschätzung der DIW-Experten viel Geld durch zurückgehende Sozialleistungen sparen. Außerdem sprudeln dank hoher Gewinne die Ertragssteuereinnahmen. Zusätzlich nutze die Politik in Deutschland die gute Konjunktur, um die Staatsfinanzen noch weiter zu verbessern. „Dies geschieht bisher aber vor allem durch Steuer- und Beitragserhöhungen, nicht durch niedrigere Ausgaben“, kritisierte DIW-Experte Fichtner. „Von Sparpaketen kann daher nicht wirklich die Rede sein.“

Die Exportindustrie kann nach Einschätzung der DIW-Experten weiterhin vom anhaltend kräftigen Wachstum der Weltwirtschaft profitieren. „Das Wachstum findet vor allem in den Schwellenländern wie China statt“, erläuterte DIW-Konjunkturchef Christian Dreger. „Für unsere Industrie mit ihrer Spezialisierung vor allem im Maschinen- und Anlagenbau ist das eine große Chance“, beschreibt Dreger die dadurch verbesserten Absatzmöglichkeiten. Die Risiken für die Konjunktur sind aber weiterhin hoch. Wegen der Schuldenkrise im Euroraum ist die Stimmung an den Kapitalmärkten weiterhin angespannt. Eine Ausweitung könnte weltweite Verwerfungen nach sich ziehen, warnen die Experten. Auch die Rohstoffpreise bleiben ein Unsicherheitsfaktor – besonders angesichts der Unruhen im arabischen Raum, die das Angebot an den Ölmärkten deutlich verknappen könnten. Die Folgen der Katastrophe in Japan sind immer noch schwer einzuschätzen. Von größeren realwirtschaftlichen Auswirkungen sei beim derzeitigen Stand der Dinge aber nicht auszugehen.

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