US-Schulden sind Gefahr für die Weltwirtschaft

Die Deutschen Mittelstands Nachrichten sprachen mit Deutschlands Top-Ökonomen. Diese hoffen, dass die US-Wirtschaft stark genug ist, um das Vertrauen der Kapitalmarkt-Investoren nicht zu verspielen.

Der Schuldenberg der USA wird zur Gefahr für die Weltwirtschaft. Die Deutschen Mittelstands Nachrichten haben führende Finanzinstitute und Ökonomen befragt, wie sie die Lage einschätzen. Die Antworten fallen insgesamt vorsichtig optimistisch aus, obwohl alle davon ausgehen, dass auf die USA ein lange Strecke von harten Sparmaßnahmen zukommen.

Worst-Case-Szenario: steigende Zinsen

„Die USA werden weiterhin wachsen. Trotz aller Schmerzen, die der gegenwärtige Anpassungsprozess nach der Rezession von 2007/09 verursacht, wird das auch die Finanzen der US-Bundesregierung wieder auf eine solidere Grundlage stellen“, meint der USA-Experte der Commerzbank, Dr. Christoph Balz im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Ein Worst-Case-Szenario wären laut Balz steigende Zinsen: „Der Zinsanstieg würde die US-Wirtschaft stark belasten. Aufgrund des Leitcharakters der Treasuries könnten die Zinsen auch in anderen Ländern steigen. Insgesamt würde dies die Weltwirtschaft dämpfen. Eine solche Entwicklung ist aber nicht unser Basisszenario“, so Balz.

„Dass die USA tatsächlich zahlungsunfähig werden, ist nur schwer vorstellbar. Allerdings steigt mit den Schulden die Versuchung für die US-amerikanische Regierung und die Fed, eine Entschuldung durch Inflation zu erreichen. Beides hätte massive Vermögensverluste für die Besitzer US-amerikanischer Staatsanleihen zur Folge. Davon wäre China als größter Gläubiger der USA am stärksten betroffen. Aber auch zahlreiche andere Länder und das internationale Bankensystem müssten mit einer schleichenden Entwertung ihrer Forderungen rechnen“, .meint der stellvertretende Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung, Oliver Arentz im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Sparkurs verbesser Wachstumsperpektiven

DIHK-Ökonom Dirk Schlotböller sieht Nachteile für deutsche Unternehmen, falls US-Präsident Obamas Pläne zu den rigiden Haushaltseinsparungen umgesetzt werden: „Ein Sparkurs bringt zwar zunächst weniger staatliche Aufträge mit sich – auch für deutsche Unternehmen – und könnte die wirtschaftliche Erholung in den USA bremsen. Über kurz oder lang verbessern sich dadurch aber die Wachstumsperspektiven spürbar.“

Schlecht wäre laut Ökonomen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) ein Absinken der US-Währung: „Man muss auf die Handelswirkungen eines im Vergleich zum Euro schwächeren US-Dollar hinweisen, die auch die Konjunktur in Europa belasten. Wir erleben in Europa, welche durchgreifenden Reformen die Folge einer Überschuldung einzelner EU-Staaten sind. Ungleich größer und dramatischer wären die Folgen solcher Reformen und Konsolidierungen in einem weltwirtschaftlich so bedeutenden Land wie den USA“, so der DSGV.

Dollar, China und Wettbewerb helfen den USA

Die KfW glaubt dagegen nicht, dass die USA Vertrauen verspielt und eine neue große Krise beginnt: „Wir glauben, dass die Finanzmärkte auch eine höhere Staatsschuld der USA auf Sicht tolerieren und refinanzieren werden, aus folgenden Gründen: 1. Der US-Dollar ist die wichtigste Reservewährung. Schon aus Gründen des Portfoliomanagements werden Anleger auch weiterhin US-Staatstitel kaufen. 2. Als großer Gläubiger der USA kann China kein Interesse daran haben, US-Staatstitel unter Druck zu setzen. China wird auch weiterhin als Käufer zur Verfügung stehen. Das Beispiel Japan zeigt, dass Kapitalmärkte bei großen Industrieländern durchaus bereit sind, auch Schuldenstandsquoten von deutlich über 100 Prozent des BIP zu tolerieren. 3. Die Wettbewerbsfähigkeit der US-Exportwirtschaft ist gestiegen. Fazit der KfW: „Alles in allem erwarten wir in unserem Basisszenario keine krisenhafte Zuspitzung. Aber ein niedrigeres Rating (ähnlich wie im Falle Japans) ist allerdings im Bereich des Möglichen.“

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