KfW: Finanzmärkte werden Schieflage der USA zunächst tolerieren

Die Warnung der Ratingagentur Standard & Poor`s (S&P) vor einer schlechteren Kreditwürdigkeit der USA verunsichert die Finanzmärkte. Auch die KfW sieht eine Herabstufung "im Bereich des Möglichen", traut den USA aber eine Refinanzierung zu.

Die Warnung der Rating-Agentur S&P vor einer möglichen Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA hat laut Nachrichtenagenturen die asiatischen Börsen belastet. Zuvor brachen weltweit die Aktienkurse ein und der Goldpreis stieg deutlich.

Schon am Donnerstag in der letzten Woche prognostitierte die KfW eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA. „Alles in allem erwarten wir in unserem Basisszenario keine krisenhafte Zuspitzung aufgrund des US-Staatsdefizits. Ein niedrigeres Rating (ähnlich wie im Falle Japans) ist in Abhängigkeit vom Verlauf der nächsten Jahre allerdings durchaus im Bereich des Möglichen“, sagte Dr. Vera Schubert, Abteilungsdirektorin der Volkswirtschaftlichen Abteilung der KfW, im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

„Als großer Gläubiger kann China kein Interesse daran haben, US-Staatstitel unter Druck zu setzen.“

Vera Schubert fasst die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der USA zusammen: „Das Defizit der USA ist gegenwärtig zu hoch, um beim aktuellen Wachstum von nominal ca. 5,5 bis 6 Prozent die Schuldenstandsquote stabil zu halten. Wir gehen davon, dass die Schuldenstandsquote in den nächsten Jahren weiter wächst. Allerdings glauben wir, dass die Finanzmärkte auch eine höhere Staatssschuld der USA auf Sicht tolerieren und refinanzieren werden, aus folgenden Gründen:

1. Der amerikanische Kapitalmarkt ist der breiteste und tiefste der Welt, der US-Dollar nach wie vor die wichtigste Reservewährung. Schon aus Gründen des Portfoliomanagements werden Anleger auch weiterhin US-Staatstitel kaufen.
2. Der wichtigste ausländische Käufer von US-Staatstiteln ist der chinesische Staat. Als großer Gläubiger kann die VR China kein Interesse daran haben, US-Staatstitel unter Druck zu setzen und wird auch weiterhin tendenziell als Käufer zur Verfügung stehen.
3. Das Beispiel Japan zeigt, wiewohl nicht direkt vergleichbar, dass Kapitalmärkte bei großen Industrieländern durchaus bereit sind, auch Schuldenstandsquoten von deutlich über 100% des BIP zu tolerieren.
4. Die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Exportwirtschaft ist in den vergangenen eineinhalb Jahren gestiegen, sodass wir insgesamt gute Voraussetzungen für eine allmähliche Verbesserung der Struktur der US-Wirtschaft sehen.
5. Nicht zuletzt hat die Politik in den USA die Gefahr erkannt. Ob sie sie auch bannt, ist abhängig von der Kooperationbereitschaft der Parteien und nicht zuletzt der ubterschiedlichen sozialen Gruppen. Für eine echte Stabilisierung des Staatshaushalts wären zum Beispiel höhere Steuern für die amerikanische Oberschicht nötig.

„Wenig überzeugende Konsolidierungsmaßnahmen“ würden Negativspirale auslösen

Auf die Frage, welche negative Dynamik sich schlimmstenfalls entwickeln und auf andere Wirtschaftsräume Einfluss nehmen könnte, antwortete die KfW-Volkswirtin: „Denkbar wäre, dass das Vertrauen der Finanzmärkte in US-Staatstitel überraschend schnell verlorengeht. Dafür könnte es eine Reihe von Gründen geben, etwa wenig überzeugende Konsolidierungsmaßnahmen, eine überraschend hohe Inflationsdynamik, Ansteckung durch Schuldenkrisen in einem anderen großen Industrieland usw. In so einem Fall würden die Zinsen, insbesondere die Risikoprämie auf US-Anleihen stark anziehen und die Kurse der Anleihen fallen. Ersteres würde deutlich konjunkturbremsend wirken, letzteres
könnte zu Schieflagen bei institutionellen Investoren führen. Beides würde über die Finanzmärkte und den Außenhandel weltweit zu sehr spürbare Auswirkungen führen.

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