Berechnung von Umweltkosten zahlt sich aus

Manager unterschätzen den Wert von Umwelteinflüssen und deren direkten Bezug zum Tagesgeschäft. So ist zum Beispiel der wirtschaftliche Wert von Fledermäusen für die US-amerikanische Landwirtschaft milliardenschwer - Kernergebnisse einer TEEB-Studie.

Die Erstellung einer Umweltkostenrechnung wirkt sich direkt auf die Profitabilität eines Unternehmens aus. Das dient nicht nur dem grünen Image der Firma. Es zahlt sich in barer Münze aus. Produktionstechnologien mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Umwelt können monetär bewertet und zudem dabei neue Geschäftsfelder entdeckt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle TEEB- (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) Studie. In den Studienergebnissen fallen die hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten durch den Verlust von Biodiversität auf. Die Kosten durch Verlust von zum Beispiel Arten- und genetischer Vielfalt belaufen sich demnach auf 4,5 Billionen Euro pro Jahr.

Jetzt soll eine eine EU-Kampagne der Wirtschaft helfen. Experten dieser Business & Biodiversity-Kampagne bringen ihre Expertisen in die Weiterentwicklung der Bewertungsansätze ein. Sie unterstützen Unternehmen dabei, Umweltauswirkungen und -kosten in ihre Strategien zu integrieren, um damit dem Verlust von Ökosystemen entgegenzuwirken.

Zu wenig Standards für Umweltkosten im betrieblichen Rechnungswesen

Anschauliches Beispiel: Wissenschaftler haben den wirtschaftlichen Wert von Fledermäusen als wichtige Vertilger von Pflanzenschädlingen auf bis zu 53 Milliarden US-Dollar allein für die US-Landwirtschaft berechnet. Obwohl diese Zahlen bereits die massiven Einflüsse auf die Weltwirtschaft verdeutlichen, fehlt Managern häufig das Wissen über den direkten Bezug zu ihrer Geschäftstätigkeit. Grund: Die Einbeziehung von Umweltkosten in das betriebliche Rechnungswesen und in Entscheidungsprozesse ist kompliziert und deshalb noch nicht weit verbreitet.

Die größte Schwierigkeit liegt darin, einzelne Ökosysteme oder Umweltdienstleistungen monetär zu bewerten. Wie geht man zum Beispiel mit indirekt genutzten Werten wie Wasseraufbereitung oder einem ganzen Ökosystem um? Hier liegen keine Preise oder Kostenberechnungen vor, die man als Grundlage heranziehen kann. Ohne einheitliche Monetarisierungsmethoden bleibt die Vergleichbarkeit zwischen Technologien oder Unternehmen begrenzt. Eine breite und verbindliche Anwendung von Umweltgewinn- und -verlustrechnungen wird so unwahrscheinlich.

PUMA und Dow Chemicals investieren in die Berechnung von Umwelteinflüssen

Dennoch gibt es zahlreiche erfolgreiche Vorreiter. Beispielsweise sehen die Pläne des Sportartikelherstellers PUMA für das zweite Quartal 2011 vor, erstmalig eine um Umweltkosten erweiterte Gewinn- und Verlustrechnung zu präsentieren. In diese Aufstellung gehen die Kosten der CO2-Emissionen des Warentransportes ein. Nach einer Analyse der Umweltkosten könnte es zum Beispiel profitabler sein, lokal zu produzieren. Eine weitere Besonderheit am Vorhaben des Sportartikel-Produzenten ist, dass Verbrauch und Emissionen nicht einfach aufgelistet werden, sondern dass die entstehenden Umweltkosten monetär ausgewiesen werden.

Als eines der ersten großen Unternehmen kündigte der US-Chemiekonzern Dow Chemical im Januar dieses Jahres eine Kooperation mit der Umweltorganisation The Nature Conservancy an. Ziel ist es, wissenschaftliche Methoden anzuwenden, um darzustellen, wie Dows Geschäftstätigkeit von der Natur abhängt und wie diese wiederum auf die Natur einwirkt. Mit diesem Wissen könnte der Wert der Umwelt besser in die Entscheidungsprozesse des Konzerns einfließen. Hierfür stellt Dow zehn Millionen US-Dollar für die nächsten fünf Jahre zur Verfügung. Experten warten gespannt auf konkrete Ergebnisse.

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  1. pascal sagt:

    voilà