USA: Subprime-Nachwehen, aber beherrschbare Risiken

Deutschlands Top-Ökonomen sehen noch Folgen, gehen aber von einer Stabilisierung im US-Häusermarkt aus. Das Problem ist aber noch nicht im Griff - die wichtigsten Expertenmeinungen.

Ist der Immobilienmarkt der USA immer noch eine Gefahrenquelle, nachdem von ihm die letzte verheerende Finanzkrise ausgegangen ist? Die Deutschen Mittelstands Nachrichten haben bei Deutschlands Top-Ökonomen nachgefragt. Die Meinungen gehen auseinander, sind aber durchgängig kritisch und geben für den Immobilienmarkt keineswegs grünes Licht:

Dr. Oliver Arentz, Stellvertretender Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) in Bonn, sieht noch einige Unbekannte: „Die Investoren bewerten die zukünftige Entwicklung des US-Häusermarktes skeptisch, was sich an dem Einbruch der Verkaufszahlen zeigt. Die massiven Wertverluste auf dem US-Häusermarkt seit 2007 führten zur Weltwirtschaftskrise in 2009, weil die Banken die Risiken immobilienbesicherter Kredite im blinden Vertrauen auf finanzstatistische Modelle völlig falsch bewertet hatten. Es bleibt zu hoffen, dass die internen Risikobewertungsprozesse der Banken im Nachgang verbessert wurden, so dass sinkende US-Immobilienpreise nicht nochmals zu einer Belastung für die Weltwirtschaft werden können.“

„Probleme am US-Immobilienmarkt kann man nicht in wenigen Jahren lösen“

DIHK-Ökonom Dirk Schlotböller meint, dass „die Probleme am US-Immobilienmarkt so groß“ gewesen seien, dass sie „nicht innerhalb weniger Jahre vollständig zu lösen waren.“ Außerdem belaste die schwierige Situation weiterhin den Konsum der Hausbesitzer und die Bautätigkeit.

Stefan Marotzke, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV): „Akute Gefahren eines erneuten drastischen Preisverfalls auf dem Immobilienmarkt in den Vereinigten Staaten sehe ich nicht. Allerdings hat sich der Immobilienmarkt in den Vereinigten Staaten von dem Zusammenbruch noch nicht nachhaltig erholt. Insofern sind sicherlich dauerhafte Belastungen mit Blick auf den Bausektor und die Vermögens- und Ersparnisbildung nicht auszuschließen.“

Dr. Vera Schubert, Abteilungsdirektorin der Volkswirtschaftlichen Abteilung der KfW, sieht dagegen im privaten Immobiliensektor kaum mehr negative Signale, weil die Preise schon stark nach unten korrigiert wurden. Zudem sei der direkte prozentuale Anteil am gesamten BIP mittlerweile relativ gering. Außerdem dürften „eventuelle Vermögenseinbußen auf Grund noch etwas sinkender Immobilienpreise durch Zuwächse am Aktienmarkt, höhere Zinsen und insbesondere über einen sich belebenden Arbeitsmarkt kompensiert werden.“

Die Tatsache, dass der Bausektor nur noch zu einem geringen Teil zur US-Wirtschaftsleistung beiträgt, bewertet Dr. Christoph Balz, USA-Experte der Commerzbank, positiv. Wenn dieser weiter schrumpfen sollte, würde dies die Wirtschaft kaum noch dämpfen. Allerdings drücke der erhebliche Leerstand noch immer auf die Immobilienpreise. Balz: „Wir sehen bei den Häuserpreisen daher noch ein gewisses Abwärtspotenzial, der bei weitem größte Teil der Korrektur sollte aber hinter uns liegen. Einen leichten Preisrückgang könnte die Wirtschaft vermutlich verkraften. Ein deutlicher Rückgang würde allerdings die Konsumenten und die kreditgebenden Banken stärker belasten.“

„Banken müssten die Ausfälle bei Hypotheken mittlerweile kompensiert haben“

Auch Rudolf Besch, Volkswirt der DekaBank, sieht kaum noch Gefahren, die vom Wohnimmobilienmarkt ausgehen könnten. Die Immobilienkrise habe zwei Wirkungskanäle gehabt: „Die schwache Bauaktivität belastete die wirtschaftliche Aktivität direkt. Inzwischen hat sich der Anteil der Bauinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt von über sechs Prozent zu Beginn der Wohnungsbaurezession Anfang des Jahres 2006 auf derzeit rund zwei Prozent sehr deutlich verringert. Eine weitergehende Abschwächung in diesem Bereich hätte kaum Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Aktivität.“

Der zweite Wirkungskanal habe mit dem Bankensystem zu tun: Die hohen Ausfallraten bei Hypotheken belasteten die Banken und damit deren Kreditvergabe bzw. in vielen Fällen ihre Existenz. Besch: „Der daraufhin einsetzende Bereinigungsprozess im US-Bankensystem ist nach über zwei Jahren bereits sehr weit fortgeschritten. Die Banken, die diesen Prozess überstanden haben, dürften nun aufgrund einer stärkeren Eigenkapitalausstattung belastbarer sein.“

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