Immobilienpreise: Die Weltwirtschaft in zwei Geschwindigkeiten

Michael Maier über die Signale, die zurzeit von den Immobilienpreisen der Krisenverlierer- und -gewinner ausgehen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Weltwirtschaft messen kann. Die eine folgt der Formel 6 + 2: In den jungen Volkswirtschaften betragen die Raten für Inflation und Wachstum jeweils 6 Prozent, in den reifen Märkten liegen beide bei zwei Prozent.

Das Wall Street Journal hat noch einen anderen Indikator ausgemacht: Die Immobilienpreise. Diese steigen rasant in Australien, China, Hong Kong, Israel, Singapur, Südafrika und Schweden. Sie stagnieren und fallen dagegen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Irland und den USA. Interessanterweise hängt diese Entwicklung mit der Lage der lokalen Banken zu tun: In Ländern, in denen die Banken unbeschadet aus der Finanzkrise gekommen sind, steigen die Immobilienpreise deutlich an. Kanadische und israelische Banken hatten kaum in faule US-Immobilienkredite investiert und haben dennoch die globalen Zinssenkungen mitgemacht. Weil sie aber keine großen Wertberichtigungen vornehmen mussten, vergaben sie auch wesentlich großzügiger Kredite an Leute, die sich ein Haus kaufen wollten. So wurde die Nachfrage angekurbelt – und die Preise stiegen.

„Kein Spielraum für Einzelgänge“

In jenen Ländern, in denen die Banken sich mit zu großem Engagement bei Subprime-Krediten verzockt hatten, war in der Folge der Krise die Kreditpolitik viel restriktiver. Die Folge: Weniger Immobilien-Transaktionen und negative Folgen für die Preise.

Die Analyse zeigt aber auch, dass trotz der zwei Geschwindigkeiten die globale Verknüpfung der Volkswirtschaften keinen Spielraum für Einzelgänge lässt. Die Insel der Seligen – es gibt sie nicht mehr. Denn durch die niedrigen Zinsen und den Immobilienboom in jenen Ländern, denen die Krise nichts anhaben konnte, entstehen nun möglicherweise neue Blasen. Schon beginnen einige der Länder gegenzusteuern: Höhere Steuern und teurere Hypotheken, bessere Prüfung der Bonität und höhere Ratenzahlungen sollen ein Platzen der Blase verhindern – damit sich die Geschichte nicht bei denen wiederholt, die von der jüngsten Krise profitiert haben.

Michael Maier

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  1. Jos Deuling sagt:

    Hauspreise in Frankreich in 2010 gestiegen.

    Ein Bericht von Notaires.fr zeigt das die Immobilienpreise für Altbau zwischen dem 3. Quartal 2009 und dem 4. Quartal 2010 um 9,1% gestiegen sind. Der Bericht bietet auch einen Überblick über die durchschnittliche Hauspreis pro Region im dritten Viertel des Jahres 2010.

    Ich habe zwei Heatmaps angefertigt um die Daten der französische Notare zu visualisieren :
    http://www.affidata.de/sh/immobilien-kaufen/immobilienmarkt-hauspreise-frankreich-2010