Badenova treibt Ausstieg aus Atomenergie voran

Das Freiburger Versorgungsunternehmen will rund 80 Millionen Euro in grüne Kraftwerke investieren.

Der Freiburger Regionalversorger Badenova will so schnell wie möglich raus aus dem Handel mit Atomstrom. Das hat der Badenova-Aufsichtsrat beschlossen. Der Ausstieg soll jetzt früher als geplant passieren. Die Atomkatastrophe in Japan habe aber keinen Einfluss auf den Beschluss gehabt, so das Unternehmen. Bislang wollte Badenova die Energiewende bis zum Jahr 2015 schaffen. Auf ein neues früheres Datum konnte sich das Unternehmen aber bislang nicht festlegen. Das sind die Kernpunkte einer Badenova-Pressemitteilung.

Badenova kann nicht sofort aus dem Geschäft mit dem Atomstrom aussteigen. Grund: Geschäftskunden haben den konventionellen Strom gebucht und bestehende Verträge können nicht ohne Weiteres gebrochen werden. Die meisten Kunden aus der Industrie wären nicht bereit, einen Aufpreis für Ökostrom zu bezahlen. Ein sofortiger Ausstieg hätte laut Badenova ein Defizit im sechsstelligen Bereich zur Folge. Ökostrom für Geschäftskunden ist bei der Badenova teurer als Graustrom, das heißt Strom unbekannter Herkunft.

Atomstrom wird im Graustrom-Mix ausschließlich an Industriekunden verkauft

Industriekunden beziehen von der Badenova insgesamt 380 Gigawattstunden (GW/h) Graustrom. Gemäß des bundesweiten Energiemixes sind davon 70 GW/h Strom aus Atomenergie. Insgesamt rund vier Prozent der Strommenge, mit der Badenova handelt, kommt zurzeit aus der Atomenergie. Badenova gibt an, dass der Anteil an Atomenergie ausschließlich an Industriekunden verkauft wird. Privatkunden könnten seit drei Jahren Ökostrom kaufen.

In der nächsten Zeit will Badenova den Atomstrom-Anteil komplett durch Strom aus Erneuerbaren Energien ersetzen. Dazu plant das Unternehmen, 80 Millionen Euro in Wind-, Wasser-, Solar- und Biomassekraftwerke zu investieren. Das hat der Badenova-Aufsichtsrat beschlossen. „Die Anstrengungen in den Ausbau der dezentralen, regenerativen Energieerzeugung sollen verstärkt fortgesetzt werden.“ Dennoch verzichtet Badenova laut econo.de darauf, sich an einem Großprojekt der Thüga zu beteiligen. Die Stadtwerke-Holding, zu deren Gesellschaftern auch die Badenova gehört, will Strom über Windräder auf hoher See erzeugen. Die Badenova wolle dem Pressebericht nach „abwarten“.

Badenova bezieht 70 Gigawattstunden Ökostrom

Pressesprecherin Yvonne Schweickhardt berichtet im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten, dass durch die von Badenova mitinitiierten oder selbst betriebenen Windräder, Solaranlagen, Wasserkraftwerke und Biomassekraftwerke in der Region inzwischen jährlich rund 70 Gigawattstunden Ökostrom erzeugt werden. Diese 70 Gigawattstunden machen rund fünf Prozent der jährlich von der Badenova insgesamt gehandelten Strommenge von 1,136 Terawattstunden aus. Durch die Blockheizkraftwerke und KWK-Verbundkraftwerke würden pro Jahr über 700 Gigawattstunden an Leistung erzeugt.

Dem Aufsichtsrat von Badenova sitzt der Freiburger Oberbürgermeisters vor. An dem kommunal getragenen Unternehmen sind Kommunen wie Freiburg, Lörrach und Offenburg beteiligt. Der Freiburger und der Lörracher Gemeinderat forderten zuletzt einen„schnellstmöglichen“ Komplettausstieg, berichtet die Badische Zeitung.

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