Käufer aus Indien und China bewegen den europäischen M&A-Markt

Ausländische Investoren wollen vor allem den Zugang zu Top-Technologien und westeuropäischen Kunden ausbauen.

Beteiligungen an deutschen Unternehmen stehen bei strategischen Investoren aus China und Indien wieder hoch im Kurs. Chinesische und indische Akquisiteure sind zurzeit auf dem europäischen Markt sehr aktiv. Im Krisenjahr 2009 haben sie sich bei der Übernahme europäischer Unternehmen noch spürbar zurückgehalten. Aber schon im letzten Jahr verdoppelte sich die Zahl der M&A-Transaktionen, an denen indische Investoren beteiligt waren, im Vergleich zum Vorjahr von neun auf 18. Die Zahl der chinesischen Investoren bei europäischen Übernahmen nahm von 13 auf 18 zu. Das sind Kernergebnisse des „European Private Equity Outlook 2011“ von Roland Berger Strategy Consultants.

Asiatischer Raum will internationaler werden

„Die Gründe für die verstärkte Beteiligung ausländischer Investoren am europäischen M&A-Markt liegen auf der Hand: Durch den Erwerb europäischer Unternehmen sichern sich ausländische Investoren den Zugang zu wichtigen Technologien und westeuropäischen Kunden. Für Käufer aus dem asiatischen Raum und aus Nahost ist dies ein wichtiger Schritt, um die Internationalisierung ihres Geschäfts voranzutreiben“, sagt Studienautor und Roland Berger-Analyst Gerd Sievers. Experten beobachten, dass europäische Unternehmer als Verkäufer vor allem sprachliche Barrieren überwinden und sich auf unterschiedliche Vorgehensweisen bei Unternehmenskäufen einstellen müssen.

Der Markt kommt immer mehr in Schwung. Vor allem in den Segmenten Automotive, Investitionsgüter, Business Services sowie Konsumgüter erwarten Marktkenner in diesem Jahr ein größeres Volumen von M&A-Transaktionen. Aber noch ist sehr viel Platz nach oben: Der europäische Private Equity-Markt hat zwar seinen Tiefstand aus dem Jahr 2009 überwunden und verzeichnet nun Zuwächse. Doch das ist noch weit entfernt vom Vorkrisenniveau. So hatte der europäische Private Equity-Markt im Jahr 2008 noch ein Transaktionsvolumen von 54 Milliarden Euro erreicht – etwa 50 Prozent mehr als im Jahr 2010.

Im Jahr 2010 legten die M&A-Transaktionen um 52 Prozent auf 36 Milliarden Euro zu. Eine positive Tendenz, die sich laut Roland Berger-Experten in diesem Jahr 2011 fortsetzen wird. Grund ist vor allem die Aktivität der Asiaten. Zudem steigt durch verbessertes Pricing und ein freundlicheres Finanzierungsumfeld die Sicherheit bei mittleren Transaktionen (MidCap), so die Roland Berger-Analysten.

Aufwärtstrend bis zum Jahr 2012

Das Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim bestätigt die Belebung bei Fusionen und Übernahmen im laufenden Jahr. Die ZEW-Forscher betonen aber ebenfalls, dass der M&A-Markt noch länger braucht, um das Vorkrisenniveau zu erreichen. So deutet nach der aktuellen ZEW-Prognose der Trend für den M&A-Markt in Deutschland auf eine Bodenbildung und einen Aufwärtstrend bis Anfang zum Jahr 2012 hin. Voraussetzung dafür ist laut ZEW, dass „die Ereignisse in Japan und Nordafrika keine oder nur eine kurzfristige negative Auswirkung auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland haben.“

Deutliche Unterschiede im Vergleich der M&A-Aktivitäten lassen sich zwischen dem weltweiten und dem deutschen Markt feststellen: Die Entwicklung des deutschen Marktes ist weitaus weniger dynamisch. Während schon im vergangenen Jahr 2010 nach dem starken Krisen-Einbruch eine Erholung erkennbar wurde, setzte in Deutschland ein erneuter starker Rückgang ein. Laut ZEW-Analysten haben sich deutsche Unternehmer im letzten Jahr 2010 in erster Linie auf ihre interne Restrukturierung konzentriert. Mittlerweile betrachten immer mehr deutsche Unternehmenslenker Fusionen und Übernahmen wieder als ein brauchbares Instrument für ihre Wachstumsstrategien.

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