Führungskräftemangel verursacht Milliardenverluste

Zwei von drei Maschinenbauunternehmen klagen über Mangel an geeigneten Fach- und Führungskräften.

Rund ein Drittel der freien Stellen für Führungskräfte kann im deutschen Mittelstand derzeit nicht oder nur nach langer Zeit besetzt werden. Es entstehen jährliche Umsatzeinbußen im zweistelligen Milliardenbereich. Mittelständlern, denen eine Professionalisierung des Personalmanagements nicht gelingt, droht damit der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, so eine aktuelle Markteinschätzung der Personalberatung Rochus Mummert.

Vereinbarkeit von Familie und Karriere

Als Gegenmaßnahme empfiehlt Studienleiter Frank Döring eine systematische Personalbedarfsanalyse, eine strukturierte Nachbesetzung von Schlüsselpositionen sowie die Ermittlung der Wertbeiträge einzelner Fach- und Führungspositionen. Parallel zu dieser  strukturellen Professionalisierung der Personalarbeit müssen sich Unternehmen zunehmend als attraktiver Arbeitgeber positionieren – und zwar sowohl für aktuelle als auch potenzielle Mitarbeiter. “Die Vereinbarkeit nicht nur von Beruf und Familie, sondern auch von Karriere und Familie stellt für mittelständische Unternehmen, die ja immerhin für 70 Prozent der hiesigen Arbeitsplätze stehen, aktuell die größte Herausforderung dar. Treffen neue Arbeitszeitmodelle doch gerade im von einer Macher- und Hands-on-Mentalität geprägten Mittelstand oftmals noch auf erheblichen Widerstand“, sagt Rochus-Mummert-Partner Döring.

Führungskräfte und Facharbeiter fehlen

„Noch vor wenigen Jahren konnte eine Führungsposition im Mittelstand in der Regel binnen ein bis zwei Monaten besetzt werden, so dass ein Unternehmen das Vakuum meist nicht viel länger überbrücken musste als beispielsweise den krankheitsbedingten Ausfall eines Leistungsträgers“, sagt Personalberater Döring. „Diese Zeiten sind definitiv vorbei. In Einzelfällen suchen Mittelständler mitunter länger als ein Jahr nach dem richtigen Kandidaten.“ Besonders Führungskräfte mit technischer oder naturwissenschaftlicher Ausbildung sind derzeit kaum zu finden. Bereits zwei von drei Maschinenbauunternehmen klagen über einen Mangel an geeigneten Fach- und Führungskräften. Aber auch im verarbeitenden Gewerbe sowie in Dienstleistungsbranchen wie der Gesundheitswirtschaft und dem Finanzsektor bleiben Schlüsselfunktionen zunehmend über längere Zeit unbesetzt.

Das kann für die Unternehmen zu einer existenzbedrohenden Situation führen. Um dieses zu vermeiden, sollten Mittelständler ihre Personalabteilung nicht länger als reine administrative Personalverwaltung – Stichwort Gehaltsbuchhaltung – betrachten, sondern als ein echtes Personalmanagement aufstellen. In einem ersten Schritt ist es dafür wichtig, so Döring, die Mitarbeiter nicht zuerst als Kostenfaktor, sondern als Werttreiber zu betrachten. Erst dieser Kulturwechsel ermöglicht den Übergang zu professioneller Personalarbeit.

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