Weltabgewandte Naturwissenschaftler und das Lob der Ingenieure

Ingenieurswissenschafler haben weit geringere Berührungsängste, wenn es um eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft geht, als Naturwissenschaftler. Das zeigt eine Untersuchung des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung.

Naturwissenschaftler haben in Deutschland eine erhebliche Distanz zur Wirtschaft. Forscher aus den Bereichen Chemie, Physik, Mathematik und Geowissenschaften wollen keine stärkere Förderung ökonomisch und gesellschaftlich relevanter Forschung. Diese Entwicklung in der deutschen Forschungsförderung wird von den Befragten aus den Naturwissenschaften deutlicher zurückgewiesen als von Forschern aus anderen Bereichen. Dies hat eine neue repräsentative Untersuchung des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung ergeben.

Annäherung an die Praxis

Eine stärkere Förderung der Zusammenarbeit zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung wird dagegen von den Ingenieurwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern stärker befürwortet – nur die Mediziner sind noch vergleichbar offen, wenn es um das Verlassen des akademischen Elfenbeinturms geht. Zu den Ingenieurwissenschaften gehören Maschinenbau und Produktionstechnik, Wärmetechnik/Verfahrenstechnik, die Werkstoffwissenschaften, die Elektrotechnik, Informatik und Systemtechnik sowie Bauwesen und Architektur.

Diese Erkenntnisse lassen zwei Schlüsse zu: Die deutsche Wirtschaft muss sich vermehrt um die Naturwissenschaftler bemühen. Innovationen in den Bereichen Technologie, Energie oder Umwelttechnik lassen eine enge Zusammenarbeit mit gerade dieser Gruppe als besonders notwendig erscheinen. Gerade mittelständische Unternehmen könnten hier eine Menge tun – und sich auf diesem Weg möglicherweise einen Know-How-Vorsprung verschaffen.

Die pragmatische Denkweise der Ingenieure wiederum zeigt, dass die deutsche Wirtschaft ein angesehener Partner für die Forschung in diesem Bereich ist. Hier spielt sich die Dominanz deutschen Maschinen-, Anlage- und Autobauer eine besondere Rolle. Interessanterweise sind Mediziner und Biologen ähnlich offen für die Kooperation mit der Wirtschaft.

Amerika als Vorbild

Diese Entwicklung könnte beide – Naturwissenschaftler und Wirtschafter – ermutigen, es nicht beim status quo zu belassen: Schließlich liegt die Zukunft in jenen Themen, in denen Naturwissenschaftler eine besondere Kompetenz haben. Dass sie diese in die Wirtschaft ohne Reputationsverlust einbringen können zeigt die sich seit Jahrzehnten bewährende Symbiose in den USA. Hier kann „old Europe“ von den Amerikanern immer noch einiges lernen.

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