Der Wettbewerb im internationalen Maschinenbau nimmt zu

Chinesischen Maschinenbauer konzentrieren sich auf die leicht zugänglichen Märkte in Südostasien und Afrika. Europäische Mitbewerber müssen noch mehr Forschung und Entwicklung in die Schwellenländer transferieren.

Technologisch führende High-End-OEMs (Anm. D. Red.: Original Equipment Manufacturer; Erstausrüster) sollten ihr Geschäft ins Mittelsegment erweitern, um von dem enormen Wachstum dort zu partizipieren.

 Europäische OEMs im Mittelsegment sind zwar bereits international aufgestellt, aber sie müssen noch mehr Forschung und Entwicklung in die Schwellenländer transferieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants mit dem Titel „Production Systems 2020 – globale Herausforderungen und Erfolgsstrategien für die Maschinenbaubranche“.

Der Studie zufolge dominieren drei globale Megatrends die künftige Entwicklung der Branche: Erstens wird sich die Verlagerung nach Asien fortsetzen. China hat die USA im Jahr 2010 bereits überholt und ist zum Maschinenbau-Weltmeister geworden. Auch Deutschland werde seine marktführende Position in den meisten Maschinenbau-Segmenten in den kommenden Jahren an China verlieren. „Das Leistungs- und Qualitätsniveau der chinesischen Hersteller nähert sich an das europäische Niveau an“, erklärt Co-Autor Ralph Lässig. „Während die befragten europäischen Betreiber ihr technisches Niveau aufrechterhalten wollen, planen die chinesischen Betreiber eine deutliche Steigerung ihrer Standards.“

Die Roland Berger Experten erwarten auch eine Änderung der Spielregeln im Mittelfeld: Das mittlere Leistungssegment wächst am stärksten und wird zum globalen Spielfeld. „Deshalb halten wir starken Wettbewerb zwischen europäischen und chinesischen OEMs in den meisten, einfach zugänglichen Wachstumsregionen für wahrscheinlich“, sagt Lässig. „Chinesische OEMs werden sich auf leicht zugängliche Märkte in Südostasien, dem Mittleren Osten und Afrika fokussieren.“

Der dritte globale Megatrend der Branche heißt „Going green“ und bezeichnet das steigende Umweltbewusstsein. „Energieeffizienz wird in Europa und Japan an Bedeutung gewinnen, getrieben durch Kostensenkungen, Regulierung und die steigende Bedeutung eines umweltfreundlichen Images“, erläutert Studienautor Martin Eisenhut. Bei ausgewählten Anwendungen sind erhebliche Energieeinsparungen möglich. „Viele Betreiber sehen Energieeffizienz zwar als ein wichtiges Kaufkriterium, allerdings sind nicht alle bereit, dafür auch mehr Geld ausgeben.“ Trotz des Megatrends bleiben Energieeffizienz und andere „grüne“ Konzepte bei vielen Anwendungen daher „nur“ ein Marketingthema.

Führende Experten erwarten in den kommenden zehn Jahren eine weitere strukturelle Verlagerung der Maschinenproduktion und -nachfrage von den Industrieländern in die Schwellenländer, hauptsächlich nach China. Obwohl der weltweite Maschinenbau bis zum Jahr 2012 wieder vollständig von der globalen Rezession im Jahr 2009 erholt haben wird. OEMs müssen als Reaktion auf die globale Herausforderungen neue Strategien entwerfen – so das Ergebnis der Berger-Studie. „Mittelfristig erwarten wir eine durchschnittliche Wachstumsrate von acht Prozent jährlich bis 2015. Aber die einzelnen Segmente und Regionen werden sich unterschiedlich schnell erholen: Deutschland wird beispielsweise das Niveau von 2008 erst 2013 wieder erreichen.“

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.