Deutsche Industrie soll Monitoring einrichten

Damit strukturelle Änderungen nicht mit kurzfristigen Nachfrageausfällen verwechselt werden, empfiehlt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ein besonderes Monitoring.

Unternehmen der Hochtechnologie-Branche sollten ein internationales Industrie-Monitoring aufbauen. Das empfehlen Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Das Werkzeug könne helfen, vorübergehende Nachfrageausfälle frühzeitig von strukturellen Änderungen zu unterscheiden. „Nur so kann man sicherstellen, dass bestehende Wettbewerbsvorteile nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden oder Unsummen in wenig sinnvolle Erhaltungssubventionen fließen“, erklärt DIW-Experte Alexander Schiersch.

China als Chance und Rätsel

Die deutsche forschungsintensive Industrie nimmt eine internationale Spitzenposition ein. Während der Wirtschaftskrise konnte sie ihre Marktanteile vor allem auf den Zukunftsmärkten der Schwellenländer ausbauen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Für die Untersuchung verglichen die DIW-Forscher erstmals internationale Daten zu Wertschöpfung, Produktivität und Außenhandel des Hoch- und Spitzentechnologie-Sektors vor, während und nach der Krise.

Den Experten zufolge ist vor allem die wachsende Bedeutung der Schwellenländer wie China gut für die Zukunft. Zwar sei Europa derzeit immer noch der größte Abnehmer deutscher Hoch- und Spitzentechnologie-Produkte. Die Zukunftsmärkte legen jedoch deutlich zu. „Das Wachstumspotenzial dieser aufstrebenden Volkswirtschaften und der damit einhergehenden Nachfrage nach deutschen Produkten verhelfen der Industrie zu einer guten Perspektive“, so DIW-Forscher Florian Mölders.

Deutschland mit geringerem Exportrückgang

Seit dem Jahr 2007 ist Deutschland der größte Exporteur forschungsintensiver Waren. Während die beiden Hauptkonkurrenten im Exportbereich – USA und Japan – Ausfuhrrückgänge von 27 und 29 Prozent hinnehmen mussten, gab der deutsche Export „nur“ um 24 Prozent nach. Die meisten forschungsintensiven Industrien, so fanden die DIW-Forscher heraus, konnten ihre Export-Import-Relation in der Krise verbessern. „Das gilt vor allem für den Maschinenbau und die Elektrotechnik. Lediglich in der Automobilindustrie führte die Abwrackprämie zu höheren Importen“, so Florian Mölders. Mittlerweile haben die Exporte wieder deutlich angezogen, auch wenn der Anteil der Industrie an der gesamtdeutschen Wertschöpfung im Jahr 2010 noch nicht wieder so hoch lag wie vor der Krise.

In den USA und Großbritannien brach die Produktivität durch die vielen Entlassungen zwar weit weniger ein, dafür fällt es den Firmen jetzt schwerer, die wieder steigende Nachfrage zu bedienen. „Wenn die Arbeitskräfte fehlen, kann die Produktion erst langsam wieder hochgefahren werden“, sagte Alexander Schiersch, Mitautor der Studie. „In Deutschland hat die Krise die Arbeitsproduktivität in der Hoch- und Spitzentechnologie nicht dauerhaft verändert.“

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