„Wir geben technologisch in der Branche den Ton an“

Der österreichische Hersteller für Feuerwehrfahrzeuge ist in der ganzen Welt vertreten und die Nummer 1 in der Feuer- und Katastrophenbekämpfung. 2010 konnte das Unternehmen einen Gewinn von fast 50 Millionen Euro erwirtschaften und den Umsatz innerhalb der letzten sechs Jahre verdoppeln.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Was ist das Rezept für den internationalen Erfolg von Rosenbauers?

Rosenbauer: Im Wesentlichen gibt es vier Gründe für den Erfolg von Rosenbauer. Zum Einen ist es die internationale Ausrichtung des Konzerns. Rosenbauer ist in der Lage, alle Feuerwehrmärkte der Welt zu bedienen. Wir sind in über 100 Ländern tätig und damit das vertriebsstärkste Unternehmen der Branche.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist unsere Innovationskraft. Rosenbauer verfügt über ein professionelles Innovationsmanagement, um Neuentwicklungen rasch, bedarfsgerecht und in der geforderten Qualität auf den Markt zu bringen. Wir geben technologisch in der Branche den Ton an und bauen unsere Forschungs- und Entwicklungskapazitäten ständig aus. Begeisterten und kreativen Mitarbeitern bieten wir zahlreiche Möglichkeiten, sich in den Innovationsprozess einzubringen.

Den dritten Erfolgsfaktor machen die Mitarbeiter aus. Ohne ihre Kreativität und Innovationsbereitschaft, die wir nach Kräften fördern, könnte Rosenbauer seine Technologieführerschaft nicht so nachhaltig behaupten.

Und schließlich braucht der Erfolg, wie Rosenbauer ihn in den letzten Jahren hatte, auch eine stabile Eigentümerstruktur. Mit unserem Mehrheitseigentümer, der Rosenbauer Familie ist diese Stabilität gegeben. Damit können wir die Entwicklung des Unternehmens solide planen und langfristig ausrichten.

Welche sind die wichtigsten Wachstumsmärkte für Sie derzeit und in der Zukunft?

Die wichtigsten Zukunftsregionen sind Asien, aber auch die Märkte in Südamerika und Afrika.  Ein wichtiger Markt ist auch der russische, auf dem Rosenbauer seit 2009 mit einem Produktions-Joint-Venture vertreten ist.

Ist die unsichere Wirtschaftslage in den USA auch eine Gefahr für Rosenbauer?

In den USA, dem größten Einzelmarkt der Welt, ist bereits 2009 das Absatzvolumen um rund 30 Prozent zurückgegangen und blieb auch 2010 auf diesem Niveau. Durch zusätzliche Exportaufträge und die gute Marktposition im Spezialfahrzeugsegment können die Auswirkungen des Marktrückganges weitgehend kompensiert werden.

Kann Rosenbauer von negativen Ereignissen profitieren, wie etwa die Natur- und Nuklearkatastrophe in Japan?

Kurzfristig, nein. Langfristig beeinflussen zum Beispiel Naturkatastrophen aber auch sonstige Ereignisse das Sicherheitsbewusstsein der öffentlichen Hand.

Rosenbauer hat eine Exportquote von 93 Prozent, der Umsatzanteil von Rosenbauer International liegt aber unter 60 Prozent des gesamten Umsatzes, woran liegt das?

Der Exportanteil der Rosenbauer International AG aus Österreich lag 2010 bei 93 Prozent. Neben den Lieferungen aus Österreich produziert Rosenbauer auch in Deutschland, in den USA, Singapur, Spanien und der Schweiz.

Rosenbauer ist stolz auf die hohe Ressourceneffizienz, wie erreichen Sie einen hohen Grad an Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist bei Rosenbauer ein klares Bekenntnis. Die Verantwortung allen Stakeholdern gegenüber wie auch gegenüber der Umwelt ist eine wesentliche Grundlage für das unternehmerische Handeln und in unserem Leitbild verankert. Umweltkriterien werden bei allen wichtigen Entscheidungsprozessen mitberücksichtigt, wobei die Fertigungsprozesse primär in einer Montagetätigkeit bestehen. Die dabei verwendeten Verfahren sind die klassischen Prozesse des Maschinen- und Spezialfahrzeugbaues bzw. der Metall- und Kunststoffverarbeitung. Damit können die Auswirkungen auf die Umwelt vergleichsweise gering gehalten werden. Das nach ISO 14001 zertifizierte Umweltmanagement ist in das integrierte Managementsystem eingebunden. Es schafft die Voraussetzung für eine kontinuierliche Verbesserung der Umweltbilanz.

Wie stark wirken sich steigende Rohstoffpreise auf Ihr Unternehmen aus?

Durch eine konsequente Einkaufspolitik gelingt es schon seit Jahren, massive Preisspitzen beim Zukauf von Rohstoffen zu glätten, wenngleich die eingesetzten Rohstoffe nur einen geringen Anteil an den Herstellkosten ausmachen. Den größten Einfluss auf die Herstellkosten haben die Fahrgestelle, deren Einkaufspreise am Markt bekannt sind und daher im Regelfall für Rosenbauer einen Durchläufer darstellen. Auswirkungen auf die Herstellkosten – wenngleich auch in geringem Ausmaß – hat die Entwicklung der Einkaufspreise für Aluminiumbleche und -profile sowie von Kunststoffteile. Rosenbauer beobachtet laufend die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten, reagiert auf Preisschwankungen mit längerfristigen Rahmenverträgen und sichert sich dadurch eine stabile Grundlage.

Sie haben Ihren Eigenkapitalanteil aktuell auf fast 43 Prozent erhöht, erreichen Sie die schon die Grenzen der Expansion?

Die Finanzierungsstrategie des Konzerns ist seit Jahren nach konservativen Grundsätzen ausgerichtet, die der Erhaltung einer gesicherten Liquidität sowie einer möglichst hohen Eigenmittelausstattung Vorrang einräumen.

Sind die Preise für Rosenbauer Produkte auf der ganzen Welt vergleichbar oder müssen Sie mit international mit geringeren Profiten arbeiten?

Die Beschaffungen in der Feuerwehrbranche sind gekennzeichnet durch Ausschreibungen. Aufgrund der Kundenstruktur, in unserem Fall die öffentlichen Haushalte, werden Beschaffungen zumeist international ausgeschrieben, daher sind die Preise weder national, noch international vergleichbar.

Im Weiteren sind die Beschaffungen sehr kundenspezifisch geprägt. Das bedeutet, dass jede Feuerwehr ihre spezifischen Anforderungen an die Fahrzeuge setzt, und diese auch entsprechend ausschreibt. Auch die unterschiedlichen technischen Standards, die international gelten, machen es schwierig die Preise von Feuerwehrfahrzeugen weltweit zu vergleichen.

Welche Vorteile hat Österreich für Sie als Standort und was würden Sie ändern?

Rosenbauer fertigt in Österreich an zwei Standorten – in Leonding (OÖ) und Neidling (NÖ). Knapp die Hälfte der im Konzern beschäftigten Mitarbeiter arbeiten in Österreich. Der Standort Leonding ist das Kompetenzzentrum für die Fertigung von Spezial- und Kommunalfahrzeugen und auch das Entwicklungszentrum für Löschtechnik, für die Spezialfahrzeuge sowie neuer Technologien, wie zum Beispiel dem Bereich Telematik. Zudem wurden die Standorte in Österreich in den letzten Jahren sehr stark ausgebaut und die Fertigungskapazitäten massiv erweitert. Dementsprechend gibt es auch ein klares Bekenntnis zum Standort in Österreich.

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