Aluminiumindustrie produziert wieder auf Hochtouren

Vor allem in der Automobil- und Verpackungsindustrie steigt der Bedarf an Leichtmetallen. Die Stärke des Schweizer Frankens drückt allerdings auf die Exportmargen.

Mit Innovationsgeist und Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse der Kunden konnten die Schweizer Aluminiumproduzenten wieder an die Zeit vor der Krise anschließen und beinahe das Rekordergebnis aus dem Jahr 2007 einstellen, berichtet der Aluminium-Verband Schweiz. Im Jahr 2010 erzeugten die Schweizer Walz- und Pressewerke insgesamt 171.200 Tonnen Aluminium, eine Steigerungen um ein Viertel gegenüber dem vorangegangen Jahr. Der Einsatz von Aluminium in der Schweiz stieg auf über 190.000 Tonnen oder fast 25 Kilogramm pro Kopf.

Während der Wirtschaftskrise brachen die wichtigsten Märkte für die Aluminiumindustrie dramatisch ein. In den Branchen Automobil-, Transport-, Maschinenbau- und Investitionsgüter lag der Rückgang zwischen 50 und 90 Prozent. Im Vorjahr legten diese Branchen doch wieder massiv zu und verzeichneten teilweise Wachstumsraten von 50 bis 70 Prozent. Wegen der zunehmenden Bedeutung von Emissionen stieg vor allem in der Automobilindustrie der Bedarf an Leichtmetallen und die Produktion lief hier teilweise im Drei-Schicht-Betrieb auch an Wochenenden.

Speziell durch innovative Produkte konnte die Schweiz in der Autoindustrie aber auch im Flugzeug- und Maschinenbau punkten. Generell verzeichnete das Transportwesen, inklusive Nutzfahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen wieder einen Zuwachs. Einzige Ausnahme ist hier das Eisenbahnsegment, hier mangelt es weiterhin an Staatsaufträgen aus den angeschlagenen europäischen Ländern.

Auch im Energiesektor ist Schweizer Aluminium für die Erzeugung von Gasturbinen, Wasser-, Wind- und Solarkraftanlagen gefragt. Im Medizinbereich und in der Nahrungsmittelindustrie konnten die guten Zahlen gehalten werden. Ähnliches gilt für Verpackungen, hier konnten auf hohem Niveau noch zwei Prozent zugelegt werden. Dieser Bereich zählt zu den Zukunftshoffnungen, da der Trend hier zum Beispiel zur Einzeldosierung hingeht.

Rekordverdächtig ist auch die Recyclingquote in der Schweiz. Das belegen die Zahlen der IGORA-Genossenschaft, die für das Recycling von Aluminiumverpackungen in der Schweiz zuständig ist: 91 Prozent der Getränkedosen, 80 Prozent der Tiernahrungsschalen und 60 Prozent der Aluminiumtuben werden der Wiederverwertung zugeführt. In der Bau- und Transportwirtschaft liegt die Quote seit geraumer Zeit über 90 Prozent. Zusätzlich zu den Sammelstellen in Städten und Gemeinden wurde im Jahr 2010 ein kostenloser Abholservice für größere Mengen an Alu-Dosen eingerichtet.

Die positiven Nachrichten werden jedoch durch die Stärke des Franken getrübt. Die EU-Länder machen mit 80 Prozent Anteil den wichtigsten Exportmarkt für die Schweizer Aluminiumindustrie aus und hier hat speziell die Schwäche des Euros auf die Margen gedrückt. Dieser Trend scheint sich in diesem Jahr noch zu verstärken, bereits im vergangen Jahr gingen die Gewinnspannen um 16 Prozent zurück. So bleibt trotz überdurchschnittlicher Produktion nur ein enttäuschendes finanzielles Ergebnis für die Aluminiumindustrie.

Auf die schwierige Situation reagierten die Schweizer Aluminiumproduzenten bisher mit straffem Kostenmanagement, Einstellungsstopps und Arbeitszeitverlängerungen, um mit geringerem Personalaufwand mehr zu produzieren. Doch werden die Folgen der Währungskrise erst im diesem Jahr wirklich abzuschätzen sein und eine Produktionsverlagerung ins Ausland wird bereits offen diskutiert.

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