Sinkende Kreditwürdigkeit der USA mit globalen Folgen

Die schlechtere Einschätzung der Kreditwürdigkeit wird den US-Wahlkampf und die Weltwirtschaft beeinflussen.

Die USA könnten ihr AAA-Rating in der Kreditwürdigkeit verlieren. Das Staatsdefizit sei zu hoch und keine politische Lösung in Sicht, hieß es damals von der Ratingagentur Standard&Poors (S&P). Ein Interview der Neuen Zürcher Zeitung mit den Kreditanalysten Thomas Wacker und René Hermann beschäftigt sich mit den Folgen der Abstufung.

Auf die Frage, ob andere Agenturen dem Vorbild von S&P folgen könnten, sagt Thomas Wacker: „Ja, sehr wahrscheinlich – außer die US-Politik würde auf den Warnschuss reagieren. Der S&P-Entscheid hat ein sehr großes Medienecho ausgelöst. Vielleicht kommt das Signal an.“ Auch in der Vergangenheit reagierte S&P etwas schneller als seine Mitbewerber.

Independent Credit View hat die Kreditwürdigkeit der USA schon seit dem Jahr 2009 nicht mehr als völlig unbedenklich eingestuft. Grund dafür ist der fehlende Wille der US-Regierung, den Staatshaushalt zu sanieren. Bereits früher haben Ratingagenturen vor den Folgen der mangelnden Handlungsbereitschaft gewarnt. Große Investoren hatten sich aus Geschäften mit US-Anleihen schon vor dem Downrating verabschiedet. Die Abstufung in der Kreditentwicklung kommt also nicht völlig überraschend. Doch lange war man der Meinung, die Wende in der Haushaltspolitik könne doch noch kommen.

„Kapitalmarktschuldner mit einem negativen Outlook haben statistisch gesehen eine Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent, dass sie in den nächsten zwölf bis 18 Monaten mit einer Rückstufung zu rechnen haben. Während dieser Zeit kann sich die US-Regierung gegen die drohende Rückstufung stemmen“, schätzt René Hermann. Eine Abstufung vor dem Jahr 2012 scheint auch wegen S&Ps Äußerungen diesbezüglich nicht realistisch.

Die beiden Analysten beschreiben mehrere Folgen des Downratings. Zum einen wird die Nachfrage nach US-Staatsanleihen abnehmen. Das Angebot bleibt jedoch weiter hoch. Dadurch wird die USA für Anleihen höhere Zinsen zahlen müssen.

Dies hat aber auch einen positiven Aspekt: Bisher konnte die USA dank dem Triple-A-Rating billig Geld aufnehmen. Es wurden keine Anreize zum Sparen gegeben. Die

negative Entwicklung des Ratings könnte die politische Situation in den USA verändern. Besonders in Hinsicht auf die Wahlen im nächsten Jahr. Der Wahlkampf könnte sich wegen des erhobenen Zeigefingers der Ratingagentur auf nachhaltige Themen konzentrieren.

Das Budget zu sanieren und nicht gleichzeitig das Wirtschaftswachstum zu bremsen, wird schwierig. Zu starkes Sparen würde das Wachstum abwürgen.

„Ebenfalls ein Thema sind die langfristigen Zahlungsverpflichtungen der Renten- und Sozialsysteme. Hier sind Abbaumaßnahmen sehr schwierig. Wenn Sozialleistungen abgebaut werden, hat dies große wirtschaftliche Auswirkungen. Die Menschen werden in der Folge mehr sparen müssen“, sagt Wacker. Auch das würde die Wirtschaft bremsen.

Die USA muss auch darauf achten, dass die Zinsen nicht zu stark steigen. „Derzeit kann das Land wegen der tiefen Zinsen den Schuldenberg noch gut finanzieren. Weil viele Schulden aber kurze Laufzeiten haben, wird die USA in nächster Zeit viele Anleihen refinanzieren müssen. Ein zu starker Anstieg der US-Zinsen wäre da ein Problem. Der große Schuldenberg würde dann für die Politiker sehr schnell sehr unangenehm werden“, warnt Wacker. Investoren werden in Zukunft noch mehr in aufstrebende Länder investieren.

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