Marode Autobahnen belasten Russland

Die wichtigsten Autobahnen und Straßen von Russland sind bereits überlastet. Trotz massiver Investitionen hinkt der Ausbau der Autobahn dem Verkehrswachstum hinterher. Auch ausländische Firmen sollen das ändern.

Die russische Staatsholding Awtodor will bis Ende 2011 dem ersten ausländischen Unternehmen eine Konzession zum Betrieb einer Maut-Autobahn erteilen. Es handelt sich um ein bereits befahrbares 312 Kilometer langes Teilstück der Trasse M4 „Don“. Nach Angaben von Awtodor sollen bei der Ausschreibung nur internationale Anbieter mit Erfahrung beim Betrieb von mindestens 1.000 Kilometer Mautstraßen zugelassen werden. Russische Unternehmen können diese Anforderung nicht erfüllen. Für Neubauten zieht Awtodor im Rahmen von Public Private Partnerships (PPP) private Konzessionäre heran. Das meldet Germany Trade & Invest.

50 Milliarden für Straßenbau

Um den Straßenbau in Russland voranzutreiben und private Partner für Errichtung und Unterhalt der Autobahnen zu gewinnen, wurde im Jahr 2009 die Staatsholding GK Awtodor gegründet. Das Unternehmen soll sich um die Sanierung und den Betrieb der Autobahnen kümmern und dabei auch Mautmodelle einbeziehen. Bislang wurden Awtodor die beiden Strecken M4 „Don“ (1.517 km) und M1 „Belarus“ (450 km) übertragen. Dieses Jahr kommt die Strecke M3 „Ukraina“ (489 km) dazu.

Für das Jahr 2011 verfügt Awtodor laut russischen Presseberichten über einen Etat von 50 Milliarden Rubel für Neubau- und Straßensanierung. Im Sanierungsplan stehen in diesem Jahr 39 Teilstücke und über 30 Brücken auf den Trassen M1 und M4. Regionale Schwerpunkte sind die Gebiete Tula, Smolensk und Krasnodar. Aktuell schreibt die Staatsholding Projektierungsarbeiten und Reparaturarbeiten an diversen Trassen aus.

Russlands Modernisierung steht und fällt mit dem Ausbau der Infrastruktur. Dem Straßenbau kommt dabei besondere Bedeutung zu, denn drei Viertel der Waren- und Güterströme laufen über die Straße. Mit einem neuen Sonderfonds will Moskau ab diesem Jahr die Finanzierung des Straßenbaus auf eine solidere Grundlage stellen. Auch die Staatsholding Awtodor forciert den Ausbau der Autobahnen im Land.

Lastwagen zu schwer für russische Autobahn

Das russische Straßennetz ist einer immer größeren Belastung ausgesetzt. Schon heute laufen drei Viertel aller Güterströme und Personentransporte außerhalb der Städte über die Straßen. Die Zahl der Autos hat sich seit dem Jahr 2002 mit 40 Millionen fast verdoppelt. Bis zum Jahr 2020 kommen voraussichtlich noch einmal 20 Millionen Pkw hinzu, so dass die vorhandenen Autobahnen des Landes an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Schon jetzt können 70 Prozent der Autobahnen den gestiegenen Verkehr nicht mehr bewältigen, haben Experten errechnet. Ein Großteil dieser wichtigen Lebensadern ist lediglich zweispurig ausgebaut. Geplant und gebaut wurden die Strecken meist nur für Fahrzeuge mit einer Achslast bis sechs Tonnen. Heute fahren oft doppelt so schwere Lastwagen über die Straßen.

Sanierung und Neubau von Strecken kommen viel zu langsam voran. Pro Jahr wären Investitionen von 900 Milliarden Rubel (circa 22,7 Milliarden Euro) nötig; tatsächlich floss im letzten Jahr nur ein Drittel dieser Summe in den Straßenbau. Jährlich müssten allein 12.000 Kilometer der Autobahnen ausgebessert werden. Das ist dreimal mehr als die zuständige Behörde GK Rossiskije awtomobilnye dorogi (Rosawtodor) derzeit bewältigen kann.

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