Konjunktur in Eurozone schwächelt

Die Eurozone-Konjunktur verliert im Mai an Dynamik. Trotzdem habe laut Analysen die deutsche Privatwirtschaft kräftig expandiert. Indexstände über 50 zeigen eine Expansion des Sektors an, Stände darunter eine Kontraktion.

Die Wirtschaftsleistung der Eurozone legte im Mai mit der niedrigsten Rate seit sieben Monaten zu. Dies zeigt der Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion, der gegenüber April 2.4 Punkte auf 55.4 sank und damit binnen Monatsfrist so stark nachgab wie nie seit November 2008.

Der Industriesektor vermeldete eine besonders starke Wachstumsverlangsamung. Hier sackte der Index auf ein 7-Monatstief ab und notiert damit auch niedriger als der Service-Index Geschäftstätigkeit, der den zweiten Monat in Folge nachgab.

Wegen der abgeschwächten Nachfrage nach Dienstleistungen und Sorgen hinsichtlich der weiteren Konjunkturperspektiven sank der Index Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im Servicesektor im Mai auf den tiefsten Wert seit Juli 2009. Gleichzeitig wurden die Bestände an Fertigwaren in der Industrie so langsam abgebaut wie seit Dezember 2008 nicht mehr, weshalb wiederum die Quote Auftragseingang /Fertigwarenlager – einer der zuverlässigsten Frühindikatoren des Sektors – auf den zweitniedrigsten Stand seit Juni 2009 absackte.

Composite-Index in Deutschland gab nach

In Deutschland büßte die Konjunktur spürbar an Dynamik ein, hier gab der Composite-Index das vierte Mal hintereinander von seinem 4,5-Jahreshoch im Januar nach. In Frankreich verlief die Abschwächung verhaltener, hier sank der Index gegenüber seinem annähernden 11-Jahreshoch im April nur leicht. Die übrigen von der Umfrage erfassten Länder blieben mit annähernder Stagnation und dem höchsten Auftragsminus seit November 2009 weit abgeschlagen.

Besonders schwach zeigte sich der Servicesektor der Peripherie-Länder, er wies erstmals seit drei Monaten wieder leichte Geschäftseinbußen aus. Die Industrie vermeldete ebenfalls eine Wachstumsabschwächung, hauptsächlich infolge der deutlich nachlassenden Exportnachfrage.

Der Jobaufbau fiel insgesamt schwächer aus als in den letzten vier Monaten. In der Industrie wurden zwar weniger neue Arbeitsplätze geschaffen als in den zurückliegenden drei Monaten, doch blieb der Stellenaufbau hier überdurchschnittlich stark. Bei den Dienstleistern schwächte sich der Jobaufbau gegenüber April leicht ab. Deutschland war in dieser Kategorie führend, Frankreich wies nur einen mäßigen Zuwachs aus, und in den übrigen Ländern sank die Beschäftigung im Durchschnitt ein weiteres Mal.

Angesichts des niedrigsten Zuwachses der Auftragsbestände seit letztem November dürfte sich der Beschäftigungsaufbau in den nächsten Monaten weiter abschwächen, sofern es keine erneute Belebung beim Auftragseingang gibt. Die 10. Anhebung der Verkaufspreise in Folge fiel schwächer aus als in den zurückliegenden drei Monaten. Zurückzuführen war dies auf den spürbar verlangsamten Anstieg der durchschnittlichen Einkaufspreise. Der entsprechende Index sackte sogar auf ein 6-Monatstief ab. Beide Sektoren wiesen niedrigere Zuwachsraten bei den Einkaufs- und Verkaufspreisen aus, was oftmals mit der Verbilligung von Öl und anderer Rohstoffe begründet wurde.

Chris Williamson, Chief Economist bei Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:

“Trotz der anhaltend robusten Expansion signalisiert unsere Vorabschätzung, dass die Eurozone-Konjunktur im Mai so stark an Dynamik eingebüßt haben dürfte wie seit den Monaten direkt nach der Pleite der Bank Lehman Brothers Ende 2008 nicht mehr. In welchem Ausmaß dies auf das späte Osterfest oder auf die Lieferunterbrechungen im Nachgang des Erdbebens in Japan zurückzuführen ist, ist noch unklar.

Dass der Index Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im Servicesektor auf den tiefsten Wert seit Juli 2009 abgesackt ist, deutet jedenfalls darauf hin, dass dies erst der Anfang einer möglicherweise noch gravierenderen Wachstumsverlangsamung gewesen sein könnte. Entsprechend unserer April- und Mai-Daten dürfte die Wachstumsrate im zweiten Quartal 2011 mit 0.7 % vorerst jedoch nur geringfügig schwächer ausfallen als im ersten Quartal, in dem die Wirtschaftsleistung – wie von unseren Prognosen korrekt angezeigt – mit 0.8 % zugelegt hatte. Alles in allem bleibt der Aufschwung nach wie vor weitgehend auf Deutschland und Frankreich beschränkt, während die übrigen Länder mit annähernder Stagnation und weiteren Beschäftigungsverlusten zu kämpfen haben. Gute Nachrichten kamen hingegen von der Preisfront, wo der Preisrutsch bei Rohöl und anderen Rohstoffen für verlangsamte Steigerungsraten sowohl bei den Einkaufs- als auch bei den Verkaufspreisen sorgte.“

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