Fukushima: Das unglaubliche Verhalten von TEPCO nach der nuklearen Katastrophe

Die japanische Atomwirtschaft galt schon vor der nuklearen Katastrophe als korrupt, geldgierig und wenig vertrauenserweckend. Nun offenbart eine Studie, wie das Unternehmen die Öffentlichkeit getäuscht hat. Und die Untersuchung zeigt, wie fahrlässig die japanischen Atom-Aufsichtsbehörden den Beschwichtigungen von TEPCO Glauben schenkte.

Die im Auftrag von Greenpeace vom britischen Nuklearingenieur John Large durchgeführte Untersuchung beweist, “dass TEPCO bereits in den ersten Stunden nach dem Erdbeben von den Kernschmelzen gewusst und die japanische und internationale Bevölkerung seitdem bewusst getäuscht hat”. TEPCO soll bereits unmittelbar nach den großen Explosionen direkten Zugang zu Daten gehabt haben, die klar machten: Durch den rasanten Anstieg der Temperaturen im Druckbehälter war die über Tage geleugnete Kernschmelze bereits eingetreten. Large konnte anhand der ihm zugänglichen Daten die Kernschmelzen in den Reaktoren 1 bis 3 schon wenige Tage nach der Explosion nachweisen. In der Studie heißt es weiter: “Die Entscheidung, Meerwasser auf die Reaktoren zu schütten, geschah in dem vollen Bewusstsein, dass der Druckbehälter bereits gebrochen war. Man nahm in Kauf, dass mehrere zehntausend Tonnen hochradioaktives Wasser auslaufen und in die Umwelt gelangen konnten.”

War man bisher davon ausgegangen, dass TEPCO noch einige Zeit hoffte, die Anlagen retten zu können. Das Wall Street Journal hatte unmittelbar nach der Katastrophe berichtet, dass das Unternehmen aus handfesten wirtschaftlichen Überlegungen so zögerlich bei der Löschung mit Salzwasser vorgegangen war.

Nun zeigt sich: Die ganze Löschaktion war nicht nur dilettantisch, sondern eine Scheinaktion. Ein unglaubliches Vorgehen, welches der internationalen Gemeinschaft als Menetekel dienen sollte. Schon bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko war zu sehen, dass maßgebliche Player der Energiebranche nicht an das Gemeinwohl denken, sondern bis zum bitteren Ende ihren Profit an die erste Stelle rücken.

Die Konsequenzen müssen folgen: Bestrafung der Schuldigen und eine künftige rigide Kontrolle von Betreibern ist unerläßlich. Es geht am Ende auch um die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche, die ihr Geld damit verdienen soll, dass sie das Leben lebenswert macht – und nicht ganze Landstriche auf Generationen hinaus verwüstet.

Michael Maier

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