Smart Grid für mehr Energieeffizienz

Die vollständige Vernetzung der Strommärkte und die Einrichtung eines Smart Grid würde mehr Energieeffizienz bringen. Dafür bedarf es allerdings enormer Investitionen.

Das europäische Marktvolumen für Smart Grid – also der Vernetzung und Steuerung von allen Akteuren des Stromnetzes – liegt bei 100 Milliarden Euro im Zeitraum von 2010 bis 2014. Zudem sind in Europa laut EU-Energie-Kommissar Günther Oettinger etwa 45.000 Kilometer Stromleitungen zu modernisieren bzw. neu zu verlegen. Das Investitionsvolumen dürfte sich für Verteilernetze auf insgesamt 400 Milliarden Euro summieren; inklusive Übertragungs- und Supernetz sogar auf 600 Milliarden Euro. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Studie der Deutschen Bank.

Mehr Leistung durch Smart Grid

Die Vorteile für Deutschland und die Investoren wären enorm. Der Aufbau einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur in ganz Europa würde die Voraussetzung für einen funktionsfähigen europäischen Elektrizitäts-Binnenmarkt schaffen. Der dadurch ermöglichte grenzüberschreitende Wettbewerb auf dem europäischen Strommarkt könnte den Preisauftrieb zügeln. Dies käme allen Stromkunden zugute, der Industrie, dem Mittelstand und den vielen Privathaushalten.

600 Milliarden Euro müssen für die Erneuerung der Energienetze europaweit investiert werden. Die Energieversorger müssen sowohl Infrastruktur als auch Geschäftsmodelle grundlegend umgestalten. Global sollen mittels Smart Grid bis zum Jahr 2020 mehr als eine Milliarde Tonnen CO2 eingespart werden können. Das entspricht für die nächsten 20 Jahre einer Kostenreduzierung in den USA von 2,5 Milliarden US-Dollar sowie in Europa von 7,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Das europäische Supernetz wird sich laut den Analysten der Deutschen Bank ohne eine politische Förderung etablieren, da sowohl große als auch kleine Netzgesellschaften ein Interesse am Ferntransport großer Elektrizitätsmengen haben. Der Markterfolg der Smart Grids hingegen setzt eine politische Förderung voraus.

Das Thema Smart Grid trifft grundsätzlich auf breite Zustimmung; zumindest solange noch keine konkreten Netzausbaupläne und Kosten zur Disposition stehen. Entsprechend gestehen viele Länder dem Umbau der Elektrizitätsnetze hohe Priorität zu.

Flut von Daten

Die Verzahnung von Energienetz und Datennetz erhöht die Komplexität des althergebrachten Geschäftsmodells erheblich. Um mit solchen Datenvolumen sinnvoll umzugehen, müssen die Energieversorger sowohl Infrastruktur als auch Geschäftsmodelle grundlegend umgestalten. Hier eröffnen sich neue Wettbewerbsbeziehungen und Kooperationsmöglichkeiten insbesondere zwischen Elektrizitätsversorgung, IT-Einheiten und auch der Mineralölwirtschaft, die insbesondere bei der Elektromobilität ins Spiel kommt.

Die Menge der anfallenden personenbezogenen Daten wird exorbitant zunehmen. Angesichts der dezentralen Struktur der künftigen Energieversorgung und der großen Zahl der Akteure braucht es die passende Technologie, um Architektur und Organisation, Sicherheit und Vertraulichkeit der personenbezogenen Daten zu gewährleisten. Die Daten sind sensibel, da diese Daten viel über individuelle Lebensgewohnheiten verraten. Die Frage nach der Wahrung der Privatsphäre wird somit für die Kundenakzeptanz intelligenter Stromzähler und moderner Versorgungsnetze zu einem Schlüsselkriterium.

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