Bürokratie bei den Importen stört den Handel mit Russland

Bonitätsprüfungen von russischen Partnern sind schwierig. Unternehmer sollten gezielt Sicherheiten schaffen - was Unternehmer jetzt beachten sollten.

Der Handel mit russischen Kunden erfordert Spezialwissen über Risiken und Besonderheiten, auf die sich Exporteure einstellen müssen. Der Kreditversicherer Atradius hat eine Checkliste vorgelegt, der die wichtigsten Weichenstellungen für erfolgreiche Geschäfte mit Russland zusammenfasst. Eine Auswahl: ‚Ziehen Sie nicht vor Gericht’ lautet zum Beispiel eine der zehn Empfehlungen. Grund: Russland hat bislang nur mit wenigen anderen Staaten Verträge über die gegenseitige Anerkennung und Vollstreckung von Gerichtsurteilen abgeschlossen. Bei den Vertragspartnern handelt es sich zumeist um GUS-Staaten und nur in wenigen Fällen um westliche Länder. Gerichtsverfahren bleiben damit auf beiden Seiten meist wirkungslos. Daher ist es für Exporteure ein wichtig, Schiedsklauseln zu vereinbaren. Diese Klauseln werden laut Atradius von russischen Gerichten anerkannt.

Ein großes Problem im Handel mit Russland sind unübersichtliche Importstrukturen. Diese haben sich in den letzten 20 Jahren eingebürgert, um die Verzollung und Versteuerung von Waren zu umgehen. Als Importeur tritt dabei zum Beispiel eine Tochtergesellschaft in Zypern auf, die Lieferung erfolgt an ein ausländisches Abhollager, eine Zweckgesellschaft importiert die Waren, und die Rechnung bezahlt wiederum eine andere Auslandsgesellschaft. So oder so ähnlich gestalten sich oft Handelswege, die die Handelsbeziehungen künstlich verkomplizieren, um Spuren zu verwischen.

In Russland Bonitäten zu überprüfen, ist meist zu aufwendig

Aber seit einiger Zeit verfolgen russische Zollbeamte verstärkt die Drahtzieher solcher Strukturen. Wenn die russischen Behörden eine Firma dingfest gemacht haben, bleiben die deutschen Lieferanten nicht nur auf ihren Rechnungen sitzen, weil die Waren konfisziert werden. Sie geraten auch selbst ins Visier der russischen Ermittler – wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Deshalb sollten deutsche Unternehmen mit ihren russischen Kunden direkte Lieferungen und Zahlungen vereinbaren.

Für deutsche Unternehmen ist es sehr schwierig, die Bonität russischer Partner zu überprüfen. Es kommt, laut Atradius-Experten, vor, dass drei verschiedene Bilanzen für ein und dieselbe Gesellschaft existieren. Um sicherzugehen, hilft, selbst zur Gesellschaft nach Russland zu fahren und mit eigenen Augen sehen, wie es um die Zahlungsfähigkeit des russischen Unternehmen steht. Aber für den einzelnen Exporteur ist das oft nicht möglich. Unternehmen sollten deshalb vorbauen und ausreichende Sicherheiten mit dem russischen Kunden vereinbaren.

Im Vorfeld Sicherheiten mit Partnern in Russland vereinbaren

Es stehen verschiedene Instrumente der Absicherung zur Auswahl: Am häufigsten wird auf eine Bürgschaft oder eine Garantie zurückgegriffen. Alternativ zu einer Bürgschaft nach russischem Recht können die Parteien auch die Stellung einer Garantie nach ausländischem – zum Beispiel deutschem oder englischem Recht – vereinbaren. Eine solche Garantie wird von russischen Gerichten, laut den Atradius-Rechtsexperten, in der Regel anerkannt. In der Praxis haben beide Instrumente (Bürgschaft nach russischem Recht und Garantie nach nicht-russischem Recht) Vor- und Nachteile. Im Einzelfall muss ein Rechtsexperte abwägen. Weitere Sicherungsinstrumente sind die Verpfändung geeigneter Vermögensgegenstände, die Verpfändung von Gesellschaftsanteilen und Hypotheken an Grundstücken. Nach China ist Russland der am stärksten wachsende Markt für Produkte „made in Germany“. Im Vorjahr 2010 stiegen die deutschen Exporte nach Russland um rund 30 Prozent.

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