Viele Unternehmens-Prognosen taugen nichts

DAX30-Unternehmen verraten wenig über Finanzierung und Personal. Unternehmensberater haben Geschäftsberichte aus dem vergangenen Jahr unter die Lupe genommen.

Nur sieben der 30 DAX-Konzerne bieten in ihren aktuellen Geschäftsberichten eine Prognose-Berichterstattung, die das Prädikat „Hohe Transparenz“ rechtfertigt. Zu diesen Ergebnissen kommt die Kirchhoff Consult AG nach einer Analyse der Geschäftsberichte des Jahrgangs 2010.

Gute Prognosen liefern die Versorger E.ON und RWE sowie die Health Care Unternehmen Bayer und Fresenius Medical Care. Sie wagen in ihren Berichten konkrete und ausführliche Vorhersagen. Aus dem Bereich Konsum kommunizierten Henkel und METRO auf einer hohen Transparenzstufe. Die Prognose der Deutsche Post DHL ist ebenfalls in diese Kategorie einzuordnen. Aber sechs Unternehmen müssen mit dem Prädikat „Niedrige Transparenz“ leben.

Nachholbedarf gibt es bei den Automobilherstellern: Zwei der drei Unternehmen geben keinen konkreten Ausblick zur Ergebnisentwicklung. Volkswagen hat mit zehn Seiten einen der längsten Prognoseberichte. Der Autobauer landet aber dennoch in der Kategorie „Niedrige Transparenz“. Dagegen setzen die Prognoseberichte von Fresenius Medical Care und Bayer Maßstäbe: Zu allen relevanten Aspekten der Geschäftsentwicklung werden konkrete, nachvollziehbare Prognosen abgegeben.

Zu wenig Prognosen für Finanzierung und Personal

Zu den entscheidenden Bewertungskriterien für eine hohe Transparenz zählten die Studienleiter den quantitativen Ausblick für das Konzernergebnis 2011, den ausführlichen qualitativen Ausblick für 2011 und 2012, umfangreiche quantitative Prognosen zur Konzernentwicklung (z.B. F&E, Personal, Finanzierung) und Angaben zu Gesamtwirtschaft und Branchenentwicklung, Kostenmanagement, Produktpolitik sowie zukünftiger Unternehmensstruktur.

Weiteres interessantes Ergebnis der Studie: Vor dem Hintergrund einer anziehenden Konjunktur geben viele DAX-Unternehmen eine konkrete Prognose für das laufende Jahr 2011 ab. Aber ein Zwei-Jahres-Ausblick auf Basis konkreter Zahlen wird jedoch selten angegeben. Die Länge der Prognose-Berichterstattung variiert von zwei bis 14 Seiten. Am effizientesten ist hierbei der Henkel-Konzern: mit nur vier Seiten schaffte es das Unternehmen in die höchste Transparenzkategorie.

Nur ein Drittel mit klarer Prognose zu Investitionen im Folgejahr

Ein Drittel der Unternehmen beziehen zur Finanzierungsstruktur des Unternehmens in den Geschäftsberichten 2010 keine konkrete Stellung. Dagegen weisen 80 Prozent der Unternehmen genaue Angaben zur Investitionssituation im Folgejahr aus. Eine klare Prognose zum Personal machte nur ein Drittel der Unternehmen.

Die Studie wurde in Kooperation mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) erstellt. Analysiert wurden qualitative und quantitative Angaben zum erwarteten Konzernergebnis und zur erwarteten Geschäftsentwicklung aus den Kapiteln „Ausblick“ oder „Prognosebericht“ im jeweiligen Lagebericht.

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