Madrid drängt auf Handel mit spanischen Gurken

Spaniens Bauern verzeichnen hohe Umsatzeinbußen. Dafür machen sie das deutsche EHEC-Krisenmanagement nach dem angeblichen Fund des Darmkeims EHEC auf spanischen Gurken verantwortlich. - Die Quelle des gefährlichen Darmkeims ist noch nicht identifiziert.

Spanien fordert die sofortige Wiederaufnahme des kompletten Handels mit spanischem Gemüse. Nach der Warnung aus Hamburg hatte ein europäisches Land nach dem anderen seine Grenzen für spanisches Gemüse geschlossen. Spanische Branchenkreise bezifferten die Verluste der Bauern auf 200 Millionen Euro pro Woche.

Die Regierung in Madrid denkt weiter über Entschädigungsforderungen nach. Spanien werde zunächst den Schaden für die Landwirte beziffern und dann entscheiden, ob es möglich sei, „eine Entschädigung bei der EU-Kommission“ zu beantragen, sagte Außenministerin Trinidad Jiménez bei einem Besuch in Mexiko, berichten Nachrichtenagenturen. Zunächst sei es aber am wichtigsten, die Quelle der Erkrankungen zu identifizieren. Zuvor hatte bereits die spanische Landwirtschaftsministerin Rosa Aguilar Entschädigungen für spanische Landwirte gefordert und das deutsche Krisenmanagement kritisiert.

Spanische Gurken sind nicht der Hauptauslöser für den Ausbruch der Krankheit

Gemüse aus Spanien bleibt derzeit in den Regalen liegen, nachdem in der vergangenen Woche spanische Salatgurken als eine Quelle des EHEC-Erregers identifiziert worden waren. Mittlerweile erklärten die Behörden allerdings, der dort entdeckte EHEC-Erreger sei offenbar nicht die Quelle für den beispiellosen Ausbruch an Infektionen mit dem Darmkeim.

In Hamburg waren auf vier Gurken EHEC-Erreger entdeckt worden, von denen drei aus Spanien stammten. Bei einer vierten Gurke ist die Herkunft weiter unklar. Die Bakterien auf zwei von der insgesamt vier Gurken stimmten nicht mit dem Erreger-Typ bei betroffenen Patienten in Hamburg überein, teilte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) in der Hansestadt mit. Die Ursache für die Verbreitung des Erregers vor allem in Norddeutschland ist damit weiter unklar.

Hamburg ist ein Schwerpunkt der Erkrankungswelle. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde waren in der Hansestadt bis Dienstag 569 Fälle von EHEC oder EHEC-Verdacht gemeldet worden.110 Patienten wurden demnach wegen der lebensbedrohlich Komplikation HUS oder dem Verdacht darauf in Hamburger Krankenhäusern stationär behandelt. Es sei „keine Entspannung sichtbar“, sagte Prüfer-Storcks. Bundesweit starben bislang mindestens 15 Patienten nach einer Infektion mit dem Erreger. Auch aus Schweden wurde am Dienstag ein erster Todesfall gemeldet.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.