Unternehmensfinanzierung: Bankenabgabe soll Kreditvergabe nicht behindern

Die Finanzierung hat bei Unternehmenslenkern Priorität. An erster Stelle steht der Aufbau von Eigenkapital und der Zugang zu ausreichend guten Finanzierungsmöglichkeiten.

Mit einem blauen Auge sind die mittelständischen Unternehmen aus der Krise gekommen. Noch längst sind nicht alle Blessuren verheilt. Der wirtschaftliche Erholungsprozess bleibe „“langwierig und schwierig.“ Jetzt müsse vor allem darauf geachtet werden, dass Unternehmen genug und ausreichende Finanzierungen für Betriebsmittel und Investitionen angeboten werden, schreibt die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand in ihrem Jahresmittelstandsbericht 2010. Durch die Krise abgeschmolzenes Eigenkapital müsse jetzt wieder aufgebaut werden. Der Bericht basiert auf Konjunkturumfragen und Prognosen der in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Verbände aus Handel, Industrie, Handwerk, Gastgewerbe und Kreditwirtschaft.

Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand warnt, dass die Gefahr einer Kreditklemme nicht gebannt sei. Eine Sorge der Unternehmer ist, dass die Bankenabgabe Unternehmensfinanzierungen belastet. Die Abgabe könnte dazu führen, dass die Kreditvergabe schwieriger werde, weil die Spielräume der Banken enger werden. Die Unternehmer fordern von Politikern, dass sie bei der Diskussion um eine Bankenabgabe die Finanzierung des Mittelstandes im Blick haben müssen.

Um zukünftige Krisen zu vermeiden, bräuchte die Wirtschaft vor allem eine Finanzmarktregulierung, die besonders risikoreiche Geschäfte prüft. Diese müssten stärker mit Eigenkapital abgesichert werden, um bei hoher Risikoneigung der Finanzinstitute Kapitalpuffer zu haben.

Klassische Finanzierung war nicht der Krisenauslöser

Neue Regeln auf dem Finanzmarkt müssten nach Meinung der Arbeitsgemeinschaft weltweit gelten, um das Risiko neuer Krisen eindämmen zu können. Nationale Alleingänge würden dem Finanzplatz und der Kreditvergabe in Deutschland schaden. Die klassische Mittelstandsfinanzierung wäre nicht der Auslöser der Krise gewesen. Es könne nicht sein, dass die Unternehmen die Bankenabgabe über höhere Kreditzinsen tragen müssten, heißt es im Bericht.

Die Verbände erklären zwar, dass staatliche Stabilisierungsmaßnahmen zur Rettung beigetragen hätten. Auf der anderen Seite machen sie „fehlende Regeln“ und „politische Fehler“ für die Finanz- und Wirtschaftskrise verantwortlich. Auch die Ursache für die aktuelle Euro-Krise sehen sie hier.

Im letzten Jahr gingen die Umsätze der mittelständischen Betriebe um 4,9 Prozent zurück. Die Beschäftigung blieb mit minus 0,3 Prozent stabil. Die Arbeitsgemeinschaft ist der Meinung, dass sich das hohe Beschäftigungsniveau nur halten lassen, wenn in diesem Jahr angekündigte Maßnahmen zur Binnenmarkt-Stabilisierung umgesetzt werden. Eine Konsolidierung des Staatshaushalts und Steuerentlastung wären geeignete Maßnahmen. Aktuell gehe im Jahr 2011 von der Binnenkonjunktur kein Wachstum aus. Im letzten Jahr wäre das anders gewesen.

Management mahnt Abbau der Bürokratie an

Die Vertreter des Mittelstandes fordern von der Politik eine Rückführung staatlicher Ausgaben, um eine Steuerentlastungen durchziehen zu können. Veränderungen in den Sozialversicherungen seien angebracht. In der Kranken- und in der Pflegeversicherung müsse die Risikoabsicherung vom Arbeitsverhältnis gelöst werden, fordern die Unternehmerverbände. Ineffiziente arbeitsmarktpolitische Programme sollten gestoppt werden. Arbeitsagenturen benötigten größere Entscheidungsautonomie für die Integration Arbeitsloser in den ersten Arbeitsmarkt. Um Bürokratie abzubauen, soll die Bundesregierung neben anderen Maßnahmen das Arbeitsrecht flexibler gestalten und Besteuerungsverfahren vereinfachen.

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