Die Gewinner und Verlierer der EHEC-Krise

Kleine Ursache, große Wirkung. Der EHEC-Erreger treibt von einem Tag auf den anderen ganze Branchen in den Ruin und lässt andere Wirtschaftszweige unerwartet aufblühen. EHEC macht deutsche Gemüsebauern, den Lebensmittel-Einzelhandel, Transportunternehmen und Gastronome sowie Hotels und Touristikunternehmen zu den großen...

Kleine Ursache, große Wirkung. Der EHEC-Erreger treibt von einem Tag auf den anderen ganze Branchen in den Ruin und lässt andere Wirtschaftszweige unerwartet aufblühen. EHEC macht deutsche Gemüsebauern, den Lebensmittel-Einzelhandel, Transportunternehmen und Gastronome sowie Hotels und Touristikunternehmen zu den großen Verlierern der Epidemie. Andererseits zählen Biogasanlagenbetreiber und Prüfungsgesellschaften für Lebensmittelsicherheit genauso zu den Gewinnern der EHEC-Krise wie Produzenten von Desinfektions- und Reinigungsmittel und Produzenten von Tiefkühlkost und Konserven. Obstbauern wiederum profitieren von steigenden Verkaufszahlen, und Pharmakonzerne erhöhen ihre Umsätze durch den Verkauf von Schnelltests zum Nachweis des lebensgefährlichen EHEC-Erregers.

Drei Millionen Euro pro Tag – so viel haben allein die deutschen Bauern an Umsatz bis jetzt durch die EHEC-Krise verloren. Tendenz ist steigend. Alfred Pfister, stellvertretender Geschäftsführer von Marktkontor Obst und Gemüse e.V., schätzt die tatsächliche Schadensumme der europäischen Gemüsebauern auf 600 Millionen Euro. Mit 210 Millionen Euro will die EU-Kommission nun die Gemüsebauern unterstützen. Das bedeutet, nur ein Drittel der Umsatzeinbußen der Bauern wäre abgedeckt. Damit ist die Existenz vieler Bauernhöfe bedroht. In Deutschland wurden zusätzlich zinsgünstige Kredite von der Landwirtschaftlichen Rentenbank zur Verfügung gestellt. Erwartet wird jetzt aber auch ein Beitrag der Bundesregierung und der Bundesländer. Bleibt eine umfassende Entschädigung für die Gemüseproduzenten aus, könnte das zu einer Pleitewelle führen. Denn ohne eine Sicherheit, wird es auch für Banken schwierig, die Zahlungsfähigkeit der Betriebe durch Kredite aufrechtzuerhalten.

Den größten Verlierer sehen die Bauernverbände im Krisenmanagement der Bundesregierung. Der Generalverdacht über eine Branche hat dramatische Folgen für viele kleine und mittelständische Unternehmen. Experten sprechen von der schlimmsten Absatzkrise seit den Tagen von Tschernobyl. Es wird sich zeigen, ob es sich um eine berechtigte Sicherheitsmaßnahme oder einen unbegründeten Generalverdacht handelt.

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