Steigende Zinsen und Basel III erschweren Finanzierungen

Die Finanzsituation der mittelständischen Unternehmen hinkt der guten Konjunktur hinterher. Die Zinswende der EZB schlägt immer mehr durch, die regulatorischen Anforderungen steigen und der Wettbewerb um Kapital nimmt zu.

Die Finanzierungssituation kann nicht mit der guten Konjunktur mithalten. Zwar beschreiben die meisten Unternehmern ihre Situation als stabil. Aber der Zugang zu Krediten hat sich nach Aussage der befragten Unternehmen kaum merklich verbessert. DIHK-Experten hatten erwartet, dass der Anteil der „verbessert“-Meldungen deutlicher angestiegen wäre, was nicht der Fall war. Grund der Annahme war die sehr gute Geschäftstätigkeit im Inlands- und im Auslandsgeschäft.

Der Anteil an Unternehmen, die Finanzierungskonditionen bemängeln, ist noch zu hoch, um von einem guten Umfeld für Finanzierungen zu sprechen. Trotz der guten Geschäftstätigkeit sprechen noch immer 17 Prozent der Unternehmen von allgemein verschlechterten Finanzierungskonditionen. Für 15 Prozent haben sich die Bedingungen bereits verschlechtert. Zwei Prozent der Unternehmen berichten von abgelehnten Krediten. Nur noch sieben Prozent der Betriebe verzeichnen verbesserte Kreditkonditionen. Am Jahresanfang waren es noch elf Prozent. Das sind die Kernergebnisse einer DIHK-Umfrage in diesem Frühsommer.

Finanzierungen sind für die meisten kein Risiko mehr, das zur Insolvenz führen könnte

Die gute Nachricht ist, dass Finanzierungen für die meisten Firmen kein Geschäftsrisiko mehr darstellen. Trotz der Schwierigkeiten einiger Unternehmen, Finanzierungsvorhaben durchzuziehen, bewerten nur 15 Prozent die Finanzierung insgesamt als Risiko. In der Vor-Umfrage waren es 17 Prozent. Steigende Rohstoffpreise und fehlende Fachkräfte werden dagegen immer häufiger als Gründe für große Geschäftsrisiken angegeben.

Die Unternehmen, die die Finanzierung als entscheidend ansehen, gehören zu der Gruppe, die mit abgelehnten Krediten leben müssen. Rund 44 Prozent dieser Unternehmen sehen die Finanzierung als Hauptrisiko für ihre Geschäfte in den nächsten Monaten an. Besonders die fehlende Liquidität gefährdet die Existenz dieser Unternehmen. Rund 57 Prozent der Unternehmen mit Problemen bei der Betriebsmittelfinanzierung geben an, dass die Finanzierung ein Risiko für ihre Geschäftstätigkeit darstellt.

Die steigenden Zinsen geben immer mehr Unternehmen als Grund für verschlechterte Kreditkonditionen an. Bei der Umfrage zuvor waren es 58 Prozent, jetzt schon 67.

Die Banken achten bei der Kreditvergabe immer stärker auf Bonität. Gründe sind die Auswirkungen der Krise und die geplanten, strengeren Basel III-Regeln. Unternehmen mit einer guten Bonität können sich bislang gut finanzieren, weil das Zinsniveaus noch niedrig ist. Planungssicherheit bietet die langfristige Investitionsfinanzierung mit fester Zinsbindung.

Positiver Effekt von Basel II war es, dass Unternehmen ihre Finanzierung besser aufgestellt haben. Doch die meisten Unternehmer sind noch nicht sicher, was mit Basel III auf sie zukommt. Sorge bereitet insbesondere die geplante Einführung einer risikounabhängigen Leverage Ratio, was eine Kreditvergabe-Obergrenze einschließen würde. Der DIHK rechnet damit, dass sich dadurch die Export- und Handelsfinanzierung, die Immobilienfinanzierung, das Fördergeschäft und auch die Kommunalfinanzierung verteuert oder sogar verdrängt wird.

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