Private Equity sucht unter Hochdruck nach Beteiligungen

Aber höhere Zinsen und Einstiegspreise trüben die gute Stimmung in der Branche. Doch insgesamt wird sich der Aufschwung am Beteiligungsmarkt verfestigen - vorausgesetzt, dass es keine neue Krise gibt.

Die Stimmung auf dem Private Equity-Markt ist gut, die Aussichten ebenfalls. Marktbeobachter sprechen von einem Private Equity-Comeback. Sie prognostizieren auch mittelfristig gute Geschäfte – allerdings immer unter dem Vorbehalt, dass eine neue Krise vermieden werden kann. Die Branche rechnet im laufenden Jahr mit einer Zunahme von Transaktionen, Fundraising-Aktivitäten und Unternehmensverkäufen (Exits). Das belegen zwei Analysen: der „Global Private Equity 2011 Report” von Bain & Company und das German Private Equity Barometer der KfW.

Die Gründe für die gute Stimmung sind die verbesserten Bedingungen beim Fundraising und den Exitmöglichkeiten sowie einem abnehmenden Abschreibungsbedarf für Totalverluste. Besorgnis kommt bei den Beteiligungsprofis beim Thema Marktzinsen auf. Die Bewertung der Zinserwartungen ist deutlich gefallen. Auch der konjunkturbedingte Auftrieb der Einstiegspreise wirkt sich negativ auf die allgemein gute Stimmung der Branche aus.

Das KfW-Barometer zeigt einen Anstieg des Geschäftsklimas im ersten Quartal des Jahres 2011 um fünf Zähler auf 47 Punkte. Der leichte Stimmungsrückgang zum Jahresende 2010 ist damit mehr als wettgemacht. Zur guten Stimmung tragen die Urteile zur Lage und die Geschäftserwartungen bei. Beide Werte liegen nun deutlicher über ihren langfristigen Mittelwerten als zuvor. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich der Aufschwung am deutschen Beteiligungskapitalmarkt verfestigt.

Schuldenkrise bleibt echte Gefahr für Beteiligungsbranche

Die Marktteilnehmer schätzen die Konjunktur so gut wie noch nie seit ihrem Höchststand im Frühsommer des Jahres 2007 ein. Zudem schätzen sie die Signale, die von den Aktienmärkten ausgehen als sehr positiv ein, so ein zentrales Ergebnis des German Private Equity Barometers.

Kernergebnis des Reports von Bain ist, dass die Risiken durch die Weltkonjunktur und die Schuldenkrise bestehen bleiben und echte Gefahren für die Beteiligungsbranche sind. Insgesamt zeichnet der Report jedoch ein zurzeit frohes Stimmungsbild: So werde die Nachfrage nach Private Equity (PE)-Transaktionen in diesem Jahr deutlich steigen.

So horten laut Bain die PE-Gesellschaften weltweit knapp eine Billion US-Dollar, die bislang noch nicht investiert worden sind. Demnach stehen insgesamt 434 Milliarden US-Dollar für den Erwerb von Unternehmen (Buyouts), 169 Milliarden US-Dollar für Investitionen in Immobilien, 152 Milliarden US-Dollar für Gründungs- und Wachstumsfinanzierung (Venture Capital), 53 Milliarden US-Dollar für Beteiligungen an in Schieflage geratene Unternehmen (Distressed Assets) sowie 42 Milliarden US-Dollar an Mezzanine-Kapital zur Verfügung.

Weil so viel Geld zur Verfügung steht, muss es zwangsläufig zu einer Zunahme der Transaktionsvolumen kommen. Die Anleger wollen ihr Geld investiert sehen. So handelt es sich nach Einschätzung der Bain-Experten bei einem Viertel des für Buyouts vorgesehenen Kapitals um „Geld unter Druck”. Diese 110 Milliarden US-Dollar müssen zum Beispiel an Rentenfonds, Versicherungen oder Banken zurückgegeben werden, wenn Private Equity-Manager nicht schnell genug ein Investment abschließen können.

Die intensive Suche nach Top-Anlagemöglichkeiten kann aber auch negative Folgen haben, wenn Manager nicht sorgfältig genug arbeiten. „Wenn Unternehmensanalysen unter Anlagedruck leiden und Fonds die neuen Realitäten der Private Equity-Wertschöpfung ignorieren, kann es sich negativ auf das Geschäft auswirken. Heute ist vor allem die Arbeit nach Abschluss eines Deals wichtig“, sagt Rolf-Magnus Weddigen, Managing Director bei Bain.

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